Fahrbericht Mazda MX-5

Mazda MX-5 Mazda MX-5

Fahrbericht Mazda MX-5

— 27.06.2005

Mazdas Sonnyboy

AUTO BILD Redakteur Michael Specht hat seine Jugendliebe wiederentdeckt und festgestellt: Der neue MX-5 ist ganz der alte.

Sofort ist dieses Kribbeln wieder da

Ja, ich gebe zu, wir hatten mal was miteinander. 13 Jahre ist das nun her. Keine wirkliche Liebe, mehr so eine Affäre. Normalerweise vergucke ich mich eher selten in japanische Autos. Aber der hier, der war irgendwie anders, der Mazda MX-5 war etwas Besonderes. Eine heiße Braut für coole Sommertage. Schon wie er dastand: kompakt, puristisch, Britisch Racing Green, beiges Leder, Nardi-Lenkrad...

Einen Jahrhundertsommer lang (1992) lebten wir beide unter freiem Himmel, hatten eine stürmische Beziehung. Sonne und Wind von oben, kurviger, heißer Asphalt von unten. Dann kam die Trennung. Aus wirtschaftlichen Gründen. Die Leidenschaft aber blieb. Sie wuchs sogar noch, als 1998 der Nachfolger kam. Schöner, besser und immer noch ein sehr fahraktiver Roadster im klassischen Sinn. Mazda hatte verstanden. Ich hoffe auch diesmal. Denn jetzt wartet auf mich Generation Nummer drei. Der ganz neue MX-5.

Ganz kurz hatten wir uns bereits im März auf dem Genfer Autosalon kennengelernt. Berühren, Probesitzen – mehr aber nicht. Aber sofort war es wieder da, dieses Kribbeln. Ich spürte: Da haben die wieder das richtige Näschen gehabt. Genau so mußte ein MX-5-Nachfolger aussehen. Nicht viel größer, nicht fetter, nur etwas moderner. 320 Entwürfe wurden von den Studios in Hiroshima, Frankfurt und Kalifornien gemacht. Dieser hier hat gewonnen. Doch fährt er auch so kultig, wie er aussieht? Schon nach den ersten Kilometern steht fest: Ja! Jaaa! Jaaaaaaaaaa!

Keine Angst vor dem Gaspedal

Ich bin wieder verknallt. Wie konnte das passieren? Na ja, ganz einfach: Der neue MX-5 kann alles besser. Er ist fester, steifer, solider. Grundvoraussetzung für ein direktes Fahrgefühl – und davon bietet der MX-5 reichlich. Wie kein anderer zeigt er, daß man für die Lust hinterm Lenkrad keine Sechs- oder Achtzylinder braucht. Sein Vierzylinder hat 160 PS – und die reichen dicke. Da der Neue nur zehn Kilo mehr wiegt (1130 kg) als sein Vorgänger, ist er so putzmunter wie nie zuvor. Eines allerdings vorausgesetzt: Der rechte Fuß darf sich nicht scheuen, das Gaspedal zu treten.

Denn erst bei 6700 Umdrehungen liefert der Alu-Zweiliter seine Bestmarke ab. Zum Glück ohne brummig oder nervig laut zu werden. Seinen charakteristischen Sound hat meine kleine Windmaschine behalten. Beim Blick aufs Drehmoment kommen mir Zweifel: 188 Nm bei 5000/min. Viel Drehzahl – was andeutet, daß dem Roadster untenrum etwas Mumm fehlen könnte. Ist aber nicht so. Auch unter 2000/min nimmt der Motor willig Gas an, denn ab 2500 Touren stehen bereits 90 Prozent des Maximalwertes zur Verfügung.

Wer mehr will, muß schalten. Und das macht – wie schon beim Vorgänger – einen Riesenspaß. Beim neuen MX-5 gehen die Gangwechsel sogar noch eine Spur flotter von der Hand. Zusammen mit der direkten Lenkung und dem straffen Fahrwerk lauert man geradezu auf die nächste Kurve. Das liegt letztlich auch an der besseren Sitzposition. Überhaupt ist meine Jugendliebe drinnen deutlich erwachsener geworden. Das Design des Cockpits edler, die Haptik, also wie sich alles anfühlt, angenehmer.

Technische Daten und Preis

Geblieben ist die grenzenlose Freiheit. Kaum ein Verdeck, das sich so leicht, so schnell öffnen und zurückklappen läßt wie dieses. Per Einhandbedienung (Zentralverschluß) dauert's fünf Sekunden. Gut, daß sich Mazda erneut gegen eine elektrische Mütze entschieden hat. So bleibt der MX-5 ein einfacher Roadster. Einfach gut. Von der fummeligen Persenning haben sich die Japaner endlich verabschiedet. Der vordere Teil des Stoffdachs bildet nun einen glatten Deckel. Gut so.

Zum ursprünglichen Roadster-Feeling vergangener Tage bietet Mazda Sicherheit von heute: Vier Airbags sind genauso an Bord wie erstmals ein ESP, das sehr sportlich abgestimmt ist und einen weiten Grenzbereich zuläßt, bevor es eingreift. Wer gern driftet, wird das lieben. Andererseits ist der MX-5 auch ein Stück vernünftiger geworden. So passen in den Kofferraum nun auch hohe Wasserkisten mit 1,5-Liter-Flaschen. Doch egal ob auf die Nordschleife oder zum Supermarkt, bis zum November müssen sich MX-5-Fans noch gedulden.

Selbst dann wird Mazda noch nicht mit dem 126-PS-Grundmodell für zirka 21.000 Euro starten, sondern mit dem Zweiliter als Special Edition. Diese auf 500 Stück limitierte Version kommt unter anderem mit Leder, speziellen 17-Zoll-Rädern, verchromtem Scheibenrahmen und Bose-Soundsystem für rund 29.000 Euro. Sicherlich ein faires Angebot, aber mir für eine kurze Affäre zu teuer. Ich warte lieber, bis Anfang 2006 der "kleine" MX-5 kommt. Mal sehen, vielleicht geht da ja wieder was zwischen uns beiden ...

Technische Daten: Vierzylinder-Reihenmotor • vorn längs eingebaut • vier Ventile pro Zylinder • 1999 cm³ • Leistung 118 kW (160 PS) bei 6700/min • maximales Drehmoment 188 Nm bei 5000/min • Sechsganggetriebe • Hinterradantrieb • vorn und hinten Einzelradaufhängung • rundum Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • ABS • ESP • Reifen 205/45 R 17 • Tankinhalt 50 l • Kofferraumvolumen 150 l • Länge 3995 mm, Breite 1720 mm, Höhe 1245 mm• Leergewicht 1130 kg • Verbrauchsmix 8,2 l/100 km • Abgas Euro 4 • 0–100 km/h in 7,9 s • Höchstgeschwindigkeit 210 km/h • Preis: ca. 26.000 Euro

Autor: Michael Specht

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