Fahrbericht Chrysler PT Cruiser Cabriolet

Fahrbericht Chrysler PT Cruiser Cabriolet Fahrbericht Chrysler PT Cruiser Cabriolet

Fahrbericht Chrysler PT Cruiser Cabriolet

— 02.02.2004

Gegen den Wind

Hier kommt einer, der sich um keinen Trend schert. Mit Stoffverdeck und festem Bügel wehrt sich der offene Chrysler PT Cruiser gegen die Mode der Blech-Faltdächer. Und damit ist der Ami fast schon wieder Kult.

Eher Kübelwagen statt cooler Kreuzer

Al Capone wird sich im Grabe umdrehen: Eine offene Gangsterlimousine ist etwa so wirkungsvoll wie eine kugelsichere Weste aus Seide. Doch Chicago ist inzwischen sicher. Und statt an Bandenbosse will Chrysler sein Retromodell heute an Yuppies und Familienväter verkaufen. Ein Cabrio gegen den Wind: Stoffdach mit Knüpf-Persenning statt Blechklappdach, Targabügel statt unsichtbarer Überrollschutz, richtiger Kofferraum statt Mini-Gepäckfach.

Ungewöhnliche Entscheidungen. Aber immerhin ist das Cruiser Cabrio ja auch der erste offene Van der Welt. "Wir haben die offene Version ab A-Säule von Grund auf neu konstruiert und an 47 Verbindungspunkten versteift", erklären die US-Ingenieure. Doch der geöffnete PT wirkt auf Kritiker, als hätten die Designer die Limousine einfach aufgeschnitten und nur die B-Säule stehen gelassen.

Von hinten ähnelt der Open-Air-Cruiser eher einem Kübelwagen als einem coolen Kreuzer. Die Vorkriegsvokabel "Kabriolett" passt hier eigentlich besser als das neudeutsche Kurzwort Cabrio. Die einen finden es hässlich, die anderen schön – alles Geschmackssache.

Überragende Kniefreiheit für Hintensitzer

Der Henkel in Wagenmitte soll in erster Linie die Karosserie versteifen. Gegenüber der Limousine steigt das Gewicht so nur um 68 Kilogramm. Ein Beetle Cabrio ist immerhin 100 Kilo schwerer als die Limousine. Weitere Aufgabe des Bügels ist, lästige Luftverwirbelungen bei geöffnetem Verdeck zu verhindern. Für Vornsitzer funktioniert das gut. Doch im Fond fliegt Al Capone die Asche seiner Havanna um die Ohren.

Über das Platzangebot indes kann keiner klagen. Hinten haben zwei Personen mehr Raum als in jedem anderen Cabrio-Viersitzer. Die Kniefreiheit ist überragend. Außerdem brauchen Capone und seine Helfer dank hohem Himmel ihre Hüte nicht abzusetzen. Der Einstieg durch die riesigen Türen ist fast problemlos. Leider nur fast. Zwar klappen die Easy-Entry-Sitze leichtgängig nach vorn, doch dann müssen die Gurte mühevoll aus ihren Plastikführungen gepult werden.

Voll besetzt mit einem Killerkommando, bleibt im Kofferraum noch Platz für vier Geigenkästen. Lässt sich der Boss vorn chauffieren, wächst das Kofferraumvolumen auf 1325 Liter bei dachhoher Beladung. Bis zur Seitenlinie schluckt der PT immerhin 377 Liter. Dazu müssen die Rücksitze aber hochgeklappt und umständlich mit Haltegurten fixiert werden.

Rekordverdächtige Öffnung in elf Sekunden

Gewöhnungsbedürftig sind auch die klobigen Taster für E-Fenster und -Verdeck. Das öffnet rekordverdächtig schnell in elf Sekunden, nachdem es per Hand entriegelt wurde. Die Sitzheizungsschalter verstecken sich tief auf den Konsolen des Gestühls.

Für einen Ami ist das Fahrwerk überraschend straff. Trotzdem bleibt der US-typische Komfort weitgehend erhalten. Selbst bei höherem Tempo dringen dank guter Dämmung kaum Motor-, Wind- und Abrollgeräusche in den Innenraum. Auf schlechten Straßen werden allerdings Karosserieverwindungen unangenehm spürbar. Schlaglöcher versetzen den Scheibenrahmen in horizontale Schwingungen. Grund: Mit 5888 Newtonmetern pro Grad liegt die Torsionssteifigkeit der Karosserie weit unter der von Konzernbruder Mercedes-Benz CLK Cabrio (10.100 Newtonmeter).

Als Fluchtauto für einen Banküberfall kommt nur der GT in Frage. Mit 27.450 Euro Grundpreis ist er das teuerste Modell im Cruiser-Programm. Der 2,4-Liter-Turbomotor leistet stattliche 223 PS, beschleunigt das Cabrio in 7,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht 200 km/h Spitze. Bei so viel Leistung kommt gelegentlich das Fahrwerk an seine Grenzen. Auf nasser Straße leidet die angetriebene Vorderachse unter erheblichen Traktionsproblemen.

Technische Daten, Preise und Ausstattung

Der Turboschub macht sich in der Lenkung durch heftiges Zerren bemerkbar. In unserem Testwagen konnte auch die serienmäßige Traktionskontrolle ESP nicht erhältlich) daran nichts ändern. Ob ein- oder ausgeschaltet, bei vollem Leistungseinsatz drehten die Räder hemmungslos durch. Auch Spaltmaße und Qualität konnten noch nicht überzeugen. Lenkung und Bremse funktionierten indes tadellos. Gut: Klimaanlage, Lederausstattung, Tempomat, 17-Zoll-Aluräder und beheizbare Glasheckscheibe sind ab Werk an Bord. Das Turbomodell ist mit einem verstärkten Getriebe bestückt, das sich trotz des langen Schalthebels exakt bedienen lässt. Nötig ist das nur, wenn die Drehzahl unter 2500/min fällt. Darüber macht der Turbolader reichlich Druck und erlaubt eine schaltarme Fahrweise.

Anders der Limited: Der kostet ab 24.850 Euro (Automatik 26.250), leistet 152 PS und erreicht sein 222-Newtonmeter-Drehmomenthoch erst bei 4000/min. Entsprechende Mühe hat der 2,4-Liter-Sauger mit dem fast 1,7 Tonnen schweren Auto. Ein Diesel-Cabrio ist vorerst nicht geplant. Für den lässigen Trip zum Eiscafé taugt der kleine PT allemal. Dort stört allerdings der extreme Wendekreis von 11,1 Metern beim Umdrehen. Sorry, Chrysler, doch eine Chicago-Wende per Handbremse ist anno 2004 einfach nicht mehr zeitgemäß.

Technische Daten • Vierzylinder-Turbo • vier Ventile je Zylinder • zwei oben liegende Nockenwellen • Hubraum 2429 cm3 • Leistung 164 kW (223 PS) bei 5100/min • maximales Drehmoment 332 Nm bei 2400/min • Frontantrieb • Fünfgang • vorn Einzelradaufhängung, hinten Verbundlenker • Kofferraumvolumen 210 Liter • Tankinhalt 57 Liter • Länge/Breite/Höhe 4288/1704/1539 mm • Reifen 205/50 R 17 • Spitze 200 km/h • 0–100 km/h in 7,6 Sekunden • Preis 27.450 Euro

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