Fahrbericht Jaguar XJR

Fahrbericht Jaguar XJR Fahrbericht Jaguar XJR

Fahrbericht Jaguar XJR

— 11.04.2003

Endlich wieder konkurrenzfähig

Spät kommt er, aber gewaltig: Die Top-Version des neuen Jaguar XJ wird von einem 4,2-Liter-Kompressormotor mit 395 PS befeuert.

Zurückhaltendes Design und Leichtbauweise

Jawohl, es wurde langsam Zeit für einen neuen XJ. Die Baureihe ist seit 1968 im Jaguar-Programm – seitdem zwar mehrfach gepflegt und seit 1997 mit dem V8 auch so gut wie nie zuvor. Trotzdem sah er vor allem gegen die deutsche Konkurrenz zuletzt sehr alt aus. Immerhin: Mehr als 800.000 XJ wurden insgesamt gebaut, das sind mehr als die Hälfte aller Jaguar.

Zuerst fällt auf, dass die Neuinterpretation recht moderat ausfällt. Zurückhaltendes Design, nichts Aufregendes. Stimmige Proportionen, sanfte Rundungen, eingezogenes Heck. Ganz im Stil des Hauses. In einer Zeit manch waghalsiger Design-Experimente ist solche Zurückhaltung eine Wohltat fürs Auge.

Auch das Experiment mit dem Aluminium hat – mit Verspätung – geklappt: Die Alu-Teile der selbsttragenden Karosserie werden von knapp 3200 Nieten und Raumfahrt-Klebstoff zusammengehalten. Dank dieses Leichtbaus bringt der XJR schlanke 1665 Kilo auf die Waage. Damit unterbietet er den Audi A8 4.2 quattro (1780 Kilo), den BMW 745i (1860 Kilo) und erst recht den Mercedes-Benz S 55 AMG (1910 Kilo). Womit auch gleich seine Spielgefährten genannt wären. Denn an der deutschen Oberklasse orientiert sich der Jag ganz eindeutig – mit Technik, Leistung, Preis und auch Größe. Auf dem Weg dahin musste er viel größer werden als sein Vorgänger.

Rotes Leder und reichlich Dampf

Die Länge blieb mit etwa fünf Metern dabei fast unverändert, aber er ist sechs Zentimeter breiter und vor allem sagenhafte 13 Zentimeter höher als der alte XJ. Das Abteil konnte damit um 40 Prozent größer werden, erzählen die Engländer voller Stolz. Keine Kunst bei der klösterlichen Enge des Vorgängers, sagen wir.

Im Neuen geht es ungleich luftiger zu, geblieben ist aber die gediegene Atmosphäre eines englischen Herrenklubs. Selbst die tollkühnen roten Lederpolster des Test-XJR konnten daran nicht viel ändern. Das R steht wie bisher für die stärkste Version im Programm, der Kompressor puscht die Leistung des V8 auf 395 PS, bei 3500 Umdrehungen liegen 541 Newtonmeter an.

Keine leeren Versprechungen: Der Motor tritt ansatzlos an wie David Beckham beim Sprint, dreht heftig kreischend aus und peitscht den XJR vorwärts. Vom Achtzylinder-Blubbern ist leider nicht viel zu hören, es wird permanent vom metallischen Schaben des Kompressors übertönt. Mit dem relativ leichten XJR treiben die 395 PS auf Verlangen ein wildes Spiel, zumal auch die ZF-Sechsstufenautomatik hellwach und blitzschnell reagiert.

Komfort und Technische Daten

Trotzdem, wer jetzt an Lärm, stoßige Federung und kernige Sportlichkeit denkt, liegt daneben. Der XJR ist eine gepflegte Limousine, die heftig und sehr schnell unterwegs sein kann. Aber kein Sportwagen. Ein Verdienst des Fahrwerks mit Luftfederung, automatischer Niveauregulierung und beim XJR serienmäßigen adaptiven Dämpfern.

Trotz seiner gewaltigen 255/35 ZR 20 Michelin Pilot Sport rollte unser Testwagen straff und nachdrücklich, aber harmonisch ab. Und in kritisch werdenden Situationen haben dann ESP und die übrigen elektronischen Helferlein selbst die 395 Pferde im Griff. Auch da unterscheidet sich der Jag kaum noch von seinen deutschen Konkurrenten.

Technische Daten V8-Kompressormotor, vorn längs • 4 Ventile je Zylinder • Hubraum 4196 cm³ • Leistung 291 kW (395 PS) bei 6100/min • maximales Drehmoment 541 Nm bei 3500/min • Hinterradantrieb • Sechsstufenautomatik • Doppelquerlenker • Luftfederung mit automatischer Niveauregulierung • adaptive Dämpfer • Reifen 255/40 ZR 19 • Räder 8,5 x 19 • Länge/Breite/Höhe 5090/1860/1448 mm • Radstand 3034 mm • Leergewicht 1665 kg • Kofferraumvolumen 470 l • Tankinhalt 85 l • Zuladung 585 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 5,3 s • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h • Preis 87.900 Euro

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