Edo Maserati MC12 Corsa

Fahrbericht Edo Maserati MC12 Corsa

— 21.02.2008

Unterwegs im Edo Maserati MC12

In der westfälischen Provinz wird eine Straße gesperrt, ein Kenia-Kanadier fliegt über den Atlantik und die Polizei geht einer Beschwerde nach – alles wegen einer Probefahrt mit dem Edo Maserati MC12 Corsa mit 755 PS.

Zweifelsohne gehört das Fahren eines Maserati MC12 zu den einprägsamen Dingen im Leben. Bebt doch der Bruder des Ferrari Enzo mit 6,0-Liter-V12 und 632 PS ganz oben in der Sportwagen- Richterskala. Und wahrlich gibt es nicht viele Kandidaten, die das Zeug dazu haben, dieses diabolische Gerät zu toppen. Einer wäre der 755 PS starke MC12 Corsa – die Rennversion, 15-mal gebaut, 12-mal ausgeliefert, ein Teil in Sammlerhand, der andere im Besitz von Speedheads. Eine Handvoll Leute auf der ganzen Welt. Allerdings leiden einige dieser Maserati-Kunden unter einem Problem: Um den Corsa zu fahren, ist ein Riesenaufwand nötig. Schließlich hat die Rennversion – der Name sagt es – keine Straßenzulassung, muss also per Anhänger oder Flugzeug zur Rennstrecke gekarrt werden.

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Das Dumme daran: Der Corsa hat auch keine Rennzulassung und darf nur in privaten Testsessions bewegt werden oder – und so würde es Maserati am liebsten sehen – im Rahmen einer Maserati-Clienti-Veranstaltung, wo sich der erlesene Kreis von Gentlemen ein paar heiße Runden geben darf. Viel Aufwand für kurzen Spaß. Dazu kommt, dass die ganze Nummer mit Clienti-Club und Fahrzeugbetreuung mit mehreren 10000 Euro nicht gerade billig ist. Was also tun? Als Lösung offenbart sich ein atemberaubendes Projekt. Einer von drei MC12-Corsa-Besitzern in Deutschland – Fahrzeugnummer acht von zwölf – hatte mit Sportwagen-Veredler Edo Competition aus Ahlen die Idee: Warum nicht aus dem Corsa, der ja die Rennversion der Straßenversion ist, eine Rennstraßenversion machen? Also ein Umbau gemäß StVZO mit TÜV-Segen, um den Geist der FIAGT- Meisterschaft, die Maserati 2005 und 2007 gewann, auf die Straße zu bringen – quasi den Spirit von Spa, Monza und Silverstone zwischen Brötchenholen, Haus- und Rennstrecke.

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Mittels Klappensteuerung dürfen die Endrohre richtig losschreien. Aber natürlich nur auf der Rennstrecke.

Ein durchgeknalltes Projekt. Aber machbar. Aktueller Projektstand: über 80 Prozent. Ende März sollen die Nummernschilder montiert werden, im Frontbereich gar nicht so einfach und auch nicht gerade zierend. Bis es so weit ist, sind noch kleine Arbeiten zu erledigen. Eine Wegfahrsperre, Türschlösser und Glas- statt Kunstoffseitenscheiben müssen noch verbaut werden. Ein Klacks im Vergleich zu dem, was bisher geschah. So hat Edo mit KW ein komplett neues Fahrwerk entwickelt – in Zug- und Druckstufe getrennt und unabhängig einstellbar, mit Liftfunktion für Kanten und Transporterrampen. Was man kaum glauben kann: Der Edo-Maserati liegt mit dem KW-Fahrwerk vier Zentimeter höher, hat jetzt also eine Bodenfreiheit von knapp über vier Zentimetern und kratzt immer noch bei der kleinsten Bodenwellen auf. Wie das Fahrwerk musste auch die Abgasanlage entschärft werden.

Nun schlängeln sich Edelstahlrohre mit einem Klappensystem unter dem Maserati entlang. Mittels Fernbedienung – natürlich nur gedacht für die Rennstrecke – öffnen sich die Klappen und das mächtige V12- Gehämmere wird zum Hörsturz-Geballere. Ebenfalls neu: Räder und Bremsen. Für die geschmiedeten Räder in der Dimension 10x19 vorn und 13x20 hinten liefert Michelin spezielle, straßentaugliche Reifen (265/35 R 19 und 335/30 R 20), die keine lange Aufwärmzeit benötigen und auch bei Topspeed funktionieren. Von Einsatz im Regen ist dennoch abzuraten. Wegen einer zu langen Aufwärmzeit flog auch die Carbon-Bremsanlage raus. Nun sorgt eine Sechs-Kolben-Keramik-Verbund-Anlage mit 396er-Scheiben vorn und 360ern hinten für ein besseres Kaltbremsverhalten.

