Fahrbericht Lexus IS 250C

Fahrbericht Lexus IS 250C

— 29.06.2009

Einfach laufen lassen

Lexus lässt am 3. Juli 2009 sein viersitzes Cabrio aus dem Stall - den IS 250C. Frische Luft und üppige Ausstattung gibt es dann ab 49.650 Euro. Das ist fair. Doch der Japaner wird es in Europa trotzdem schwer haben.

Unter all den Güteklasse-A-Autobauern gilt Lexus gemeinhin als besonderer Streber. Alles, was die noble Toyota-Tochter macht, macht sie richtig. Top-Qualität, hohe Zuverlässigkeit, reife Hybrid-Technik. Nur zum Thema Fahrfreude haben die Japaner bislang nicht wirklich Bewegenes beigetragen. Das soll sich jetzt – sie ahnen es schon – grundlegend ändern. Mit dem IS 250C steht ab dem 3. Juli 2009 Lexus' erstes viersitziges Cabrio beim Händler. Und bei dem von oben luftgekühlten Asiaten soll die gute Laune quasi auf Knopfdruck aus dem Verdeckkasten springen. Optisch ist der 4,63 lange Ableger der IS-Limousine gar nicht mal übel. Mit der Tendenz zu: ja, kann man machen. Geschlossen legt sich das dreiteilige Alu-Hardtop formal einwandfrei über den Innenraum, ein Coupé mit durchaus eleganten Linien.

Massiges Heck, riesige Türen, Badewannen-Feeling

Um gemütlich am Hafen entlang zu cruisen, ist der Lexus perfekt ausgelegt. Knackigen Fahrspaß bietet der Japaner jedoch nicht.

Offen – wir drücken jetzt kräftig 20 Sekunden lang auf den Spaßknopf – entblättert sich der Japaner zu einem Cabrio, das eben so aussieht, wie Cabrios aussehen, die ihre sperrigen Dachteile hinten im Rucksack verstauen müssen. Das Heck ist recht massig und baut hoch. Nicht so schlimm, wie bei den ersten Burschen dieser Zunft, aber es türmt sich da immer noch ein stattlicher Blechhügel auf. Man fühlt sich drinnen irgendwie wie in einer Badewanne. Die  Sicht nach hinten ist echt bescheiden. Nahezu jedes Blechteil, sagt Lexus, habe man angefasst, um aus der Limousine ein schniekes Cabrio-Coupé zu zaubern, ein Zwei-in-eins-Auto. Dabei sind dann auch die Türen richtige Klopper geworden, rund 30 Zentimeter länger als beim Viertürer. In engen Parklücken eine Zumutung. Ach ja, und als der Luftikus dann fertig war, haben die Genies offenbar festgestellt, dass sie die Antenne vergessen haben. Die sitzt nun, wie nachträglich aufgepflanzt, mittig auf dem hinten Kotflügel. Was bitte soll das denn?

Der Kofferraum schluckt bescheidene 165 bis 420 Liter

In 20 Sekunden öffnet oder schließt sich das Alu-Dach, das von 15 Elektromotoren angetrieben wird.

Wo wir schon über unglückliche Zufälle sprechen: Der Kofferraum ist natürlich auch nicht gerade der Hit. Wenn das Dach Ausgang hat, nimmt unser Cabrio-Freund 420 Liter mit. Offen bleiben hinter dem zusammengefalteten Blechstapel gerade noch 165 Literchen – also eher ein Hauch von garnix. Technisch lässt sich mal wieder überhaupt nichts meckern. Da bleiben die Jungs ihrer Linie treu. 15 Elektromotoren begleiten das Hardtop elegant und schnell in den Kofferraum (geht nur im Stand),  die Verarbeitung ist bis auf das spürbare Karosseriezittern im Lenkrad topp, die Ausstattung von edler Großzügigkeit. Wer hinten einsteigt, drückt auf ein Knöpfchen am Vordersitz, der kulant nach vorne surrt und den Weg frei gibt. Was den Hinterbänkler dort erwartet ist allenfalls zu erdulden, hat aber wenig mit Gemütlichkeit zu tun. Dafür steht die Rückenlehne einfach zu steil, und Knie stoßen schnell an ihre Grenzen.

Einer für die Langstrecke

Gegen BMWs 3er Cabrio soll der Lexus IS 250C antreten, gegen das Mercedes CLK Cabrio und gegen den offenen Audi A5 ebenfalls. Wer den Startknopf gedrückt hat wird nach wenigen Metern feststellen, dass diese deutschen Cabrio-Kaliber, zumindest was Fahrspaß, Dynamik und Agilität angeht, in einen anderen Liga fahren. Der Japaner ist eine Offenbarung für alle, für die der Weg das Ziel ist. Ein gemütlicher Cruiser, ohne rechte Lust auf hektisches Kurvensurfen. Dafür ist er einfach zu behäbig, zu schwer (1730 Kilo), ja, auch zu lustlos. Der seidenweiche 2,5 Liter V6 versteckt seine 208 PS so geschickt, dass man ihm glatt auch eine Leistung von 150 Pferdchen abnehmen würde. Okay, das ist etwas gemein. Denn der Sechszylinder spielt sich das Drehmoment mit der komplett ruckfreien Sechsgang-Automatik wirklich auf höchstem Niveau und extrem leise hin und her. Das hat schon Klasse. Spaß definiert der hauptsächlich für den US-Markt komponierte IS 250C eben anders. Reinsetzen, Wählhebel auf D und einfach mal laufen lassen. Wenn es sein muss von Hamburg bis nach Nizza in einem Rutsch. Was da die Schaltwippen nach Schumacherart am Lenkrad sollen, weiß wohl nur die Marketingabteilung der Luxusmarke.

In Europa wird es der luftige Japaner schwer haben

AUTO BILD-Redakteur Tomas Hirschberger gefällt die Verarbeitung des IS 250C. In Sachen Dynamik überzeugt der Japaner nicht.

Mit 49.650 Euro geht der luftige Lexus an den Start, üppig ausgestattet und in acht Farben zu bestellen. 3700 Euro mehr kostet die Luxury-Version, für weitere 3500 Euro gibt es ein Technik-Paket, das unter anderem ein Pre-Crash-System enthält. Hört sich viel an. Und ist es natürlich auch. Ein vergleichbares BMW 325i Cabrio kostet allerdings noch mal rund 10.000 Euro mehr. Dass der IS 250C jenseits des großen Teiches der große Renner wird, daran glaubt selbst Lexus nicht. Bescheidene 2000 Stück sollen pro Jahr verkauft werden. In ganz Europa.

Autor: Tomas Hirschberger

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.