Fahrbericht Gumpert Apollo

Gumpert Apollo Gumpert Apollo

Fahrbericht Gumpert Apollo

— 21.06.2005

Mission Apollo

Das Projekt von Ex-Audi-Motorsport-Chef Roland Gumpert und der Motorenschmiede MTM nimmt Formen an: Der deutsche Supersportwagen Apollo steht kurz vor der Serienreife. AUTO BILD TEST & TUNING fuhr den 650-PS-Boliden.

Reinrassiges Supercar ohne Kompromisse



Apollo 1 endete als Feuerball. Apollo 2 und 3 wurden ersatzlos gestrichen. Apollo 4 und 5 düsten ohne Piloten los. So gesehen stand die Mission Apollo – das Mondlandeprogramm der National Aeronautics and Space Administration (kurz NASA) – an seinem Anfang in den 60er Jahre unter keinem guten Stern. Das stört Roland Gumpert kein bißchen. Sonst hätte der 60 Jahre alte ehemalige Audi-Sportchef nicht vor rund eineinhalb Jahren die Geschäftsführung der Sportwagenmanufaktur Altenburg GmbH übernommen, die das Projekt Apollo Anfang des Jahrtausends angeschoben hatte. Unter dem neuen Namen Gumpert Sportwagenmanufaktur GmbH wird jetzt das Auto gebaut und vermarktet.

"Apollo ist", philosophiert Gumpert, "einerseits der Sohn des Kriegsgottes Zeus. Andererseits ist er der Gott der Schönheit, Ästhetik und Poesie. Das paßt." Und als Wappen war der Greif gerade recht – ein Fabelwesen, halb Adler (König der Lüfte), halb Löwe (König der Tiere). An Selbstbewußtsein mangelt es der Apollo-Crew nicht. Warum auch? Der Apollo – initiiert von MTM-Chef Roland Mayer, mitentwickelt von Audi-Fahrdynamiker Uwe Bleck – ist ein reinrassiges Supercar aus Deutschland. Es verzichtet komplett auf verweichlichenden Komfort und wendet sich ausschließlich an Puristen, die sich sonst schon alles geleistet haben.

Die Eckdaten: 650 PS, Biturbo-V8, 360 km/h Topspeed, null bis 100 km/h in 3,0 Sekunden, Preis 176.000 Euro. Durchatmen. Und gleich wieder die Luft anhalten. Gumpert und sein Team haben zwei Autos auf den Runway des Phantom-Fliegerhorstes in Neuburg an der Donau gebracht: den roten Apollo 1 und den blauen Apollo 2, beides Farben aus der Mazda-RX-8-Palette. Beide seriennah, aber noch nicht serienreif. Mit dem roten hat der belgische Pilot Ruben Maes im März 2005 auf Anhieb den dritten Platz beim Divinol-Cup auf dem Hockenheimring erreicht – danach hätte der Renn-GT noch auf eigener Achse nach Hause fahren können. Das nennt man straßentauglich.

Der V8-Biturbo agiert mit Urgewalt



Motor anlassen: Es röhrt, es donnert – Sound-Engineering à la Apollo. Dank eines Klappensystems hat die Bollerei den TÜV-Segen: Bei langsamer Fahrt reduziert ein Rohrlabyrinth den Auspuff-Donner auf sozialverträgliche Werte, bei Vollast sind die Klappen zu, und die Abgase strömen ungehindert brüllend ins Freie. Erster Gang, die Kupplung muß präzise dosiert werden, um den Motor nicht abzuwürgen. Hier ist ein sensibles Miteinander von Gas- und Kupplungsfuß gefragt. Wenn diese Hürde genommen ist und das Auto rollt, bricht das Inferno aus. Ab 2000 Umdrehungen katapultiert der auf dem RS6-Motor basierende Biturbo das leichte Coupé samt Insassen mit Urgewalt nach vorn.

Im Nu muß der Pilot kräftig an der langen Schaltstange ziehen, mit der dem sequentiellen Sechsganggetriebe der zweite Gang befohlen wird. Gas, ziehen, Gas, ziehen, Gas, ziehen, Gas, ziehen, sechster Gang, 330 km/h – und da ist noch eine Menge Luft unterm Gaspedal. Bei diesem Tempo nimmt man die an der Strecke postierten Sanitäter nur noch als bürokratische Notwendigkeit wahr. Der V8 brüllt ohrenbetäubend laut im Auto. Doch, Apollo sei Dank, ist weder das Getriebe gerade verzahnt noch realisiert der Fahrer irgendwie den Lärm, denn er muß sich höllisch auf andere Dinge konzentrieren. Wie zum Beispiel auf das Ende des knapp drei Kilometer kurzen Runways, der scheinbar nahtlos in den saftigen Rasen der Fliegerhorst-Ausgleichsflächen übergeht. Die Bremse ist gut ...

