Fahrbericht Fisker Karma

Fisker Karma Fisker Karma

Fahrbericht Fisker Karma

— 18.02.2008

Der totale Anti-Prius

Fisker wagt den Gegenentwurf zum vernuftgetriebenen Öko-Mobil: Der Karma soll Glamour, nicht Verzicht ausstrahlen. AUTO BILD hat den Prototypen des schicken Hybriden ausprobiert.

Die Zukunft beginnt ganz bescheiden. 2811 McGaw Avenue ist ein kleines Bürogebäude in Irvine, einer Bürostadt bei Los Angeles – und die Keimzelle eines Unternehmens, das vielleicht die Autowelt aufmischen wird. Fisker Automotive Inc. plant mit seinem Hybridauto Karma den ganz großen Wurf. Kalifornien, das Land der Optimisten, ist eine Bühne für jeden, der den Mut hat, sie zu betreten. Henrik Fisker, gebürtiger Däne, ist so ein Siegertyp – groß, blond, blauäugig, entspannt, gut gekleidet. Als Top-Designer der Autoindustrie hat der 44-Jährige für BMW den Z8, für Aston Martin den DB9 entworfen. Vor fünf Jahren ging er nach Irvine und baute Luxusautos um. Dann kam der Herbst 2006, in dem sich die ersten Hollywood-Stars im Toyota Prius sehen ließen. Fisker spürte: Da dreht sich was. Und beschloss, auf der Welle mitzureiten, und zwar gleich richtig. Er konzipierte den Anti-Prius – der Karma ist groß, schön, stark und schnell, ein schicker Anzug für Leute wie George Clooney. Öko-Autos müssen nicht Verzicht, sondern Glamour ausstrahlen, meint Henrik Fisker: "Wir sind neu, wir sind grün und sexy."

Ausgerechnet ein Militärauto liefert die Öko-Antriebstechnik

Militärtechnik unter dem Blech: Der Antrieb entstammt einem Armee-Fahrzeug namens "Aggressor".

Szenenwechsel: Der Strand von Huntington Beach, Klinsmann wohnt (noch) hier. Die silberne Alu-Haut des Karma funkelt in der Sonne. Der Viersitzer ist 4,98 Meter lang, aber breit (1,98 m) und niedrig (1,31 m) wie ein Sportwagen. Der Karma ist wie eine italienische Oper – sinnlich, strömend, eine lang rollende Welle über mächtigen 22-Zoll-Rädern. Derzeit gibt es zwei Prototypen. Die Hybrid-Technik kommt aus einem Militärauto namens "Aggressor", Fiskers Partner-Firma Q-Systems fertigt sie. Im Bug sitzt ein Turbo-Vierzylinder-Benzinmotor mit zwei Liter Hubraum. Er dreht meist um 3500 Touren und schickt rund 250 PS auf einen Generator. Der lädt die Lithium-Ionen-Akkus im Tunnel der Fahrgastzelle. Sie speisen einen Elektromotor, und der treibt ohne Getriebe die Hinterachse an. Quantum habe das knifflige Temperaturmanagement der Akkus durch eine intelligente Steuer-Software im Griff, so Fisker: "Wir haben einen großen Vorsprung."

Die Fahrleistungen sind absolut auf Sportwagen-Niveau

Ökologisch schnell: Im Duo-Betrieb mit Benzin- und Elektromotor soll der Karma in sechs Sekunden auf Tempo 100 sprinten.

Zwei Fahrmodi stehen zur Wahl. Wenn der Benziner mitläuft, soll der zwei Tonnen schwere Karma in sechs Sekunden auf Tempo 100 sprinten, abgeregelte 200 km/h rennen und in einem Zug "von Deutschland bis Süditalien" fahren. Der Spritverbrauch? "Den berechnen wir gerade." Im reinen Elektromodus reichen die Akkus für 80 km. Ein Solardach und die Bremsen steuern Strom bei. Marktstart soll Ende 2009 sein. Aber wie wird aus der Vision ein Serienauto? Fisker strahlt sein Siegerlächeln. "Wir haben von zwei Investmentfirmen genug Startkapital. Wir verhandeln mit Autobauern über eine Kooperation, auch mit einigen deutschen. Unser Partner wird den Benzinmotor und weitere Komponenten zuliefern." Die geplante Produktion von 15.000 Autos im Jahr sei schon bis Mitte 2010 ausverkauft, sagt Fisker. Jede vierte Bestellung komme aus Deutschland, wo der Preis bei rund 75.000 Euro liegen soll. Eine zweite, offene Karosserie ist ebenso in Planung wie ein Diesel für Europa. Die Zukunft, die Henrik Fisker vor sich sieht, ist sauber und glänzend.

Fazit von AUTO BILD-Autor Johannes Köbler: Karma bedeutet Schicksal – es ist ein guter Name für den Prototyp von Fisker. Die Idee, ein Hybridauto speziell für Wohlhabende zu bauen, ist schlüssig, der Mut zur Gründung einer grünen Autofirma ist bewundernswert. Für die Beurteilung der Technik ist es zu früh, da lässt Fisker wichtige Fragen noch offen. Aber das Auto macht schon jetzt richtig an. Öko mit Sex-Appeal – ein Däne aus Kalifornien will der Welt zeigen, wie das geht. Respekt!

Autor: Johannes Köbler

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