Fahrbericht Faun Kraka

Faun Kraka Faun Kraka

Fahrbericht Faun Kraka

— 09.08.2006

Ein bißchen Spaß muss sein

Faun Kraka - das ist das seltsamste Geländefahrzeug, das je in einer deutschen Fabrik serienmäßig gebaut wurde. AUTO BILD ALLES ALLRAD hat den originellen Urvater der heutigen Quads und ATVs bei einem Allgäuer Sammler ausprobiert.

Mal ehrlich: Natürlich finde ich es angenehm, dass heutige Autos komfortabel sind, gut gefedert, schnell und leise. Aber manchmal, da habe ich sie so satt, diese überkandidelten Kisten, tonnenschwer und vollgestopft mit Elektronik; da träume ich vom Minimal-Mobil, vier Räder und ein Motor, aus. Naja, ein Sitz vielleicht noch, damit man nicht im Stehen fahren muss.

Übers Internet habe ich Jochen Jankowski kennengelernt, einen von weltweit rund 100 Sammlern, die solch ein Gefährt besitzen. Im Zivilberuf Sicherheitsingenieur, am Wochenende Pilot und Fluglehrer in Agathazell, dem "südlichsten Flugplatz Deutschlands", wie er betont, ist er vor Jahren eher zufällig an einen Faun Kraka gekommen. Eigentlich sind ja eher Sportflugzeuge als Geländeautos sein Hobby. Aber was ihn auf Anhieb faszinierte am "Kraft-Karren" – nichts anderes heißt Kraka – war die schlichte und fast schon geniale Konstruktion.

Die breiten Niederdruckeifen etwa, die in weichen Böden nicht einsinken und auch mal 50 Kilometer ohne Luft laufen. Das zusammenklappbare Fahrgestell, das für geringen Raumbedarf etwa beim Lufttransport sorgt und auch noch den Benzintank enthält. Der Kettenantrieb der Hinterräder, der ein hoch angebrachtes Differential und damit enorme Bodenfreiheit erlaubt. Oder die wie bei einem Traktor pendelnd aufgehängte Vorderachse aus zwei Querblattfedern, die für schier unendliche Achsverschränkung sorgt.

Reduzierte Kommandozentrale: Weniger Cockpit geht nicht.

Schlicht und eigenwillig ist auch das Cockpit zwischen den beiden großen Staukästen. Aber die Bedienung ist wie im normalen Auto: drei Pedale für die Füße, ein Lenkrad und ein Schalthebel für die Hände. Der Druck auf den Starterknopf setzt blubbernd den Zweizylinder hinter mir in Gang. Ein BMW-Boxer – aber nicht aus dem Motorrad, sondern samt Getriebe aus dem längst vergessenen Kleinwagen BMW 700. Die Gänge rasten eher ungefähr, das Schaltgestänge ist nicht mehr das beste. Aber der kleine Einvergasermotor zieht mit seinen 26 PS wacker an. Über 800 Kilogramm Nutzlast darf der Kraka auf seine Aluplattform nehmen, mehr als er selber wiegt.

Ich lade 16 Bierkisten auf, beim zügigen Ritt über Feldwege verliere ich eine fast: Die Gummifederung hat nur symbolische Bedeutung. Draußen auf der Landstraße steht der kleine Moped-Tacho fast auf 60 km/h. Das ist aufregender als 260 im Cayenne: Der Fahrtwind braust, die groben Reifen heulen, und das dürre Lenkrad erlaubt nur ein ungefähres Anpeilen der Fahrtrichtung.

Gut vesteckt: Notsitze in der verlängerten Ladefläche.

Der Adrenalinspiegel steigt, und Spaß macht dieses Abenteuer für einen Tag ungemein. Aber mal ehrlich: Jeden Tag per Kraka zum Büro und zum Bierholen zu fahren, wäre auch wieder nichts – so satt habe ich die modernen, langweiligen Autos dann doch nicht.

Technische Daten 2-Zyl.-Boxer-Benziner, hinten längs • Gebläsekühlung • 2 Ventile/Zyl. • Hubraum 697 cm3 • 19 kW (26 PS) bei 5000/min • 49 Nm bei 3000/min • Heckantrieb • 4-Gang-Schaltgetr. • Einzelradaufh. m. Querblattfedern vorn, Triebsatzschwinge mit Gummifederung hinten • Fahrgestell mittig klappbar • Trommelbremsen v./h. • Reifen 22x12 Lypsoid v./h. • Länge/Breite/Höhe 2780/ 1510/1190 mm • Radstand 2058 mm • Leergewicht 740 kg • Zuladung 870 kg • Ladefläche 1400x1400 mm • Tankinhalt 24,5l • Verbrauch ca. 12 l/100 km Normalbenzin • Höchstgeschwindigkeit 55 km/h • Preis je nach Zustand

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