Fahrbericht KTM X-Bow

KTM X-Bow KTM X-Bow

Fahrbericht KTM X-Bow

— 16.07.2008

Der nackte Wahnsinn

240 PS, 790 Kilo – mit dem X-Bow baut der österreichische Motorradhersteller KTM das erste Auto in der Firmen-Geschichte. Im August 2008 startet der Rennwagen für die Straße auch in Deutschland.

Er hat kein Gramm zu viel auf den Rippen, alles liegt frei. Der KTM X-Bow ist nackt: die Federbeine, die Antriebswellen, die Motorkühlung. So freizügig wie ein Auto sein darf, um noch als Pkw und nicht als Playboyhäschen im Fahrzeugschein zu landen. Oder als Motorrad. Denn aus dieser Ecke kommt der österreichische Hersteller KTM, in der Szene bekannt für kompromisslose Sport- und Geländebrenner. Mit ihrem ersten Auto, dem X-Bow (gesprochen: Cross-Bow), zielen die Österreicher auf Sportwagenfreaks und Technik-Enthusiasten, aber auch auf Motorradfahrer, die umsteigen wollen. "Für uns ist der Wagen die Interpretation der Marke auf vier Rädern", erklärt KTM-Chef Stefan Pierer. Als Altersvorsorge. Weil der Rücken grau gewordener Kunden schmerzt, das Knie zwickt und vier Räder immer sicherer sind als zwei. Ja, der X-Bow ist so eine Art Riester-Renner.

"Ready to race?"

Für die Generation Gottschalk, die mit 60 lieber Wodka-Tonic gurgelt statt Doppelherz zu trinken. Deshalb verkauft KTM den Wagen auch nur mit FSK (Freiwillige Selbstkontrolle) ab 24 Jahren und

Vor dem Start fragt das Motorraddisplay rhetorisch: "Ready to race?"

Fahrsicherheitstraining. Und nicht in den USA, weil ehrgeizige Junganwälte in klimatisierten Kanzleien auf den ersten Unfall lauern. Ohne ABS, ohne ESP, ohne Servolenkung, ohne Airbags hätte der X-Bow das Potenzial, aus ehemaligen BAföG-Beziehern Multimillionäre zu machen. Schluss mit den Mythen, einsteigen. Statt einer Tür besitzt der Sportwagen mit Carbon-Monocoque eine Schwelle, die überwunden werden muss. Die Ösis sagen: "Du schlupfst rein wie in einen Schuh." In dem Schuh ist es eng und kahl, um Gewicht zu sparen. Alle wichtigen Bedienknöpfe sitzen am Lenkrad, alle Anzeigen erscheinen digital auf dem Motorraddisplay in der Mitte. Das fragt rhetorisch: "Ready to race?"

Warum sonst drückt man sich auf minimalistischen Recaro-Sitzen rum? Fahrer und Karosserie verbinden Hosenträger-Gurte, per Hebel rutscht die Pedalerie vor und zurück. So passt der

Der italienische Formel-3-Lieferant Dallara entwickelte das Monocoque.

KTM-Rennsuite wirklich allen. Geschaltet wird klassisch mit Kupplung und Knüppel in der Hand statt Lenkradwippen. Aber was ist das? Audi-Ringe auf dem Zündschlüssel! Bis zum Verkaufsstart im August soll das KTM-Logo sie ersetzen. Aber wo Audi draufsteht, ist auch Audi drin. Nicht nur den Schlüssel lieferten die Ingolstädter den Österreichern, sondern leisteten Entwicklungshilfe. Den 2.0-TFSI-Motor aus dem TT packten sie gleich mit dazu. KTM kitzelt 240 PS aus dem aufgeladenen Vierzylinder, statt vorn sitzt er sportlich in der Mitte. Überraschung folgt auf Knopfdruck: wie leise der XBow läuft. Turbotypisch. Harmlos. Kein gereiztes Brummen, wie das die Wespen-Optik vermuten lässt. Stattdessen nur fächernde Windgeräusche aus den Kiemen, um den Motor im Stand zu klimatisieren.

Porsche 911 gegen KTM?

KTM-Chef Stefan Pierer, immer ein Ohr am Markt, verspricht, dass im Zubehör die Ingenieure schon jetzt gewaltige Wagner-Opern komponieren. Mit dieser Dramatik fliegt der Wagen auch durch Kurven. Aufrecht, stolz, schnell und ausdauernd. Immer hart am Wind. Auf dem Bildschirm schlägt der digitale Drehzahlmesser heftig aus. Auch der Tacho wechselt von null auf 100 in 3,9 Sekunden. Damit sorgt der X-Bow für die Überraschung an jeder Ampel. Porsche 911 gegen KTM? Der X-Bow liegt vorn – er wiegt ja nicht mal die Hälfte. Und auch mit Rennfahrerin Catharina Felser auf dem Beifahrersitz bleibt das so. Per Handzeichen signalisiert die 25-jährige Jura-Studentin: Gangwechsel, Bremsen, Lenkeinschlag. Wer nicht hört, landet im Drift. Der nackte Wahnsinn.

Fazit von AUTO BILD -Redakteurin Margret Hucko

Kein Dach über dem Kopf, kein ABS, nur Platz für den Beifahrer und üppig befeuert mit der Kraft von Audi: Der KTM X-Bow ist kein Motorrad, aber auch kein Auto. Er ist einfach nur geil.

Technische Daten KTM X-Bow
Motor/Hubraum Vierzylinder-Turbo/1984 cm³
Leistung 177 kW (240 PS)
Drehmoment bei U/min 310 Nm/2000
0–100 km/h 3,9 s
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Leergewicht 790 790 kg
Länge/Breite/Höhe 3738/1900/1205 mm
Verbrauch – CO2 7,8 l Super plus – 185 g/km
Preis ab 54.562 Euro
Plus: Leichtbau, geringer Spritverbrauch, guter Fahrkomfort, direkte Lenkung, Spritverbrauch, guter Fahrkomfort, direkte Lenkung
Minus: keine elektronischen Fahrhilfen, hoher Preis, Sitze nicht verstellbar
Note: 2+
Konkurrenten: Caterham Seven CSR 200, 148 kW/200 PS, 56.600 Euro und Ariel Atom, 221 kW/300 PS, 56.000 Euro


Autor: Margret Hucko

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