Fahrbericht Ford Galaxy

Ford Galaxy 2.0 TDCi Ghia Ford Galaxy 2.0 TDCi Ghia

Fahrbericht Ford Galaxy

— 10.04.2006

Die 24 Stunden von Welldorf

Man kann neue Autos im sonnigen Süden oder am Polarkreis testen. AUTO BILD ist mit dem neuen Galaxy mitten ins Leben gefahren.

Ein wunderbar leiser Reise-Van

Welldorf ist Deutschland. Welldorf ist überall. 1873 berührte die weite Welt mit der Bahnstrecke Jülich–Mönchengladbach das kleine Nest. Sie wurde im Mai 1980 eingestellt. Heute fährt ein Linienbus zu meist ungünstigen Zeiten. Die Postfiliale ist weg, Frischwaren gibt es beim Bäcker. In Welldorf hat, wie überall auf dem Lande, das Auto gewonnen. Ohne Auto läuft nichts. Die Zauberworte im 1400-Seelen-Ort heißen: Nachbarschaftshilfe und Fahrgemeinschaft. Das brachte uns auf eine Idee: Nicht Südfrankreichs mondäne Cote d'Azur ist das ideale Testgelände für die ersten Fahreindrücke vom neuen Ford Galaxy, nein, Welldorf ist es. Was lag da näher, als 24 Stunden lang den Welldorf-Kutscher zu spielen.

Als Fotograf Sven und ich den Siebensitzer in Köln-Niehl abholen, zeigt der Tacho jungfräuliche 64 Kilometer. Der Galaxy war taufrisch, ihm mußten sogar noch die Schriftzüge aufgeklebt werden, bevor wir starten konnten. Schnell auf die Autobahn. Diesmal kommen mir die Tempobegrenzungen im Kölner Raum gelegen, der Zweiliter-TDCi mit seinen 140 Diesel-PS muß ja noch etwas eingefahren werden. Bei Tempo 100 brummelt der vom Mondeo her bekannte Diesel friedlich. Seine Kurbelwelle rotiert mit lächerlichen 1800 Touren. Entsprechend leise ist es im Galaxy. Es bleibt Muße, sich den Daten zu widmen.

Ein Benziner und drei Dieselmotoren stehen zur Wahl. Zum Grundpreis von 26.350 Euro gibt es wahlweise den 145-PS-Benziner oder den 100-PS-Diesel, beide mit Fünfgang-Schaltgetriebe. Der zweite Diesel leistet 130 PS, und den dritten fahren wir gerade. Sie haben Sechsgangschaltung. Eine Automatik kommt erst in einem Jahr. Wir sitzen in der Ghia-Variante (ab 32.200 Euro), an die man sich schnell gewöhnen kann. Daß aber ein gekühltes Handschuhfach, Gepäcknetze oder Kofferraumabdeckung noch Aufpreis kosten, paßt nicht ganz zum traditionell luxuriösen Anspruch dieses Namens. Zum Trost sei gesagt: Die Basisversion zu 26.350 Euro fährt vergleichsweise üppig ausgestattet vor; Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorn, ABS, ESP und Zentralverriegelung gibt es immer.

Härtetest in der rheinischen Provinz

Der Klopfer aber sind die serienmäßigen sieben Sitze. Die Entwickler unter Leitung von Dr. Jens Ludmann haben in die fünf hinteren Stühle viel Hirnschmalz investiert. Die Sitze sind allesamt in der Länge verschiebbar, und auch die Lehnen lassen sich neigen. Wer Laderaum braucht, der kann ohne Lesen einer Anleitung den Galaxy flink zum Frachter umbauen. Aus 308 Liter Kofferraum werden so im Handumdrehen bis zu 2325 Liter. Der Boden ist topfeben, lediglich die vielen Ritzen brauchen bei Gelegenheit sicher einen starken Staubsauger. Unter den Böden finden sich noch geräumige Geheimfächer.

Wir passieren das Ortsschild Welldorf. Frau M. wartet schon auf uns. Sie muß mit Tochter Michelle zum Einkaufen nach Jülich, will auch schnell beim Zahnarzt etwas prüfen lassen. Beim Wenden vor ihrem schmucken Eigenheim merken wir: Der Wendekreis von 11,6 Metern macht den Wagen etwas unhandlich, doch der Neue ist ja im Vergleich zum Vorgänger auch um 18 Zentimeter gewachsen. In der Breite sogar um 15 Zentimeter! Platz genug also auch für den Kauf von Gartenmöbeln. Kaum zurück, heißt es jetzt: Auf zur Realschule Jülich am Aachener Tor. Angelina, die große Tochter von Frau M., muß mit Freundin Julia abgeholt werden.

