Fahrbericht Lancia Musa

Fahrbericht Lancia Musa Fahrbericht Lancia Musa

Fahrbericht Lancia Musa

— 05.07.2004

Bella Meriva aus Italia

Schönheit kostet, auch bei Minivans: Der Musa ist ein mobiles Accessoire für Stilbewusste – zu einem exklusiven Preis.

Die Gucci-Handtasche unter den Mini-Vans

Musa. Hören Sie das? Muuussaaa. Da steckt doch schon im Namen Musik. Bei uns werden solche kleinen Zauberwürfel nordisch unterkühlt A-Klasse oder auch A2 getauft. Das macht halt den Unterschied. Italiens Nationalkicker heißen Antonio Cassano oder Allessandro del Piero. Unsere Ziege oder Schweinsteiger. Zugegeben, die Italiener sind auch ausgeschieden. Aber der Klang ...

Nun gut. In der Vergangenheit klang bei Lancia schon so manches toll und enttäuschte doch. Was ist er also, dieser Muuusaaa? Die Gucci-Handtasche unter den Mini-Vans, sagt Lancia. Die Konfektionsgröße (Länge 3,99 m, Breite 1,70 m, Höhe 1,69 m) verrät seine technische Nähe zum bodenständigen Bruder von Fiat. 72 Prozent der Teile sind mit denen des Idea identisch. Alles, was Musa untendrunter trägt – Fahrwerk, Getriebe, Motoren –, stammt von ihm, wurde aber für Lancias Nobelbaby neu konfektioniert.

Es ist vor allem das elegante Kleid, mit dem Musa auf der Shopping-Liste junger Besserverdiener einen Parkplatz finden will. Front und Heck im neuen Lancia-Stil, nicht so verspielt wie beim Frauenversteher Ypsilon, signalisieren: Hey, seht her, ich bin was Besonderes! Drinnen ist der Musa quasi ein Ypsilon mit 'ner Extraportion Luft über der Frisur. Das Raumgefühl ist klasse, der Tragekomfort auf gemütlichen Sitzen italienisch-leger, die Variabilität auf Klassenniveau. Die hinteren Sitze lassen sich getrennt oder komplett umlegen, einzeln verschieben, die Lehnen in der Neigung verstellen. Sogar die Rückenteile der vorderen Sessel klappen bei Bedarf nach vorn um. Und – ganz entscheidend, wenn man sich neu einkleidet – im Musa fühlst du dich wohl.

Etwas mehr Bügelstärke fürs Fahrwerk

Schon die Grundversion Oro (Gold) hat das Sympathie-Gen ab Werk, und die luxuriöse Platino-Variante (Platin) lässt dann kaum mehr Zweifel, dass dieser Edel-Mini eher Pommeroy als Pampers laden wird. Das können sie halt, die Italiener. Bei Stoffen, Farbkombinationen und Formen sind sie stark. Bei der Sorgfalt im Detail allerdings wieder zu nachlässig. Jedenfalls bei unseren Vorserien-Testwagen.

Mit teilweise schlecht entgrateten und ungenau eingepassten Kunststoffteilen sollte der Musa ab 16. Oktober lieber nicht auf dem deutschen Laufsteg antreten. Dann gibt's Watschen. Erst von uns Testern, dann von den Kunden. Also gleich nachbessern. Wenn möglich, dabei auch dem Fahrwerk etwas mehr Bügelstärke verpassen. Denn wer es gerne straff und knackig mag, hat mit dem Musa die falsche Kollektion erwischt.

Er ist durch und durch ein Schmeichler mit hohem Komfort und niedrigem Geräuschniveau. Für mein Gefühl haben Federn und Dämpfer aber zu viel Weichspüler abbekommen. Von der Agilität eines Opel Meriva ist er deshalb weit entfernt. Auch die elektrische Lenkung fühlt sich zu distanziert an. So jedenfalls rollt der Musa irgendwie recht unbeteiligt über die Straßen.

Motorvarianten, Fahrleistungen und Preise

"Der Musa soll mit Muße gefahren werden", verteidigt Lancias Entwicklungschef Nevio di Gusto diese Abstimmung – und auch den Verzicht auf ein serienmäßiges ESP. Das gibt's nur als Extra für 500 Euro. Anscheinend fürchteten die Italiener, der Musa könnte preislich noch mehr abheben. Mit dem 95-PS-Benziner, dem es merklich an Durchzugskraft mangelt, startet der Lancia bei rund 17.000 Euro – und ist damit bereits teurer als der teuerste Opel Meriva.

Viel besser zum Musa passt der 1.3-Multijet-Diesel (70 PS, rund 17.500 Euro). Gerade beim Herausbeschleunigen im hohen Gang hat er mehr Mumm als der schwachbrüstige Benziner. Noch mal etwa 1000 Euro mehr kostet der 1.9 Multijet mit 100 PS. Ein schön kräftiger Diesel, der zwar schwer auf der Vorderachse lastet, aber mit dem Musa leichtes Spiel hat und endlich die erwartete Musik macht. Aber passt das rollende Gucci-Täschchen zur aktuellen Geizwelle? Hohe Preise können selbst dem schönsten Namen schaden.

Autor: Tomas Hirschberger

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