Fahrbericht Chrysler 300C 3.0 CRD

Chrysler 300C 3.0 CRD Chrysler 300C 3.0 CRD

Fahrbericht Chrysler 300C 3.0 CRD

— 14.11.2005

Ein typischer Ami wird sparsam

Große Schnauze wie ein Spritfresser, doch dahinter steckt der neue Mercedes-V6-Diesel. Erste Fahreindrücke mit dem sparsamen Riesen.

Irres Kreuztritt-Gefühl, kaum Diesel-Sound

Der Chrysler 300C steht ab 18. November 2005 mit einem "nagelneuen" Dieselmotor bei den Händlern. Das stimmt – und stimmt auch wieder nicht. Denn der von Mutter Mercedes-Benz gelieferte V6 ist zwar neu, aber er nagelt nicht.

Okay, ganz fern, sozusagen tief in der Ölwanne, scheint es, als klopfe jemand gelegentlich mit einem Hämmerchen auf Stecknadeln herum – nur sensible Lauscher werden daraus auf das Selbstzünderprinzip von Rudolf Diesel schließen. Das verrät auch nicht der Drehzahlmesser, der traumhafte 7000 Umdrehungen zuließe, wenn dieser Motor sie denn je erreichen würde. Das, was da so undieselig unter der Haube brummt, entlarvt sich nur durch das tierische Drehmoment von 510 Newtonmetern schon bei 1600 Umdrehungen. Lediglich der 5,7-Liter-V8-Benziner übertrifft ihn um 15 Nm, das allerdings erst bei durstigen 4000 Touren.

Deutschland ist Diesel-Land. Fast die Hälfte der Neuzulassungen hat einen Selbstzünder unter der Haube, nur die teils noch fehlenden Rußfilter verhindern den ganz großen Durchbruch. Im sogenannten E-Segment (A6, 5er-BMW, E-Klasse) waren es in den ersten Monaten des Jahres bereits über 70 Prozent. Da war es nur logisch, daß Chrysler seinem sprithungrigen Dreihunderter früher oder später einen Diesel spendiert. Die Amis sind allerdings zu bedauern. Der Motor ist für Nordamerika noch tabu, deshalb werden sie nie das Kreuztritt-Gefühl genießen, wenn schon knapp über Leerlaufdrehzahl Isaac Newton seine 510 Meter auf die Hinterachse wuchtet und den Zweitonner (genau: 1928 Kilo Leergewicht) in 7,6 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert.

Ungenaue Lenkung, straffes Fahrwerk

Nur der fette 5,7-Liter-Benziner kann das noch mal eine gute Sekunde besser, braucht dafür aber auch deutlich mehr Sprit. Der Prospekt meldet 18,1 Liter Super (Stadt), der Diesel nur 10,8. Im Mittel soll der V8 12,1 Liter Super verbrennen, der Diesel 8,1. Der V8 ist mit 250 Spitze dafür 20 km/h schneller als der Diesel. Die Prognose ist einfach: Der Leichtölverbrenner wird bei uns der größte Feind des benzindurstigen V8.

Drüben jedoch eilen die schluckfreudigen Nachfolger des 300M von Rekord zu Rekord. Seit US-Marktstart im April 2004 wurden schon weit über 200.000 vom 300C verkauft; sechsmal soviel wie vom Vorgänger im vergleichbaren Zeitraum. Auch in Deutschland wurde der 300C-Benziner auf Anhieb zum bestverkauften Importmodell dieser Größenklasse. Jetzt, mit Diesel, dürfte er noch bessere Chancen haben, zumal er preislich fast 10.000 Euro unter dem vergleichbaren Vetter Mercedes-Benz E 320 CDI liegt.

Die Verarbeitung des großen Amerikaners ist noch nicht ganz auf dem Stuttgart-Niveau. Die Lenkung wirkt etwas stumpf und ungenau. Dafür ist das Fahrwerk angenehm straff, genaue Aussagen kann natürlich erst ein Test bringen. Der Motor machte mit seiner "Auf dem Highway ist die Hölle los"- Auslegung zusammen mit dem agilen Fünfgang-Automatikgetriebe aber schon bei der Probefahrt riesigen Spaß.

Technische Daten, Ausstattung und Preis

Ebenso die Wohlfühl-Ausstattung. Von Airbags (einschließlich Windowbags vorn und hinten) über Bordcomputer, Radio, Klimaautomatik, Xenonlicht bis Zentralverriegelung ist alles serienmßig, was diese Klasse bieten sollte. Mehr noch: Sogar die Rücksitzbank ist asymmetrisch umklappbar. Wer nicht gleich den Kombi "Touring" (ab 39.000 Euro) wählt, hat auch so schon bei Bedarf eine Art Last-Wagen.

Lediglich ein Super-Audiosystem, Navigation, Glasdach, elektrisch verstellbare Pedale und allerlei edle Hölzer kosten Aufpreis. Das einzig Fiese: Wer im Winter beheizbare Vordersitze schätzt, der muß 1700 Euro hinlegen, weil es die Wärme nur in Verbindung mit Ledersitzen gibt. Darüber sollten sich die Chrysler-Preisgestalter vor dem kalten 18. November doch noch mal warme Gedanken machen.

Technische Daten Chrysler 300C 3.0 CRD V6-Dieselmotor • vier Ventile je Zylinder • eine Ausgleichswelle • Hubraum 2987 cm³ • Leistung 160 kW (218 PS) bei 3800/min • maximales Drehmoment 510 Nm bei 1600/min • Heckantrieb • Fünfgang-Automatik • Einzelradaufhängung vorn und hinten • Kofferraumvolumen 504 Liter • Tankinhalt 71 Liter • Länge/Breite/Höhe 5015/1880/1475 mm • Reifen 225/60 R18 • Leergewicht 1928 kg • 0-100 km/h in 7,6 s • Spitze 230 km/h • Verbrauch 8,1 l D • Preis 36.600 Euro

Hier ist Ihre Meinung gefragt Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Chrysler 300C 3.0 CRD. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Diether Rodatz

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