Fahrbericht Ferrari Scuderia Spider 16M — 05.08.2009
Weltmeisterlich
Ferrari baut vom Spider 16M nur 499 Stück – und die sind alle vergeben. Doch die Erinnerung an den wilden Ritt im tollsten Open-Air-Ferrari aller Zeiten kann uns niemand streitig machen.
Der Sound des 4,8-Liter-V8 macht süchtig
Wenn das Verdeck in der Versenkung verschwunden ist, erleben wir das "Concerto grosso per otto cilindri e 48 valvole" absolut live und unplugged. Dieser Sound macht süchtig, und die Sucht gibt sogleich den Takt vor. Da wird provozierend zurückgeschaltet, wo es gar nicht nötig wäre. Da verstellt man nur wegen der Zwischengassalven per Manettino das Fahrprogramm von Sport auf Race. Da nutzen wir die kürzeste Gerade für den Augenblick-Kick eines Hochdreh-Intermezzos, dessen Gänsehautspuren im Gehörgang noch drei oder vier Kurven lang nachwirken. Klar geht es auch in diesem Ferrari primär um Leistung und Drehmoment, um Quer- und Längsbeschleunigung, um die absolute Perfektion der Maschine und das relative Talent des Maschinisten. Doch diesmal hat die Sprache des Autos einen besonderen Stellenwert, denn sie ist – vor allem ungefiltert mit offenem Dach und offenen Scheiben – ungewöhnlich ausdrucksstark und vielschichtig. Sobald die erste Dröhnung Wirkung gezeigt hat, kommen auch die Zweit- und Drittstimmen zu ihrem Recht: das hydraulische Einschlürfen der Gänge, ein per Zeigefingerklick initialisierter 60 Millisekunden-Akt, der momentelang nachklingt. Oder die Walk-, Traktions- und Schräglaufarbeit der Pirellis, die im Duett mit der Straße für jede Oberfläche eine spezielle Stimmlage in petto haben.
Schon getunt: Scuderia Spider von Novitec
Natürlich auch das dezente Wummern und Dröhnen der Keramikbremse, deren Tonleiter bei forcierter Gangart vom dumpfen Moll bis zum hellen Dur hochklettert. Sie merken schon: Der Scuderia Spider bietet pure Emotion, viel Gefühl, ganz großes Autokino. Der extrovertierte Auftritt steht im Kontrast zur bestechenden Funktionalität des Cockpits. Die perfekten Sitze wurden ganz offensichtlich im siebten Himmel modelliert, die Ergonomie hat bis hin zum LED-Drehzahlmesser etwas wunderbar Selbsterklärendes, Schaltung und Bremse empfindet man schon nach wenigen Kilometern als integrale Teile des Ganzen, das Fahrwerk mit den einstellbaren Dämpfern und dem Zauberdifferenzial kombiniert die Geschmeidigkeit eines schnellen Gleiters mit der Präzision und Rückmeldung eines begnadeten Racers. In den Hügeln rund um Maranello durfte der Scuderia Spider beweisen, dass er sogar auf Buckelasphalt und durch Kotzbeutelkurven den Linkswalzer genauso gut tanzt wie den Rechtswalzer.
Auf hohem Niveau
Mit 470 Nm im Kreuz und mit seiner Prof.-Dr.-Dipl.-Ing.-Kraftverteilung an der Hinterhand entfaltet dieser Ferrari eine derart rhythmische Eigendynamik, dass man sich am liebsten bei der nächstbesten Drift-Challenge einschreiben würde. Während das bullige Heck am langen Zügel des Gaspedals immer mutigere Ausfallschritte übt, synchronisiert die ebenso prompte wie präzise Lenkung die Schrittfolge des sauber ausbalancierten Vorderwagens. Natürlich macht das Coupé auf diesem Parkett eine ebenso gute Figur wie der Spider, doch im 16M erlebt man jedes Querfahrtquietschen, jedes Begrenzerhämmern, jedes Spätbremsen eben um das gewisse Etwas intensiver. Tempomäßig spielt sich das alles auf dem hohen Niveau eines Enzo ab, der seinerzeit nur noch schneller ausverkauft war als unser gelbschwarzer Renner.
| Ferrari Scuderia Spider 16M | |
|---|---|
| Motor | V8 |
| Einbaulage | Mitte längs |
| Hubraum | 4308 cm³ |
| kW (PS)/ bei 1/min | 375 (510)/8500 |
| Drehmoment | 470 Nm |
| Antriebsart | Hinterrad |
| Getriebe | 6-Gang sequenziell |
| Leergewicht | 1440 kg |
| Eu-Normverbrauch | 15,7 Liter Super Plus |
| Beschleunigung | 3,7 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 315 km/h |
| Kaufpreis | 255.350 Euro |


































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