Dank sequenziellen Sechsgang-Getriebes erreicht der Maserati 326 km/h

Unverändert blieb dagegen der Motor: 6,0 Liter, V12, der mit wildem Gekreische bis 8000 Touren dreht und eine Leistung von 755 PS erreicht. Mit dem sequenziellen Sechsgang-Getriebe, im Corsa eher kurz ausgelegt, erreicht der Maserati 326 km/h Spitze. Mit längerer Übersetzung wäre deutlich mehr drin. Schließlich wiegt der Renner nur 1150 Kilogramm, was ein Leistungsgewicht von unglaublichen 1,5 kg/PS ergibt. Zum Vergleich: Beim Porsche Carrera GT sind es 2,25 kg/PS! Dieses Hammergerät steht jetzt also auf der Straße, mit roter Nummer für eine Testfahrt. Der Ort: ein einspuriger Versorgungsweg am Stadtrand von Ahlen. Die 3,6 Kilometer lange, bis auf zwei leichte Kurven nahezu gerade Strecke wurde mit viel Wohlwollen vom Ordnungsamt kurzfristig gesperrt. Das Wichtigste: Es ist trocken. Somit steht dem Ereignis nichts im Wege.

PS-Liebe: Edo-Chef Karabegovic und Kunde Zahir Rana (links).

Pünktlich erscheint auch die nach Edo-Chef Edo Karabegovic zweitwichtigste Person des Tages: Zahir Rana. Seinetwegen findet die ganze Prozedur überhaupt statt. Der 52-jährige geborene Kenianer brachte es in Kanada mit einem Autohandel zu Erfolg und ist mittlerweile im Raum Calgary die erste Adresse für Supersportwagen und deren Umbau. Er ist neuer Kunde bei Edo, der sich demnächst dessen Ferrari-Enzo-Motor vornehmen wird. Zur Pflege der Geschäftsverbindung darf Zahir heute Maserati fahren. Zunächst ist er Beifahrer, Edo am Steuer, mit viel Druck auf dem Gas. Der Maserati bellt auf und zoomt sich in Raketengeschwindigkeit aus dem Blickfeld. Zu hören ist er weit, bis zum Ende der Strecke. Wenden. Und retour. Dann darf Zahir ran, der neben seinem gelben Enzo auch einen "normalen" MC12 und einen F40 besitzt. Er ballert los, ein paarmal hin und her.

Dann klettert er etwas zitterig aus dem Wagen. Seine Worte sind fest, sein Stand nicht, er spricht davon, dass der MC12 genauso gehen müsse, dass er damit gerne mal bei einer seiner Touren durch die kanadischen Berge seinen Sportwagenfreunden imponieren würde und dass er jetzt ganz sicher guter Kunde bei Edo werde. Ob er den Maserati bekommt, ist fraglich, schließlich ist der in festen Händen. Der Besitzer weilt während der Veranstaltung im Skiurlaub, trotz größten Vertrauens zu Edo erkundigt er sich aber im Minutentakt telefonisch über den Zustand seines Autos, das eigentlich nicht zum Verkauf steht. Es sei denn, Zahir Rana packt deutlich mehr als 1,4 Millionen Euro auf den Tisch. Mit diesem aktuellen Wert kostet jedes Gramm des Maserati 1,22 Euro und ist damit mehr als dreimal so teuer wie Silber!

Jetzt ist AUTO BILD-SPORTSCARS dran

Nur danebenstehen? Nicht für uns. SPORTSCARS-Redakteur Oliver Strohbach lässt es lieber krachen.

Klar, dass AUTO BILD SPORTSCARS nicht nur dabeisteht und den Sound genießt. Jetzt sind wir dran. Reinhangeln in das tiefe Cockpit, in eine fast liegende Sitzposition, festgekeilt von einer perfekt sitzenden Sparco-Rennschale. Das kleine Lenkrad mit Infodisplay könnte auch zu einer Playstation gehören, der Ausblick zu einem U-Boot – links und rechts türmen sich Kotflügelgebirge auf, die vorbeilaufenden Menschen sind Riesen. Ein Gasstoß und die Riesen flüchten in Respektabstand. Paddel rechts. Erster Gang. Gas. Es scheppert wie wild und geht vorwärts. Die Stimme im Hirn zitiert Edo, der sagte, wenn du Vollgas gibst, keilt er hinten aus. Und: Fahrhilfen gibt es nicht. Also drei Viertel Gas. Ein Katapult schleudert mich samt Maserati nach vorn. Die ohnehin schon enge Fahrbahn wird zum Strich und die Riesenwalzen laufen jedem Grashalm nach. Harte Arbeit.

Das Gehirn schüttet aus, was es an Chemie zu bieten hat, und ich gäbe ein Königreich für eine breite Piste. Kurz-um: ein geiles Spektakel! Dann, am Ende der Strecke: wenden. Mit einer Lenkradumdrehung ist man von Anschlag zu Anschlag. Jeder Bierlaster hätte schneller gedreht. Für einen Slide ist es zu eng. Also vor, zurück, vor … Zurück am Ausgangspunkt, erwarten uns zwei Polizisten. Sie gucken, staunen, grinsen. Ein paar Kilometer entfernt hatte sich jemand wegen Ruhestörung beschwert. Der Mann vom Ordnungsamt, der ebenfalls mal mitfahren durfte, hat die Sache längst geklärt. Gute Kontakte sind eben alles.

Autor: Oliver Strohbach

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