Fahrbericht Chrysler Akino

Fahrbericht Chrysler Akino

— 05.12.2005

Die (US)A-Klasse

Kurz und knackig: Akino, die A-Klasse von Chrysler, kommt mit doppeltem Boden und japanisch geprgtem Innenraum. Erste Ausfahrt in Tokio.

"Speziell frs Fahren im Grostadtverkehr"

Auch wenn Sie jetzt den Kopf schtteln: Akino pat durchaus zu Buddha. Wrde der asiatische Religionsstifter heute die japanische Hauptstadt besuchen, wrde er vermutlich diesen Mini-Van nehmen. Denn der als Buddha bekannte Siddhartha Gautama war ein praktisch denkender Mensch und als Sohn adeliger Eltern auch mit den angenehmen Seiten des Lebens vertraut. Was Buddha auf einer Verkehrsflche von 372 x 180 Zentimeter erwarten knnte, haben wir in der Millionenmetropole Tokio erfahren.

Die Passagiere des kleinen Chrysler sollen sich auf der Strae zu Hause fhlen. So wnscht es sich jedenfalls die japanische Designerin Akino Tsuchiya, die den Fronttriebler im kalifornischen Designstudio "Pacifica" entwarf. "Speziell frs Fahren im Grostadtverkehr", wie sie sagt. Nach ihr ist die se Studie auch benannt. Und weil die raumsparendste Grundform das sogenannte "One-Box-Design" ist, fhrt der Chrysler Akino als Skulptur ohne Karosseriestufen vor. Mit Rdern in den uersten Ecken und einem 1,61 Meter hohen Dach. Das schafft Platz im Innenraum, der mit einem ganzen Bndel von Innovationen verwhnt.

Der Fahrer betritt den Akino durch einen Schritt nach oben auf den ebenen Fuboden, dessen Sandwich-Bauweise spter mal einen Unterflurmotor nach dem Vorbild der Mercedes-Benz A-Klasse aufnehmen soll. Aus erhher Sitzposition geniet man den innerstdtischen Weitblick.

Akino-Cockpit erinnert an den Smart fortwo

Die sparsame Instrumentierung des Akino-Cockpits erinnert an die des Smart fortwo. Ein Schalthebel fehlt gnzlich. Das sechsstufige Automatikgetriebe wird "by wire" ber Tasten im Lenkrad gesteuert.

Gleichermaen fr den Beifahrer erreichbar, liegt im Armaturentrger das Touchscreen-Feld zur Bedienung des Infotainmentsystems. Es besteht aus Audio-Anlage, Navigations- und Klimasteuerung. Abgesehen vom Chauffeur findet in verkehrstauglicher Wohnzimmer-Atmosphre eine Viererclique Platz. Auf dem drehbaren Sessel vorn und im Fond auf einem fest installierten Halbrundsofa.

"Schauen Sie sich auf den Tokioter Straen um!", fordert mich die 37jhrige Akino auf. "Sie sehen: Ein Japaner kommt selten allein. Wir lieben gemeinsame Unternehmungen. Und weil wir gern reden und lachen, sitzen wir einander am liebsten gegenber. Zu Hause im Wohnzimmer und idealerweise auch im Auto." Was liegt also nher, als das Wohnzimmer gleich ins Auto zu verpflanzen? Die sofahnlich geschwungene Sitzbank im Fond macht es mglich. Dort sind drei Sicherheitsgurte vorgesehen, und die verglaste Dachpartie darber ist leicht angehoben.

Im Fond lt es sich herrlich rumlmmeln

Neben mehr Kopffreiheit wird so eine sehr lichte Atmosphre erzeugt. Fast glaube ich, im Freien zu sitzen. Ist der kleine Flachbildschirm erst aus der Decke geklappt, wird das Sofa schlielich zur Fernsehcouch. Ja, sogar halb liegend kann ich im Fond des Chrysler Akino so richtig herrlich rumlmmeln.

Der Akino wre als Buddha-Mobil inakzeptabel, wenn beim Interieur nicht Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen verarbeitet worden wren. Denn Buddha predigte die Einheit mit der Natur. So stehen die Fe im Akino-Wohnabteil auf einem Teppich aus geflochtener Bambusfaser, vorn ist Holzparkett verlegt. Die Sitzbezge sind aus Leder, und das Innenlicht wird von Leuchtbndern und modischen Wandleuchten aus Recycling-Material erzeugt.

Tokio ist weltweit Rekordhalter fr beengte Platzverhltnisse. Wer hier lebt, bewegt sich ausschlielich in Mikrokosmen der Chrysler Akino erscheint da als mobile Wohnzimmer-Miniatur ideal. Zwar steht der Dreitrer heute noch als Konzeptfahrzeug vor uns. Doch angesichts der Begeisterung, die ihm dieser Tage im Tokioter Stadtverkehr zufliegt, sollte eine sptere Serienfertigung nicht ausgeschlossen sein.

Serienfertigung ist nicht unwahrscheinlich

Vor dem Hintergrund mglicher Synergien mit der Mercedes-Benz A-Klasse scheint sie sogar nicht mal so unwahrscheinlich. Denn Antriebseinheit und Fahrwerk des kompakten Mercedes knnten geringfgig modifiziert und kostengnstig in die USA-Klasse bernommen werden.

Selbstbewut hat Chrysler seine Idee vom ersten Sub-Kompakten gerade erst auf dem hrtesten Kleinwagenmarkt der Welt vogestellt. Premiere war auf der Tokyo Motor Show. Die Verantwortlichen sind berzeugt: Wenn der Akino hier ankommt, erobert er auch Nachbarmrkte in Asien und sogar Europa.

Angesichts der dramatischen Benzinpreiserhhungen in den USA knnte die Schwestermarke von Mercedes-Benz mit dem Akino einen Joker besitzen. Denn schlielich wird es auch fr Chrysler immer wichtiger, ein sparsames Auto zu haben, um den Flottenverbrauch seiner Modelle zu reduzieren. "Mein Auto soll eine Oase im quirligen Stadtverkehr sein", schwrmt Akino Tsuchiya. Ein Wunsch, den nicht nur Japaner hegen sondern wohl auch "Buddha" Siddhartha Gautama geuert htte.

Autor: Jrgen Zllter

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