Fahrbericht Manthey M700

Manthey M700 Manthey M700

Fahrbericht Manthey M700

— 17.03.2005

Der Ritt auf der Kanonenkugel

Höllisch laut, tierisch schnell, überraschend komfortabel: der Manthey M700 mit 685 PS und 800 Nm. Ein Erlebnis-Bericht.

Von null auf 200 in 9,3 Sekunden

"Solange er kalt ist, nicht so hoch drehen!" Oder: "Vorsicht mit dem Getriebe!" Oder: "Um Himmels willen, nein!" Haben wir alles schon gehört. Ist ja irgendwie auch verständlich. Seine besten Stücke gibt keiner mal so eben her, ein paar Ermahnungen können nie schaden. Manche machen sogar eine kleine Zeremonie aus der Schlüsselübergabe. Nicht so Olaf Manthey. "Aufpassen, wenn der Schub kommt", raunt er mir eher beiläufig zu, als ich in den M700 steige. Sonst nichts. Na gut, hätte ich sowieso gemacht. Das Problem ist nur: Der Schub kommt sofort.

Schon unmittelbar nach dem Einkuppeln geht die Post dermaßen ab, daß in den unteren Gängen schlicht keine Zeit bleibt, ihn auch nur ansatzweise zu genießen. Ein Schaltvorgang jagt den nächsten, was dank der ebenso exakt wie butterweich funktionierenden Schaltwegverkürzung ganz locker von der Hand geht. So richtig Freude kommt erst ab dem vierten Gang auf, allerdings auch erst nach einer gewissen Gewöhnungsphase. Und die dauert länger als sonst. Grund: Was hier unter dem Pedal steckt, erlebt man normal gar nicht. Denn der richtige Schub (der, den Manthey eigentlich meinte) kommt erst in der Gegend von 4500 Touren – und dann scheinen die bislang bekannten Grenzen der Physik in eine vierte Dimension zu rücken.

685 PS und 800 Newtonmeter produzieren eine Beschleunigung von null auf 200 (!) in 9,3 Sekunden und dabei ein Gefühl, das sich am ehesten mit dem ersten Sprung vom Zehnmeterbrett vergleichen läßt. Erst nach der zehnten, vielleicht auch zwölften Beschleunigung löst sich jener Knoten in der Magengrube, der sich bei Normalsterblichen stets bildet, wenn der Zuwachs an Fallgeschwindigkeit höher ist, als man sich das jemals vorstellen konnte. Man könnte es auch Angst nennen ...

Geräuschpegel für Hardcore-Masochisten

Für völlig neue Empfindungen sorgt der M700 auch mit seiner Akustik: Die Bandbreite seiner Klangfarben reicht von vergnügtem Glucksen über obszönes Brüllen bis hin zu bösem Fauchen – und zeitweise überlagert sich alles in einer Art und Weise, daß es einem heiß und kalt über den Rücken läuft. Einziges Manko für die Ohren: Die mit metallischen Verbindungen bestückten Cup-Schaltzüge übertragen sämtliche Getriebegeräusche ungefiltert in den Innenraum, was ein gnadenloses Gerassel und den permanenten, aber gottlob unbegründeten Verdacht eines Getriebeschadens nach sich zieht. Wer so was mag, muß entweder Rennfahrer oder Hardcore-Masochist sein, am besten sogar beides.

Ansonsten gibt sich der M700 überraschend komfortabel. Sind die Dämpfer auf Straßenbetrieb eingestellt, rollt das starke Stück geradezu geschmeidig durch die Lande, läßt sich ebenso spielerisch wie präzise lenken und federt selbst grobe Stöße in lässiger Manier ab. Dieser Komfort war Olaf Manthey ganz besonders wichtig: "Schließlich soll ja auch mal die Frau mitfahren." Na ja, es kommt schon etwas auf die Frau an, aber immerhin – er hat dran gedacht.

Technische Daten Manthey M700 • Sechszylinder-Boxermotor, hinten längs eingebaut • zwei Turbolader, zwei Ladeluftkühler • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 3600 cm³ • Leistung 504 kW (685 PS) bei 6300/min • max. Drehmoment 800 Nm bei 5340/min • Allradantrieb • Sechsganggetriebe • Einzelradaufhängung, vorn McPherson-Federbeine, Querlenker; hinten Quer- und Längslenker • Sperrdifferential 65% • rundum innenbelüftete Scheibenbremsen • Räder 11 x 18 J vorn, 13 x 18 J hinten • Reifen 235/40 ZR 18 vorn, 285/30 18 hinten • Leergewicht 1457 kg • 100 km/h in 3,9 s • Höchstgeschwindigkeit 340 km/h (abgeregelt) • Preis 249.500 Euro

Kontakt Manthey Motors, Telefon 02691/ 93 37 37, www.manthey-motors.de

Autor: Hermann J. Müller

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