Fahrbericht Dacia Logan/VW Fox

Fahrbericht Dacia Logan/VW Fox Fahrbericht Dacia Logan/VW Fox

Fahrbericht Dacia Logan/VW Fox

— 02.11.2004

VW oder Renault?

Jetzt purzeln die Preise: VW und Renault bauen zwei moderne Autos zum Preis von Gebrauchten. Wie schlau sind Fox und Logan wirklich?

Zwei Autos, zwei Kontinente, ein Ziel

Hinter einer Plexiglasverkleidung schwebt VWs Hoffnung an einem Greifarm. Ein Blechteil wird auf ein Fließband gelegt. Aus dem Metallstück pressen Maschinen eine linke Autoseite. Später entsteht ein neuer Wagen. Es ist ein kleines Auto, aber es sind große Erwartungen, die VW in dieses Auto setzt. Es ist der Fox aus Brasilien. Ein neuer Volkswagen, der seinen Namen wieder zu Recht tragen soll und im Frühjahr 2005 für rund 9000 Euro den Lupo (ab 10.150 Euro) ersetzen wird.

11.000 Kilometer östlich: Im rumänischen Pitesti baut Renault-Tochter Dacia den Logan. Ein Weltauto für 7500 Euro. Noch so ein Sonderangebot. Zwei Autos, zwei Kontinente, ein Ziel: das Billigsegment. Billig, das klingt nach Verzicht. Ist aber nicht so. Ich bin beide Schnäppchen in ihrer Heimat gefahren und war überrascht, wie wenig diese beiden Autos nach billiger Hausmannskost schmecken.

Tatsächlich leistet sich der Fox mehr Luxus, als der Preis erwarten läßt. Zum Beispiel eine um 15 Zentimeter verschiebbare Rückbank und ein Lenkrad, das in Höhe und Weite einstellbar ist. Dagegen mutet der Logan eher ideenlos an: Festverschraubte Rücksitzbank, starre Lehnen und auch das Lenkrad läßt sich nicht verstellen. Alles scheint unbeweglich, wie eingefroren.

Selbst ein Bierkasten ist moderner geformt

Das gilt auch für den Armaturenträger, den die Dacia-Designer aus einem dunklen Kunststoffblock schnitzten. Selbst ein Bierkasten ist da moderner geformt. Dafür kostet der Rumänien-Renault 1500 Euro weniger als der Fox und arbeitet doch mit moderner Technik: Aktuelle Plattform für die Kleinwagen Renault Clio und Nissan Micra, der Motor erfüllt die Schadstoffnorm Euro 4, rund 30 Prozent der Teile stammen von Renault. Wem Autos so wichtig sind wie Waschmaschinen (Motto: "Sie müssen nur funktionieren"), fährt mit dem Logan das richtige Sparprogramm.

Wo VW den Mehrpreis investiert hat, kann man im Fox mit den Fingerspitzen förmlich ertasten. Alles fühlt sich hochwertiger an: Kunststoff, Sitzpolster, Schalter. Während sich Ergonomie im Logan durch "billigste Lösung" definiert, findet der Fox-Fahrer Fensterheber blind. Bis auf den Knopf für die Heckscheibenheizung, der im Blinkerhebel sitzt.

Der Nachfolger des Lupo ist eine halbe Nummer gewachsen (Maße L/B/H: 3,80/1,64/1,54 Meter) und damit nur noch neun Zentimeter kürzer als der Polo. Innen wirkt der Fox so luftig wie ein Mini-Van. Modisches Steilheck, hochgezogene Decke, weit nach vorn gestreckte Windschutzscheibe. Die breite A-Säule schränkt allerdings die Sicht beim Abbiegen ein.

Logan-Kofferraum faßt satte 510 Liter

Nervig auch: Auf dem kleinteiligen Logan-Tacho (bis 100 km/h zählt er in Fünfer-Schritten, danach in Zehner-Abschnitten) verschwimmen die Zahlen wie auf einem Computermonitor, der anfängt zu flimmern, wenn man zu lange konzentriert auf den Bildschirm starrt. Dacia wählte die Form des klassischen Stufenhecks – so stellen sich halt Käufer in Aufsteiger-Ländern, dem vorrangigen Markt, ihr Wunschauto vor. Mit einem Riesenkofferraum, der 510 Liter faßt – das ist mehr, als in eine Mercedes-Benz S-Klasse hineingeht.

Der Fox-Bau dagegen lädt bei zurückgeschobener Bank zwei Sporttaschen ein (260 Liter). Zwei Taschen mehr (353 Liter) fahren mit, wenn die Sitze nach vorne rücken. Erst wenn sich der Fünf- zum Zweisitzer wandelt, die Rückbank hinter die Vordersitze klappt, toppt der Kleinwagen die Logan-Maße (1016 Liter).

Die Rumänen haben mit ihrem Limousinen-Konzept Familien im Visier, VW schielt eher auf Singles, Pärchen oder klassische Zweitwagen-Fahrer. Serienmäßig öffnet der Logan vier Türen, was den Alltag unkomplizierter macht. VW verzichtet in Deutschland auf den in Lateinamerika erhältlichen fünftürigen Fox. Aus Furcht, dem Polo Kunden wegzunehmen.

Fahrwerk, Getriebe und Motoren

Beim Fahren spürt man, aus welcher Familie der Fox stammt. Er rollt komfortabel, besonders die Federung schluckt grobe Fahrbahnrillen. Die Deutschland-Version erhält bessere Reifen, die den Spritverbrauch drosseln und ihn präziser durch die Kurve führen sollen.

Aber auch der Logan rollt sanft über Kopfsteinpflaster und Gullideckel, das Getriebe arbeitet ohne zu hakeln. ABS, drei Kopfstützen hinten, aufmerksame Bremsen, mindestens zwei Airbags – an Sicherheit sparen weder Dacia noch Volkswagen.

Dafür an Infos. Während Renault angekündigt hat, den Logan zunächst nur als 1,4- und 1,6-Liter-Benziner (75, 87 PS) zu verkaufen, später einen Diesel nachzuschieben, hält VW noch dicht. Vermutlich kommt der Fox mit zwei Benzinern (55, 75 PS) und einem Dreizylinder-TDI (70 PS). Welcher der beiden hat nun mehr Talent zum Volkswagen? Der Logan ist das günstigere Volks-Auto, der Fox der günstigste VW. Wir sind gespannt auf Volkes Stimme.

Fazit und Technische Daten

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Magret Hucko Der Logan bietet mehr Auto fürs Geld: vier Türen, großer Kofferraum und das für 1500 Euro weniger. Wer nur von A nach B kommen will, fährt Dacia. Mit dem Fox transportiert der Fahrer mehr: zum Beispiel das Gefühl, einen VW zu fahren. Deshalb fällt meine Wahl auf den Fox. Das ist mir wichtiger als Dumping-Preise. Irrational? Sicher. Aber für mich fahren Autos nicht nur von A nach B, sondern bewegen auch die Seele.

Autor: Margret Hucko

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