Eine prima Gelegenheit, die Klassenkameraden zum Fototermin zu bitten. Der Galaxy beeindruckt die Jungs und Mädels im Moped-Alter durchaus. Trost für mich und meinen Arbeitsplatz, der Nachwuchs ist genauso autointeressiert wie meine Nachkriegsgeneration. Nur mit dem Unterschied, daß die Jungs Begriffe wie iPod oder Bluetooth auch aus dem Stand erklären können und sich plötzlich mehr für das Multimedia-System mit den beiden Flachbildschirmen in den Kopfstützen (2460 Euro Aufpreis) interessieren als für die hübschen Schulkameradinnen. Angelina und Julia müssen ins Nachbardorf Höllen, gemeinsam die Hausaufgaben machen. Auf der gewundenen Landstraße zeigt sich, daß es an der elektrischen Servolenkung und dem Komfort nichts auszusetzen gibt.

Der Galaxy läuft wie auf Schienen

Achtung, jetzt wird es sportlich. Fünf Knirpse vom SV Grün-Weiß Welldorf-Güsten möchten auf den Fußballplatz. Auch sie interessieren sich spontan für das Multimedia-System und den Blaupunkt TravelPilot EX (ab 2750 Euro). "Hat mein Papi auch in seinem Auto", kräht es von hinten. Mist, den Jungs kann ich nichts Neues bieten. Dafür haben die Stollen ihrer Fußballschühchen Spuren an den Sitzen hinterlassen. Zum Glück keine üblen Fouls. Mit einem Wisch ist alles weg, pflegeleichter Kunststoff schützt die kritischen Stellen.

Nach einigen Spritztouren naht der Feierabend. Aber nicht für mich, sondern für ein Damenkränzchen, das zum Chinesen nach Stetternich möchte. Fotograf Sven und ich sitzen bei alkoholfreiem Bier am Nebentisch und hören neidisch, wie leckeres Tsin-Tau-Bier die Mädels immer fröhlicher stimmt. Um 23 Uhr schließt das "Panda", die Straßen sind leer, die Lichter in den Fenstern gelöscht, Welldorf ruht bis früh um sieben. Da müssen vier Pennäler in die 18 Kilometer entfernte Gesamtschule von Merzenich gebracht werden. Danach schnell noch die junge Jagdhündin Laura beim Tierarzt abladen und zwei Damen zum Malkurs nach Düren bringen. Die Kutschiererei hat den Kilometerzähler auf 510 gestellt, knapp 40 Liter muß ich nachtanken. Macht 7,8 l/100 km – geht doch, oder?

Tschüs Welldorf, auf der Autobahn gen Kölle gebe ich dem Diesel kurz mal die Sporen. Tacho 200 sind schnell erreicht, und ich staune: Der Galaxy läuft wie auf Schienen, wird immer leiser. Motor und Fahrtwind sind kaum noch zu hören. Das ist Oberklasse, das läßt mich zurückdenken. Immer wenn in den amerikanischen Konzernablegern deutsche Ingenieure freie Hand zum Entwickeln hatten, kamen erfolgreiche Autos heraus. Das Team um Dr. Jens Ludmann arbeitete fünf Jahre lang an Galaxy und seinem sportlichen Schwestermodell S-Max. Schon bei dem hier gefahrenen Vorserienauto wirkt nichts improvisiert.

Motorisierungen und Preise

Der neue Galaxy ist zwar fast 3000 Euro teurer als sein Vorgänger, aber er dürfte seinen Weg machen – und Volkswagen das Leben schwer. Denn die Scheidung von VW ist durch, das Werk in Portugal baut noch bis 2007 die Schwestermodelle Sharan und Seat Alhambra. Sie sind jetzt alt, aber deswegen keineswegs schlecht. Doch Ford hat eben momentan die Nase sichtbar vorn. Sie bauen den Galaxy nunmehr auch im eigenen belgischen Werk Genk.

Der Abschied nach 24 Stunden im Rheinländischen fällt schwer. Wir stellen fest, es gibt Autos, da möchte man eine Großfamilie haben. Oder Fahrgemeinschafts-Vater spielen. Irgendwie ist der Galaxy wie Welldorf. Ein sympathisches und bodenständiges Stück Deutschland, das Sie ab 20. Mai bei den Händlern besichtigen können.

Autor: Diether Rodatz

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