Fahrbericht Chevrolet HHR

Chevrolet HHR Chevrolet HHR

Fahrbericht Chevrolet HHR

— 26.11.2007

Retro allein reicht nicht

Retro-Design kann sehr erfolgreich sein. Der Mini oder der Fiat 500 beweisen es. Chevrolet springt mit auf den Zug "aus alt mach neu" und stellt mit dem HHR den Erben des Chevy Suburban auf die Räder.

"Entweder man mag dieses Auto – oder man mag es nicht. Da gibt es keine zwei Meinungen", sagt ein Chervrolet-Sprecher bei der Vorstellung des HHR. Das steht für "Heritage High Roof" und bedeutet sinngemäß "Hochdach-Erbe". Vorbild für den Retro-Chevy war der Suburban aus dem Jahr 1949, der damals in den USA Großfamilien mobil machte. Und für die USA ist der HHR auch gebaut, das merkt der Fahrer ganz schnell, wenn er sich hinters Steuer setzt. Der Chevy ist ein Cruiser alter Schule, hohes Tempo mag er nicht. Die expressiven Kurven des Amis signalisieren zwar Sportlichkeit, die er aber in keiner Sekunde an den Tag legt. Der 2,4-Liter-Benziner, der nominell 170 PS und 222 Newtonmeter Drehmoment auf die Straße bringt, leistet gefühlt maximal 120 PS. In 9,1 Sekunden erreicht der Retro-Van die 100-km/h-Marke, klingt ordentlich, aber gerade in Verbindung mit der veralteten Viergang-Automatik wirkt der HHR saft- und kraftlos. Die wechselt manchmal ziemlich willkürlich die Schaltstufen, gerade bei etwas flotterer Fahrt auf der Landstraße. Die 1200 Euro Aufpreis für die Schalthilfe sollte der Käufer getrost sparen und zum Handschalter greifen. Dann spart er auch einen halben Liter Sprit auf 100 Kilometern. Sparsam ist der HHR auch mit der Fünfgangbox nicht. Weil der schlappe Motor zu Drehzahlorgien verführt, verbrauchte das Fahrzeug bei einer ersten Ausfahrt nicht die versprochenen 8,6, sondern zwölf Liter. Unter zehn Litern wird der Ami auch bei gelupftem Gasfuß nicht zu bewegen sein. Ungewöhnlich für ein 170-PS-Auto: Bereits bei 180 km/h wird die Höchstgeschwindigkeit abgeregelt.

Komplettpaket für 23.000 Euro

Aber der Chevy hat auch Stärken. Zum Beispiel ordentlich Platz vorn wie hinten. Menschen bis 1,80 Meter Größe sitzen auch im Fond bequem, dann schluckt der Hochdach-Erbe 430 Liter Gepäck. Bei umgelegter Rückbank passen sogar sehr respektable 1785 Liter durch die elektrisch schließende Klappe. Unter dem Kofferraumboden liegt ein Fach, das nochmal 80 Liter fasst, außerdem liegen links und rechts zwei abschließbare Stauräume mit einem Volumen von insgesamt 12,9 Litern. Der Laderaumboden lässt sich zum Fixieren von Gegenständen hochstellen oder ausziehen und als Tisch benutzen. Bis zu 45 Kilo soll die Plastikklappe tragen. Dazu rollt der HHR als Komplettpaket zum Kunden. Elektrisch verstellbare Ledersitze, Tempomat, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, CD-Radio, Zentralverriegelung inklusive Fernbedienung oder elektrische Fensterheber sind zum Preis von 22.990 Euro inklusive. Nicht viel für ein 4,48-Meter-Auto mit so viel Luxus.

Weiche Welle ist gewöhnungsbedürftig

Die schicke Linie des Chevy fordert allerdings auch ihren Tribut. Die Rundumsicht ist stark eingeschränkt, C-und D-Säule zu dick, als das noch von Übersicht die Rede sein kann. Auch nach vorn kann der Fahrer die Dimensionen des Retro-Flitzers nur erahnen. Das Hartplastik des hübsch gemachten Cockpits wirkt billig, einige Kanten außerhalb des direkten Blickfelds wurden lieblos entgratet. Dafür punkten die grün illuminierten Instrumente mit frischer Optik, die ganz und gar nicht retro ist. Weniger schön: Die Lenkung arbeitet zwar direkt, aber mit wenig Rückmeldung und auch das leicht modifizierte Fahrwerk verleugnet die amerikanische Herkunft nicht. Die weiche Welle ist gewöhnungsbedürftig, in Kurven neigt sich der HHR kräftig. Spätestens dann merkt der Fahrer, dass die glatten Ledersitze wenig Seitenhalt bieten. Man mag den HHR – oder man mag ihn nicht? Ganz so einfach ist es nicht. Auf jeden Fall paart der Ami reichlich Platz mit auffälligem Design. Ob das reicht, um an den Erfolg in den USA anzuknüpfen, ist fraglich.

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