Beruhigt nimmt der Pilot auch wahr, daß sich die Bemühungen der Gumpert Sportwagenmanufaktur im Windkanal der TU München gelohnt haben: Die Bodenrakete bleibt jederzeit kontrollierbar. "Ab 270 km/h erzeugt das Auto mehr Abtrieb, als es wiegt", erklärt Gumpert, "selbst ohne Rennflügel sind 360 km/h kein Problem." Aerodynamik pur: So eine dicke (Front-)Lippe muß man erst mal riskieren, und der riesige Diffusor erinnert an den Euro-Tunnel unterm Ärmelkanal.

Audi unterstützte die Entwicklung



Das Fahrwerk hat Audi-Mann Uwe Bleck aufwendig konstruiert: doppelte Querlenker vorn und hinten, die innenliegenden Federn über Kipphebel betätigt. Audi zeigte sich erfreulich großzügig: Der bayerische Hersteller gab nicht nur seinem Fahrwerkprofi grünes Licht für diese Nebentätigkeit. Auch sonst halfen die Ingolstädter mit Technik: Das Lenkrad trägt die vier Ringe, der Motor sowieso, der Chef ist ein Ex-Audianer, und die Tuningschmiede MTM nimmt besonders gern Autos aus Ingolstadt in die PS-Kur – man kennt und schätzt sich. Audi-Chef Martin Winterkorn ist allerdings den Renner noch nicht gefahren. Das soll in Kürze zelebriert werden. Durchatmen.

Nein, zum Brötchenholen wird niemand seinen Apollo benutzen. Eher für den Adrenalinkick am Wochenende. Noch allerdings fehlt zur Serienreife etwas Feinschliff:

• In den sehr steifen Molybdänrahmen (Torsionsfestigkeit rund 30.000 Newtonmeter) wird zum Produktionsstart von unten ein Monocoque eingezogen. Im Gegenzug läßt sich der Rahmenboden abnehmen. Das bedeutet im Fall des Falles bessere Reparaturmöglickeiten.

• Die Türen werden in der Dachmitte angeschlagen. Der stolze Besitzer wird dann seinen Apollo von oben entern und muß nicht durch eine winzige Seitenluke einsteigen.

• Die Abgashürde Euro 4 muß noch genommen werden.

• Zur Zeit sind Stack-Rennarmaturen montiert. Die Serie bekommt zivile Rund-Anzeigen.

• Der Wendekreis ist durch den auf 20 Grad begrenzten Einschlagwinkel viel zu groß. Ziel sind 30 Grad – wie beim Lamborghini Gallardo.

• Zum Test auf dem Runway waren 325er-Slicks montiert. Die Serienautos bekommen straßenzugelassene Reifen.

Technische Daten und Fahrleistungen



Aber sonst muß der zahlungskräftige Kunde, der selbstverständlich zusätzlich ein paar Porsche und Ferrari sein eigen nennt, keine Verwässerung des Renngedankens befürchten. Er kann die Höhe seines Renners dank einstellbarem Fahrwerk zwischen 20 und 100 Millimetern variieren. Er kann Flügelwerk optional bestellen. Er kann statt der serienmäßgen Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK) eine in Carbon ordern. Er kann Diffusor und Frontlippe auf Normalmaß stutzen lassen. Er kann auch ein sequentielles Siebenganggetriebe mit Schaltpaddel am Lenkrad bekommen.

Und er kann den auffälligen vertikal geformten Lufteinlaß auf dem Dach auch in schmaler, horizontaler Form anfertigen lassen. Alles geht. Nur eines wird schwer: sich mit der Konkurrenz zu messen – mangels Masse. "Das einzige im Prinzip vergleichbare Fahrzeug ist der Maserati MC12", sagt Gumpert, "die anderen Supersportler wie Koenigsegg oder Pagani Zonda sind mehr auf Komfort und Luxus ausgelegt."

Zunächst 80 Apollo pro Jahr will Gumpert mit 50 Angestellten in einer früheren Nähmaschinenfabrik in Thüringen fertigen, später sollen es 150 Stück jährlich werden. Auf Kundenwunsch können laut Gumpert ehemalige Audi-Motorsport-Größen wie Blomqvist, Mikkola, Mouton oder Demuth die Einweisung bei Fahrzeugübergabe auf diversen Rennstrecken übernehmen. Die ersten zehn Exemplare sollen noch in Ingolstadt entstehen, danach ist die Anlaufphase vorbei. Das erinnert wieder an die NASA: Die ersten zehn Apollo-Missionen waren zum Lernen. Erst Apollo 11 brachte die ersten Menschen auf den Mond.

Technische Daten V8-Mittelmotor • zwei Turbolader • fünf Ventile je Zylinder • Hubraum 4163 cm³ • Leistung 478 kW (650 PS) bei 6800/min • max. Drehmoment 810 Nm bei 5000/min • Hinterradantrieb • sequentielles Sechsganggetriebe • rundum Einzelradaufhängung, Doppelquerlenker • rundum innenbelüftete und geschlitzte Scheibenbremsen • Reifen 255/35 R 19 vorn, 345/35 R 19 hinten • Länge/Breite/Höhe 4250/1960/1105 mm • Radstand 2700 mm • Leergewicht 1100 kg • Tankinhalt 120 l • Zuladung 400 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 3,0 s • Höchstgeschwindigkeit 360 km/h • Preis 176.000 Euro

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.