Fahrbericht Lamborghini Gallardo Spyder

Lamborghini Gallardo Spyder Lamborghini Gallardo Spyder

Fahrbericht Lamborghini Gallardo Spyder

— 26.01.2006

Miami Blau

"Celeste Phoebe" heißt eine von zwei Sonderfarben für den neuen Gallardo Spyder, der im März 2006 auf den Markt rollt. AUTO BILD SPORTSCARS cruiste mit ihm schon mal vorab auf den Spuren von Sonny Crockett durch das berühmte Art-déco-Viertel von Miami Beach.

Da staunen die Reichen und Schönen

Der Typ in seinem neuen Pontiac GTO läßt nicht locker. Immer wieder gibt er auffordernd Gas, läßt kurz die Hinterräder seines schwarzen 400-PS-Amis durchdrehen, beschleunigt, bremst ab. Auf dem Biscayne Boulevard in Downtown Miami wird sein dumpfes V8-Wummern von den Bankenhochhäusern zurückgeworfen. Es ist Sonntag morgen, ausnahmsweise ist keine Polizei unterwegs, und die Aufforderung zum Sprintduell auf dem Weg ins berühmte Art-déco-Viertel von Miami Beach ist eindeutig.

Sorry, aber wir haben das nicht nötig. Illegale Beschleunigungsrennen mit Typen, deren Intelligenzquotient nicht annähernd an ein Viertel der PS-Leistung ihrer Autos herankommt, sind nicht unsere Sache. Und: Wer wie wir 520 PS aus zehn Zylindern, Allradantrieb und Racing-Sound vom Allerfeinsten zur Verfügung hat, muß wirklich nicht beweisen, daß er schnell sein kann. Wir genießen lieber – beim Flanieren – die staunenden Gesichter der Reichen und Schönen sowie derjenigen, die sich dafür halten.

Denn genau die sind es, die hier in Miamis Edelhotels, in Miami Beach oder auf der vorgelagerten Fisher Island sowie Key Biscayne residieren. Kein Problem, am Ocean Drive innerhalb einer Stunde Ferrari Enzo, Aston Martin DB9, Rolls-Royce Phantom, einige Lamborghini Gallardo, Ferrari 360, Bentley Continental GT sowie massenhaft Mercedes-Benz CLS, Porsche 911 und Corvette zu sichten. Unser Auto allerdings kennt der Geldadel noch nicht: Es ist der Gallardo Spyder, die offene Version von Lamborghinis Kleinem.

Auch offen schafft er über 300 km/h

Der wird erst ab März 2006 verkauft und wirbt während der ersten Presse-Testfahrten für sich schon mal in einem der wichtigsten Lamborghini-Märkte, in Florida. Und zwar in zartem Babyblau, das in der nuancenreichen Lamborghini-Sprache "Celeste Phoebe" heißt – die Dollar-Gesellschaft ist nachhaltig entzückt. Die Technik des 520-PS-Boliden entspricht der des Gallardo SE. Neu dagegen ist, daß der Stier jetzt auch ohne Dach geritten werden kann. Während beim großen Bruder Murciélago Roadster das Dach nichts anderes als ein Notverdeck gegen Regen darstellt und nur bis etwa 120 km/h sinnvoll ist, dient die Gallardo-Haube als vollwertiges Softtop.

314 km/h hält es aus, offen soll der Gallardo immerhin noch 307 km/h schnell sein. Die vollautomatische Oben-ohne-Show beginnt mit einem Tastendruck auf der Mittelkonsole. Das Auto muß dazu stehen. Zunächst schiebt sich die große Kohlefaser-Motorhaube nach hinten, dann klappt sie – hinten angeschlagen – nach oben. Das Dach entriegelt sich am Scheibenrahmen und faltet sich hinter den Insassen zusammen. Währenddessen fährt die Heckscheibe herunter. Schließlich klappt die Motorhaube wieder zu. Nach etwa 23 Sekunden sitzt man im Freien.

Zwar tief, aber schön weit hinter der sehr flachstehenden Frontscheibe, so daß tatsächlich echtes Cabrio-Feeling aufkommt. Wer will, kann die Heckscheibe auch wieder per Druck auf einen Knopf, der in die Klimaanlageneinheit integriert ist, hochfahren (nervig: Jedesmal, wenn die Taste für die Heckscheibe bedient wird, schaltet sich sofort die Klimaanlage ein). Das Glas hinter den Kopfstützen sieht dann zwar aus wie ein Windschott, stört aber die herrlichen Luftwirbel nicht, die das Cabriofahren so cool machen.

Technische Daten, Fahrleistungen und Preis

Sinnvoll dagegen ist es, bei regnerischem und warmem Wetter das Verdeck zu schließen, aber die Heckscheibe herunterzufahren. Schließen läßt sich das Dach übrigens durch Druck auf einen zweiten Knopf. Damit alles reibungslos klappt, bekam der sowieso schon mit Elektronik vollgestopfte Gallardo mit automatischem Getriebe weitere sechs Hydraulikzylinder, zwei elektrische Stellglieder, eine elektrische Pumpe und einen Elektromotor (sowie natürlich die elektronische Dach-Steuerung). Strukturell erhielt der Spyder im Vergleich zum Coupé stärkere Schweller und A-Säulen. Im Falle eines Überschlags fahren hinter den Sitzen zwei Überrollbügel aus.

Ist das Softtop gefaltet, kann man jedoch nicht mehr stolz den schönen Zehnzylinder präsentieren, da das Verdeck über einem Teil des Motors liegt. Mit seinen ganzen Verstärkungen und Zusatzmotörchen wiegt der Spyder 1570 Kilo, das sind immerhin 140 Kilo mehr als beim Coupé (Werksangaben). Dennoch soll er in 4,3 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, was auch nur 0,3 Sekunden mehr sind als beim Festdach-Pendant. Und: Durch die Dachkonstruktion ist der Spyder 19 Millimeter höher.

Preislich ist der Unterschied ebenfalls vernachlässigbar: 167.620 Euro (inkl. MwSt.) verlangt Lamborghini für den Spyder, das sind nur 3000 Euro mehr als beim Gallardo SE. Übrigens: Während wir lässig in den McArthur Causeway Richtung Miami Beach abbiegen, verschwindet das Pontiac-Sonderangebot namens GTO (33.000 Dollar) unverrichteter Dinge in Richtung Miamis Norden. Vielleicht überlegt der Fahrer gerade, ob er sich noch mal mit einem richtigen Auto anlegen sollte ...

Technische Daten: V10, längs vor der Hinterachse • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 4961 cm³ • Leistung 382 kW (520 PS) bei 8000/min • max. Drehmoment 510 Nm bei 4250/min • Allradantrieb • automatisiertes Sechsganggetriebe • Dreieckquerlenker rundum • rundum Scheibenbremsen • Reifen 235/35 ZR 19 vorn, 295/30 ZR 19 hinten • Länge/Breite/Höhe 4300/1900/1184 mm • Radstand 2560 mm • Leergewicht 1570 kg • Tankinhalt 90 l • Beschleunigung 0–100 km/h in 4,3 s • Höchstgeschwindigkeit 307 km/h offen, 314 geschlossen • Preis: 167.620 Euro

Autor: Roland Löwisch

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.