Fahrbericht Jaguar XK

— 08.03.2006

Jag ist back

Jaguar lebt. Und wie. Mit dem neuen XK stellen die Briten ein cooles Coupé auf die Räder – mit einem sahnigen V8 und 298 PS.



Kein Zweifel, der XK ist eine Schönheit

Manchmal paßt einfach alles. Es ist sehr früh am Morgen, sehr still, am Strand verlieren sich ein paar Jogger. Langsam kriecht die Sonne feuerrot hinter dem Horizont hervor, schiebt sich höher und höher, taucht Berge, Land und Meer in ein weiches, samtiges, diffuses Licht. Es sieht wirklich so aus in Kapstadt, Südafrika. Und in diese aberwitzig schöne Gegend paßt das atemberaubende Auto, um das es hier geht, bestens.

Denn auch der Jaguar XK ist echt. Das sanfte Licht bringt die Formen des mächtigen, 4,80 Meter langen und 1,89 Meter breiten Coupés bestens zur Geltung: Kein Zweifel, der XK ist eine Schönheit. Nörgler werden hier und dort ein paar Kritikpunkte finden – den aufgesetzten Heckspoiler etwa oder auch die etwas zu großen Scheinwerfer. Doch das ändert nichts an der Tatsache, daß der Jag gut aussieht, verdammt gut. "Das liegt an den Proportionen", sagt stolz Ian Callum, der Designer, "die sind das Allerwichtigste." Der Mann hat recht: Endlose Motorhaube, flache Kuppel (nur 1,32 Meter hoch) und ein sanft auslaufendes, kurzes Heck, so soll es sein.

Mister Callum modellierte vorher bei Aston Martin. Auf die Feststellung, daß der Jag den aktuellen V8 Vantage und DB9 sehr ähnelt, reagiert er ungehalten. "Das kann man nicht vergleichen. Bei Jaguar geht es um eine ganz andere Formensprache, eine andere Tradition. Denken Sie nur an den E-Type." Gut, von dem stammen ein paar Zitate, das Kühleroval etwa und auch die Motorhaube mit den Sicken. Überhaupt strotzen die Engländer nur so vor Selbstbewußtsein. "Wir sind konkurrenzfähig in jeder Beziehung", tönt etwa Mark White, Direktor für Technik.

Der V8 wirkt in jeder Situation ausgeruht

Der Stolz kommt nicht von ungefähr. Im neuen XK steckt jede Menge feine Technik. Wie beim XJ besteht die Karosserie komplett aus Alu. Die aus der Limousine bekannte adaptive Dämpfung (CATS) wurde verfeinert. Das ESP läßt sich stufenweise regeln (TRAC DSC), und das Fußgänger-Schutzsystem PDBS ist sogar eine Weltneuheit. Bei einem Zusammenprall wird die Motorhaube blitzartig um zehn bis 15 Zentimeter nach oben gehoben – das schafft ein Polster zwischen Haube und Motor, der Aufprall wird etwas weicher. Trotzdem habe ich erst mal meine Zweifel, vor allem angesichts des Vorgängers namens XK8.

Bildschön war der auch, aber vom Fahrwerk und Motor her hoffnungslos unterlegen. Immerhin sprechen wir hier von einem erlesenen Umfeld, in dem sich starke Gegner tummeln: das BMW 650i Cabrio etwa, mit 4,8-Liter-V8 und 367 PS. Oder der Mercedes SL 350, zum Jaguar-Preis mit 3,5-Liter-V6 und 272 PS. Den XK gibt es zum Start mit einem 4,2-Liter-V8 und 298 PS. Später wird noch eine schärfere Kompressor-Version mit 395 PS folgen. Schon das 298-PS-Triebwerk paßt aber bestens zum Charakter der Katze. Der will kein gnadenloser Sportler sein, sondern ein entspannter GT.

Der V8 wirkt stets ausgeruht, nie hektisch, hat Dampf im Keller und beißt bei Bedarf auch richtig zu. Nahezu perfekt agiert die ZF-Sechsgang-Automatik mit manueller Schaltfunktion, noch so eine Sache, auf die Jaguar ziemlich stolz ist. Die soll besonders schnell und schlau arbeiten, und das macht sie auch – den ersten Eindrücken nach. Kurzer Zug an den Lenkrad-Schaltwippen, und flugs werden die Gänge sortiert. Besonders schön: die kurzen Zwischengasstöße beim Herunterschalten.

Technische Daten, Fahrleistungen, Preis

Und wenn die Engländer etwas richtig klasse hingekriegt haben, dann ist es der Sound. Der V8 klingt so sonor, wie eben nur ein V8 klingen kann. Bei wenig Touren schmeichelt er fast etwas zu sanft, mit viel Belcanto, beim Ausdrehen bollert er heiser, schmettert aggressiver. Gänsehaut-Feeling! Laut Werksangabe liegt der XK mit seinen Fahrleistungen knapp hinter SL 500 und 650i, aber vor dem SL 350 – und das klingt glaubhaft. Er ist, wie gesagt, keiner von der erbarmungslosen Sorte. Also schnell und (sehr) zügig unterwegs, aber ohne größere Aufregung.

Die ZF-Lenkung spricht präzise an, im Zweifelsfall untersteuert der XK. Mit deaktiviertem ESP läßt das TRAC DSC sogar etwas Schlupf und kleine Heckschwenks zu. Erstaunlich nur, daß sich die Katze nicht so grazil bewegt, wie sie es aufgrund des Aluminium-Leichtbaus eigentlich tun sollte. Sie liegt eher satt auf der Straße, und mit 1720 Kilo ist sie alles andere als ein Leichtgewicht: Ein BMW 650i bringt 1715 Kilo auf die Waage, der SL 350 mit 1825 Kilo gerade mal 100 mehr. Der Grund ist die luxuriöse Ausstattung. Leder, Klima-Automatik, Hi-Fi, Navigationssystem mit Touchscreen- Monitor oder Bi-Xenon, alles ist im Preis von 81.500 Euro drin.

Den BMW 650i gibt es für 82.000 Euro, den SL 350 für 81.548. Und in diesem Umfeld sollte der XK mit seiner Eleganz und seinem Leistungsvermögen eine Rolle spielen. Zu wünschen wäre es. Jaguar hat wirklich schon bessere Zeiten gesehen und ist aktuell auch von der heftigen Krise bei der Mutter Ford betroffen. Mit dem XK beweisen die Briten aber, daß mit ihnen wieder zu rechnen ist.

Technische Daten: V8 vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • vier obenliegende Nockenwellen • Hubraum 4196 cm³ • Leistung 219 kW (298 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 411 Nm bei 4100/min • Heckantrieb • Sechsgang-Automatik • Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern • innenbelüftete Scheibenbremsen • Reifen vorn 245/45 R 18, hinten 275/40 R 18 • Länge/ Breite/ Höhe 4791/1893/1322 mm • Radstand 2752 mm • Leergewicht 1720 kg • Kofferraumvolumen 330 l • Tank 71 l • Zuladung 315 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 6,2 s • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h • Preis: 81.500 Euro

Autor: Dirk Branke

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