Fahrbericht Ferrari F430

Fahrbericht Ferrari F430 Fahrbericht Ferrari F430

Fahrbericht Ferrari F430

— 07.10.2004

Kanone mit K(n)öpfchen

Alarmstufe Rot: Mit dem F430 bringt Ferrari reinrassige Rennsporttechnik auf die Straße. Formel-1-Gefühle ab 140.000 Euro.

32 Ventile ticken wie eine Zeitbombe

Feuer frei. Spielend geht der Befehl von der Hand. Der rote Knopf links im Lenkrad scheint aus einem 007-Streifen zu stammen. Ein Daumendruck – schon ist die Hölle los. Wie im Film; kleine Bewegung, großer Effekt: Unter der Glashaube tickern 32 Ventile wie eine Zeitbombe. Und angriffslustig knurrt sein Standgas jeden Kampfhund in die Flucht. Der neue Ferrari F430 klingt, wie ein Ferrari klingen muß: aggressiv und gefährlich.

Schon im Leerlauf schlürft der 490-PS-Mittelmotor gierig nach Luft. Das Biest ist wach. Dann explodiert es. Aus dem Knurren wird ein Grollen, dann ein Fauchen, schließlich ein Kreischen. Unvergleichlich, was für ein V8-Inferno 4,3 Liter Hubraum, vier Nockenwellen und ebensoviele Endrohre auslösen können. Bravissimo! Die Sound-Ingenieure haben wieder ganze Arbeit geleistet. Aber nicht nur die. Der F430 ist ein Ferrari mit Knöpfchen und Köpfchen. Unter der rechten Lenkradspeiche glänzt ein zweiter Schalter, der den Draht zum Elektronikgehirn herstellt und aus der Formel 1 übernommen wurde.

"Manettino" nennen Michael Schumacher und Rubens Barrichello diese Art Drehknopf, mit dem sie während der Fahrt das Set-up ihrer Rennwagen beeinflussen. Im F430 heißt die elektronische Fahrhilfe CST (Controllo Stabilità e di Trazione). Der Fahrer kann zwischen fünf Einstellungen wählen: Eis, Regen, Sport, Rennen und CST aus. Für letztere Schalterstellung hätten die Ingenieure besser ein kleines "Schumi" aufs Volant geschrieben. Denn mit deaktiviertem Assistenzsystem wird der gezähmte Hengst zum wilden Vollblüter und verlangt nach einem kundigen Reiter.

Nach dem Enzo der nächste Straßenrenner

Aus der Motorsport-Königsklasse stammt auch das elektronische Differential (E-Diff) mit bis zu 100 Prozent Sperrwirkung, das ebenfalls erstmalig in einem Straßenwagen zum Einsatz kommt. Blitzartig verarbeitet der Bordrechner Daten über Lenkwinkel, Gaspedalstellung, Querbeschleunigung sowie Raddrehzahl und steuert eine Hydraulik an.

Je nach Fahrsituation schließt oder öffnet diese zwei Kupplungen in den Antriebswellen und sorgt dafür, daß die Kraft optimal auf die Räder verteilt wird. Das E-Diff verbessert die Traktion und schiebt den Grenzbereich derart weit hinaus, daß der F430 in neue Dimensionen vorstößt. Selbst ungeübte Fahrer erreichen sensationelle Kurventempi. Beim Herausbeschleunigen beeindruckt der Italiener mit präziser Lenkung, perfekter Balance und maximalem Vortrieb. "Formel 1 für die Straße": Hier stimmt die Schlagzeile wirklich.

Nach dem Enzo holt der neue Einstiegs-Ferrari F1-Technik konsequent in die Serie. Das automatisierte Sechsganggetriebe gibt’s seit dem Vorvorgänger F355 (94 bis 99). Beim F360 (99 bis 04) erzielte die Schaltwippen-Ausführung einen Anteil von 75 Prozent. Verständlich: Wer’s einmal fährt, ist begeistert. Klick, klick, rechts hoch, links runter – schnelle, lustvolle Gangwechsel kann kein Auto besser. Im Race-Modus ist die Schaltzeit noch kürzer als beim Vorgänger, und das Beschleunigungsloch schrumpft auf nur 150 Millisekunden.

Technische Daten und Preis

Auch optisch fährt der F430 radikal in Richtung Rennsport. Die großen Lufteinlässe im Bug zitieren das Haifischmaul des F1 von 1961, mit dem Phil Hill Weltmeister wurde. Dazwischen leitet ein Spoiler die Luft zum vollverkleideten Unterboden. Der Windkanal formte auch das Heck. Bodenplatte und Heckdiffusor erzeugen bis zu 150 Kilo Abtrieb auf der Hinterachse. Die vier vorstehenden Einzelleuchten erinnern an den Enzo.

Trotz brachialer Urvieh-Instinkte ist der Pininfarina-Zweisitzer ein gut im Alltag fahrbarer Sportwagen geworden. Bei zurückhaltender Behandlung rücken die Gänge angenehm weich ein. Problemlos läßt sich das Alucoupé in Parklücken rangieren. Ebenso überraschend handzahm rollt der F430 über schlechte Straßen. Mitverantwortlich dafür sind Elektronik-Dämpfer von Sachs, die sich in der Härte durch den Schumi-Schalter einstellen lassen und permanent dem Fahrbahnzustand anpassen.

Selbst das Cockpit verzichtet auf Extravaganzen. Leider tun das auch die Schalter für Licht und Fensterheber. Sie stammen aus dem Fiat-Regal. Plastik-Drehregler und -Luftdüsen wirken billig in so einem Auto. Ferrari-Kunden stört das offenbar wenig. Sie kriegen nicht nur Grand-Prix-Technik, sondern auch den großen Preis: 140.000 Euro. Mindestens. Kein Problem. Bis Mitte 2005 ist der F430 bereits ausverkauft.

Technische Daten V8-Mittelmotor • 4 Ventile je Zylinder • Hubraum 4308 cm3 • Leistung 360 kW (490 PS) bei 8500/min • max. Drehmoment 465 Nm bei 5250/min • Heckantrieb • Einzelradaufhängung • Reifen v.-h. 225-285/35 ZR 19 • Tankinhalt 95 Liter • L/B/H 4512/1923/1214 mm • Höchstgeschindigkeit 315 km/h • 0–100 km/h in 4,0 s • Verbrauch 18,2 l/100 km • Preis ab 140.000 Euro

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