Fahrbericht Honda U3-X (Tokyo Motor Show 2009)

Fahrbericht Honda U3-X (Tokyo Motor Show 2009)

— 23.10.2009

Per Einrad durch den Messezirkus

Die Japaner wollen endlich Ordnung in den Personenverkehr bringen – ausgerechnet mit einem Einrad! AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka hat den kuriosen U3-X mal ausprobiert.

Es sieht aus, als hätte Honda sich aufs Recycling von ausgedienten Ghettoblastern verlegt. Auf Transportgröße zusammengeklappt, verrät der U3-X auf jeden Fall nichts von seinem interessanten Innenleben, mit dem die Japaner den Personenverkehr neu ordnen wollen. Dazu benutzt Honda in diesem Fall nicht wie bisher vier oder zwei, sondern erstmals nur ein einziges Rad. Zumindest prinzipiell. Bei genauer Betrachtung sind es dann doch ziemlich viele Räder oder besser Rollen, auf denen der U3-X unterwegs ist. Doch dazu später mehr.

Intelligente Elektronik verhindert den Umfaller

Erster Fahrversuch: AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka kommt auf Anhieb mit dem Honda-Einrad klar.

Wenn man das Einrad aus seiner Ladestation nimmt, fällt zunächst das verhältnismäßig geringe Gewicht auf. Honda verspricht weniger als zehn Kilo – und wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln. Nach dem Einschalten leuchtet am Heck eine Kontrolllampe auf, und das nur 65 Zentimeter hohe Gefährt stabilisiert sich leise summend im Stand. Als wolle der U3-X loslegen und könne es schon gar nicht mehr erwarten, tänzelt er auf der Stelle ganz leicht von links nach rechts, rückt den Schwerpunkt immer wieder exakt ins Zentrum und verhindert so den Umfaller – im Prinzip so wie sich durch ständiges Nachjustieren ein Besen auf dem Finger stehend balancieren lässt. Doch jetzt gilt es, uns selbst ins Gleichgewicht und in Einklang mit Hondas Elektro-Einrad zu bringen. Auf Knopfdruck entriegeln im oberen schwarzen Plastikeinsatz zwei kreisförmige Plastikschalen, die nach oben geklappt unseren Sitz ergeben. Am unteren, etwas größeren Kreiseinsatz können zwei metallene Fußstützen ausgeklappt werden – und schon ist der U3-X ist abfahrbereit.

Zum Messerundgang über die Tokyo Motor Show

Der Honda U3-X funktioniert genauso simpel wie ein Segway: Gewicht nach vorn verlagern bedeutet nach vorn fahren, wer sich nach rechts lehnt, fährt auch nach rechts.

Vorsichtig lasse ich mich auf dem etwa tellergroßen Fahrerplatz nieder und behalte die Füße vorsichtshalber erstmal noch am Boden. So bekomme ich ein Gefühl für den von Lithium-Ionen-Batterien angetriebenen Fußgänger-Freund und kann mit festem Stand einen ersten Eindruck seiner Art der Bewegung gewinnen. Eigentlich funktioniert der Honda genauso simpel wie ein Segway: Gewicht nach vorn verlagern bedeutet nach vorn fahren, wer sich nach rechts lehnt, fährt auch nach rechts und so weiter. Das kann jedes Kind nach einer Minute Eingewöhnung.

Der Trick mit dem Schuh

Eine Besonderheit des U3-X liegt dabei in seinem speziellen Antriebrad. Das Hauptrad, das wie bei einem richtigen Einrad für vor und zurück zuständig ist, besteht in Wirklichkeit nämlich aus mehreren quer zur Radnabe montierten Rollen. Werden die in Bewegung gesetzt, schiebt der Honda seitlich oder auch diagonal davon. Aus diesem Grund muss zum Fahren von richtigen Kurven auch ein Trick angewendet werden. Einfach die Fußspitze leicht auf dem Boden schleifen lassen, schon biegt der U3-X ab wie ein ganz normales Einrad. Zugegeben, das erfordert dann doch schon ein bisschen Übung, stellt aber niemanden vor echte Probleme.

Gedacht ist Hondas Studie zum Einsatz unter Fußgängern. Deswegen wurde die Höchstgeschwindigkeit (leider) auch auf sechs Stundenkilometer begrenzt und bei den Abmessungen darauf geachtet, dass man nicht ständig an Passanten und Spaziergängern hängen bleibt (Tiefe 32 cm, Breite 16 cm).

Bislang erlauben die Honda-Techniker dem U3-X den Einsatz nur auf ebenen Wegen und am besten in überdachten Bereichen – Wasser oder Fahrbahnverwerfungen mag der Elektroroller nicht. Bevor über eine noch nicht beschlossene Serienfertigung aber weiter nachgedacht wird, müsste ohnehin das schwierige Zulassungsthema geklärt sein. In Japan darf der U3-X nicht ohne Weiteres am öffentlichen Verkehr teilnehmen. Segway ist an dem kategorischen Nein der Behörden schon gescheitert. Doch vielleicht drücken die Beamten bei einem großen einheimischen Hersteller ja mal ein Auge zu und finden eine Ausnahmegenehmigung. Dann müsste Honda sich nur noch einen attraktiven Preis ausdenken. Wir meinen: In Euro sollte der auf jeden Fall dreistellig sein.

Autor: Gerald Czajka

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