Fahrbericht Ferrari California

Ferrari California Ferrari California

Fahrbericht Ferrari California

— 22.10.2008

Der Ferrari für Tiefstapler

Ferrari macht alles neu: neue Dachtechnik, neues Getriebe, neue Bescheidenheit – nur acht statt zwölf Zylinder. Trotzdem erlebt man im 460 PS starken California sein blaues Wunder. Erster Ausritt.

Alle reden von Krise. Wirklich alle? Nein. Ein kleiner Sportwagenhersteller aus Italien bringt allen Finanz-Katastrophen zum Trotz seinen nächsten Supersportler auf den Markt. Und hat die Produktion der nächsten zwei Jahre auch schon verkauft. Die Rede ist vom Ferrari California. Einem offenen Front-Motor-Renner, mit dem die italienischen Traumwagen-Fabrikanten einen berühmten Namen wiederbeleben. Schon 1957 setzte der 250 GT California Spider Zeichen. Doch war der legendäre Open-air-Ferrari, wie der Name es nahelegt, tatsächlich auf amerikanische Kunden zugeschnitten, soll der Neue vor allem in Europa und den neuen Märkten für feuchte Hände und trockene Münder sorgen.

Innerhalb von 14 Sekunden geht im California die Sonne auf

Ganz schön grimmiges Heck: Rechts und links je zwei übereinander angeordnete Endrohre – hier geht es um Leistung, so viel ist klar.

Das Zeug dazu hat der California auf jeden Fall. Wirkt der 4,56 Meter lange Italiener auf den ersten Blick vielleicht noch etwas eigenwillig, sorgt eingehende Betrachtung für ständig wachsende Zuneigung. Das liegt unter anderem am zweiteiligen Hardtop, das auf Knopfdruck und innerhalb von 14 Sekunden die Sonne aufgehen lässt. Oder auch an der Option, hinten zwei Notsitze inklusive Gurten und Isofix-Verankerungen mitzuführen. Noch nicht überzeugt? Okay. Spätestens mit dem Einsteigen erliegt jeder nicht mit goldenen Löffeln groß gezogene Mensch schließlich dem Reiz des luxuriösen Latin Lovers. Perfekt geschnittene Sportsitze, wo man hingreift feinste Materialien (allerdings auch kleine Verarbeitungsmängel), zentraler XXL-Drehzahlmesser und ein griffiges Lenkrad mit dem berühmten Manettino. Mit ihm wird der California auf die Piloten-Persönlickeit eingestellt. Komfort für Jedermann, Sport für Möchtegern-Rennfahrer und CST-Off für Profis. 

Finsteres Grollen aus den Tiefen von acht Zylindern

Typisch Ferrari: Der Innenraum ist sportlich-luxuriös, aber wie üblich nicht frei von Verarbeitungsmängeln.

Wir wählen Sport, denn das Wetter auf Sizilien ist gut, die Straße trocken und der Tank voll. Mit einem finsteren Grollen aus den Tiefen von acht Zylindern und 4,3 Litern Hubraum erwacht der neue V8 zum Leben. Benzindirekteinspritzung sowie beidseits verstellbare Nockenwellen lassen ihn 460 PS zu den Hinterrädern im Format 285/40 ZR 19 schicken. Und dort kommen sie gut an. Als wäre der rund 1,7 Tonnen schwere, ganz aus Aluminium gefertigte California ein Fliegengewicht, reißt ihn der Alu-V8 nach vorn und stellt Nackenmuskeln auf eine harte Probe. Unter vier Sekunden auf Tempo 100 und maximal 310 km/h verspricht Ferrari – es gibt wenig Grund, daran zu zweifeln. Begleitet wird die Beschleunigungs-Orgie von einem herzhaft-höllischen Achtzylinder-Chor, der das Trommelfell nachhaltig mit Gänsehaut überzieht. 

Atemberaubende Fluchtfahrzeug-Qualitäten

Neben der schieren Motorleistung macht sich auch das neue Doppelkupplungs-Getriebe um die atemberaubenden Fluchtfahrzeug-Qualitäten des Ferrari verdient. Blitzschnell und ohne Verschnaufpause werden die sieben Gänge durchgehechelt, lautes Auspuffknallen macht den Gangwechsel zumindest akustisch spürbar. Wer Entspannung sucht, findet sie im unaufgeregten Automatikmodus. Und auch in der zwar sportlich-straffen, aber keineswegs übertrieben harten Federung. Nein, leiden muss man im Ferrari California eigentlich nicht. Es sei denn, man denkt über den Preis von 176.200 Euro nach.

Autor: Gerald Czajka

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