Fahrbericht Castagna Milano Aznom
— 31.01.2008Ein Italiener hebt ab
Eine kleine Firma in Mailand will es mit den ganz Großen aufnehmen: Der Castagna Milano Aznom wettert mit exklusiver Optik und 372 km/h gegen Ferrari & Co. Als Basis dient eine Corvette Z06.
Austauschbare Karosserieteile
Auf Knopfdruck mehr PS
Genauso radikal wie mit der Außenhaut ging Gioacchino Acampora mit dem Innenraum um: Vertraute (und gewichtige) Einrichtungsgegenstände wie Instrumente, Knöpfe und Schalter oder originale Sessel flogen raus. Einzug hielten stattdessen Sparco-Rennsportsitze aus Carbon, die sehr leicht sind und die Passagiere auch bei extremer Querbeschleunigung im Griff haben. Auf den Komfort elektrischer Einstellbarkeit verzichten sie nicht – die Tasten dafür sucht man allerdings vergeblich. Die gesamte Bedienung des Autos, von der Lenkrad- oder Sitzeinstellung bis zur Klimatisierung, funktioniert über einen berührungsempfindlichen Bildschirm an der Mittelkonsole. Am Touchscreen lässt sich auch die Motorleistung manipulieren: Fingerdruck genügt, und statt 740 wüten 820 PS in Richtung Hinterachse. Eine erschütternde Ansage. Denn Acamporas Rosskur reduziert das ursprüngliche Corvette-Gewicht von 1418 Kilo um gut zwei Zentner. Gleichzeitig sprang die Motorleistung dank zweier ladeluftgekühlter Kompressoren um über 300 PS in die Höhe. Das Drehmoment: fast 1000 Newtonmeter. Ein vergleichbares Dynamikpotenzial ergäbe sich, würde man den aufgeladenen Siebenliter-V8 in einen Fiat Bravo einbauen. Die versprochenen Fahrleistungen überraschen da kaum: 2,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h und über 372 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Maximaltempo ist allerdings nicht allgemeingültig, sondern hängt vom montierten Karosseriekit ab. Wenn besonders viel Abtrieb gefordert ist, muss man sich mit 334 km/h begnügen.
Exklusives Fahrgefühl, exklusiver Preis
Auf den verstopften Straßen zwischen Mailand und Como kommen wir kaum in Versuchung, die Unterschiede herauszufahren. Erst recht, weil es sich um das erste und bislang einzige Exemplar handelt. Relativ brav reiht sich der Aznom in die Autoschlangen ein, gibt sich recht handlich und zwar hart, aber nicht knüppelhart gefedert. Entspannt blicken wir auf das gut abzulesende Head-up-Display in der Windschutzscheibe und lauschen dem Grizzly-Grollen des V8 – aber auch dem Klappern der insgesamt eher provisorisch verarbeiteten Karosse. Vergessen, wenn ein kleines Stück freier Straße lockt: Ein Tritt aufs Gas, und der Achtzylinder prügelt das kleine Kohlefaserbündel auf eine Weise nach vorn, dass dem Fahrer fast das Bewusstsein schwindet. Das dürfte genau der Moment sein, in dem Acampora bei Probefahrten den Kaufvertrag zückt. Denn in diesem Dynamikdelirium unterschreiben Fans auch eine Rechnung, auf der ein ziemlich abgehobener Betrag steht: 1.000.000 Euro.
| Technische Daten *) | Castagna Aznom |
|---|---|
| Motor | V8, 2 Kompressoren |
| Einbaulage | vorn längs |
| Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/1 |
| Hubraum | 7011 cm3 |
| kW (PS) bei 1/min | 603 (820)*) / 6400 |
| Literleistung | 117 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 980 / 3200 |
| Antriebsart | Hinterrrad |
| Getriebe | 6-Gang manuell |
| Bremsen vorn | 355 mm/innenbel./geschl. |
| Bremsen hinten | 340 mm/innenbel./geschl. |
| Radgröße vorn / hinten | 9,5 x 20 / 12 x 20 |
| Reifen vorn / hinten | 285/30R20 / 335/30 R 20 |
| Reifentyp | Pirelli P Zero Rosso |
| Länge/Breite/Höhe | 4444/1990/1240 mm |
| Radstand | 2686 mm |
| Leergewicht/Zuladung | 1320 kg/k. A. |
| Leistungsgewicht | 1,6 kg/PS |
| Tankvolumen | 69 l |
| EU-Normverbrauch Ø auf 100 km | k. A. |
| Beschleunigung von 0–100 km/h | 2,8 s **) |
| Höchstgeschwindigkeit | über 372 km/h |
| Preis mit Extras | 1.000.000 Euro |
| *) Herstellerangaben | **) im Sportmodus |





































