Fahrbericht Fiat Doblò

Der neue Fiat Doblò Der neue Fiat Doblò

Fahrbericht Fiat Doblò

— 28.10.2005

Ganz schön nützlich

Den neuen Doblò gibt es als Nutzfahrzeug und als Lifestyle-Van. Ein Modell, zwei Seelen, sagt Fiat – und wird dabei keineswegs zum Seelenverkäufer.

Vorschußlorbeeren für den Cargo

Daß Autos eine Seele haben, steht für Fiat außer Frage. Der Doblò hat sogar zwei davon: Die Baureihe gibt es zum einen als Nutzfahrzeug, zum anderen als Pkw. So war es schon vor der aktuellen Modellpflege, doch der Trend zum Familien- und Freizeitmobil – Volkswagen fährt ihn erfolgreich mit dem Caddy Life – ist für die Italiener wichtiger denn je.

Zur Zeit scheint jedes Mittel willkommen, um die angeschlagene Autosparte des Konzerns aufzumöbeln. Für Lorenzo Sistino, Markenchef Fiat Transporter, ist der neue Doblò immerhin "ein Mosaikstein im Aufschwung der Marke". Bislang wurden europaweit insgesamt 460.000 Exemplare verkauft, davon 150.000 Pkw-Varianten. 310.000 Doblò Cargo wiederum machen den Lastesel zum erfolgreichsten Fiat-Nutzfahrzeug nach dem Ducato.

Mit frischer Optik, neuen Motoren und verlängerter Ausstattungsliste soll der Trend anhalten. Schon vor der offiziellen Einführung am 5. November 2005 wurde der Doblò Cargo auf der niederländischen Nutzfahrzeugmesse RAI zum "Van of the Year 2006" gekürt – das sind schon mal gute Voraussetzungen. Der Titel "Van" ist vielleicht etwas irreführend, dem Zwei-Seelen-Konzept kommt er aber durchaus gelegen. Neue Werbefilmchen sollen die unterschiedlichen Zielgruppen emotional ansprechen: "Surf me, love me", flimmert es über den Bildschirm während der Pressekonferenz in Turin, "drive me, charge me", fordert der Doblò Cargo in einem anderen Spot.

Ein Panda im XXL-Format

Von der italienischen Fiat-Hauptstadt aus geht es auf Testfahrt ins Umland. Der 105 PS starke Multijet-Turbodiesel ist der mittlere von drei Selbstzündern im Angebot – und für den Doblò völlig ausreichend. 164 km/h Spitze erreicht er zwar erst nach langem Anlauf, Reisetempo 130 dafür zügig.

Die leichtgängige Fünfgangschaltung wird hoch in der Mitte des Armaturenbretts bedient. Wer schon mal im Panda gesessen hat, findet sich bestens zurecht: Die Bedienelemente der Mittelkonsole erinnern sehr an den kleinen Italiener, inklusive langweiligem Kunststoffmix. Erfreulich dagegen, daß die Schalter der elektrischen Fensterheber in den Türen untergekommen sind (statt sich oberhalb des Schaltknüppels auf der Mittelkonsole zu verstecken).

Die Lenkung fühlt sich leicht schwammig an, insgesamt reagiert der Doblò in kritischen Situationen aber gutmütig. ABS ist serienmäßig an Bord, ESP nicht im Angebot. Wie ein vollbeladenes Exemplar reagiert, bleibt abzuwarten – immerhin schluckt der kleine Familienlaster auf 4,25 Metern Länge, 1,72 m Breite und 1,81 m Höhe bis zu 3000 Liter Gepäck und verkraftet (dank überarbeitetem Fahrwerk) jetzt bis zu 680 Kilo Zuladung. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Doblò mit fünf oder sieben Sitzen ("Family") bestückt ist.

Gasantrieb statt Kofferraum

Zum reinrassigen Arbeitstier wird der Doblò in der Cargo-Version. Den kleinen Freund des Handwerkers gibt es "verblecht" oder "halbverglast", als Lang- oder Kurzversion, wahlweise sogar mit Hochdach und optionaler "Leiterklappe". Der Laderaum und die nochmals erhöhte Nutzlast sind prädestiniert für den alternativen Erdgas-Antrieb ("Natural Power").

Hier kann der Cargo seinen Platzvorteil voll ausspielen, denn neuerdings sind die Gasflaschen "unterflur" untergebracht, also im Wagenboden. Das hebt zwar die Ladefläche um einige Zentimeter an, trotzdem bleibt sie topfeben. Als Fünfsitzer hat es der Natural Power da schon deutlich schwerer: Wegen der zweiten Sitzreihe muß der Gastank in den Kofferraum weichen.

Dort herrscht dann akute Platznot, außerdem verträgt der Gastransporter nur noch 485 Kilo Zuladung. In engen Kurven sind die Gasflaschen im Heck als echter Ballast zu spüren, und der 1,6-Liter-Benziner (103 PS im Benzin-, 92 PS im Gasbetrieb) wirkt in jeder Situation laut und behäbig. Preisvorteil an der Tankstelle hin oder her – auf längeren Strecken fährt die Familie wohl doch lieber Diesel.

Technische Daten und Preise

Sauber nach Euro 4 sind alle Motoren im Doblò. Das Angebot an Dieselkraftwerken mit Partikelfilter ist dagegen verwirrend: Auf dem deutschen Markt dieseln nur die Pkw-Versionen mit 85 und 120 PS rußfrei, der 1.9 Multijet 16V sowie sämtliche Cargo-Selbstzünder verzichten auf den Zusatz "DPF".

Mindestens 12.890 Euro werden für den fünfsitzigen 1,4-Liter-Einstiegsbenziner (ohne Beifahrerairbag) fällig. 77 PS sollen ihn auf 148 km/h beschleunigen und wollen alle 100 Kilometer mit 7,4 Litern Normal-Kraftstoff gefüttert werden. Der günstigste Multijet schlägt mit 14.890 Euro zu Buche – mit kräftigeren 85 PS schafft er 156 km/h und genehmigt sich im Schnitt 5,5 Liter Diesel. Runde 18.000 Euro will Fiat schließlich für den 120 PS starken 1.9 Multijet 8V in der Dynamic-Ausstattung sehen.

Den günstigsten Basispreis bietet natürlich der "nackte" Kastenwagen Cargo. Als 1.4 8V mit 77 PS kostet er 10.330 Euro und muß ausstattungstechnisch auf einiges verzichten: Es gibt keinen Beifahrerairbag, und in der Stahltrennwand zum Laderaum gibt es kein Fenster. Ein Surfbrett würde zwar auch hier hineinpassen – die gewisse Portion Lifestyle gibt's aber erst mit der zweiten Sitzreihe.

Autor: Michael Voß

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