Fahrbericht Mazda Sassou

Fahrbericht Mazda Sassou Fahrbericht Mazda Sassou

Fahrbericht Mazda Sassou

— 01.11.2005

Mazda zoomt in die Zukunft

Mit dem Sassou geben die Japaner einen Hinweis auf den nächsten Mazda2. AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko entführte die Studie auf die Straße.

Blasses, blutleeres Auto in Polo-Größe

Es mußte kommen, das war klar. Irgendwann, so im Alter von 60, vermutete ich. Daß der Gedanke mich schon heute überfällt, überrascht mich böse wie ein Taschendieb: "Margret, du bist zu alt", sagt der Gedanke. Mit 30 Jahren zu alt für eine Kleinwagen-Studie von Mazda, die auf junge Menschen zielt.

Damit das klar ist: Den Hersteller trifft keine Schuld. Ich bin es selbst gewesen, die sich gedanklich ins Abseits bugsierte. Weil ich weiterhin Disketten nutze statt USB-Sticks, CD-Spieler, statt Musik auf einen iPod zu laden. Jetzt stehe ich vor dem Sassou, einem Auto in Polo-Größe, das blaß aussieht, irgendwie blutleer, und bin erleichtert, daß dieser Wagen in die Zukunft zielt.

"Ich habe lange mit meinem Sohn diskutiert, wie ein Auto sein muß, das seinen Wünschen entspricht", erklärt Chefdesigner Peter Birtwhistle. Sein Sohn ist 16. Und gehört zu einer Generation, die sich mehr über Joysticks freut als über Turbolader. In zwei Jahren soll der Mazda2 abgelöst werden, durch ein Auto, das ähnlich aussieht und funktioniert wie der Sassou.

Im Cockpit färbt sich Kunststoff rot

Sassou ist ein stämmiger Kleinwagen in Keilform, der besonders Jugendlichen gefallen soll, die zum ersten Mal ein Auto kaufen. Das Heck streckt sich massiv in die Breite, nach vorn wird er spitz. Die Leuchten verschwinden hinter milchigem Glas, der bewegliche Lufteinlaß für mehr oder weniger Kühlluft ist aus grauem Kunststoff.

Das Cockpit ist hell möbliert. Es besteht aus einem transparenten Armaturenbrett, darüber ein Glasdach in Schaufenstergröße, B-Säulen fehlen ganz. Mazdas Designabteilung bezeichnet die milchigen Flächen als "Shoji"-Prinzip: Elemente, die verdecken und trotzdem enthüllen wie bei japanischen Türen aus Reispapier.

Mich erinnert der Wagen eher an einen Macintosh-Computer. Dazu paßt, daß man einen USB-Speicherstift benötigt, um alle Systeme zu aktivieren. Zum Starten des Autos drücke ich den Elektro-Stecker in die Mittelkonsole, der Motor zündet dann per Startknopf. Überall färbt sich Kunststoff rot, so, als wäre Wein ausgelaufen: an den Lautsprecherboxen, am Navi-Gerät, an den Instrumenten. Der Drehzahlmesser pulsiert, und nebenan pumpt ein digitaler Tacho rote Ringe in die Atmosphäre. Ich, Computerfreak, ha! Ich strotze vor Selbstbewußtsein, das Auto läuft, und macht auf den ersten Metern einen prima handlichen Eindruck. Ausgiebig fahren kann ich leider nicht, weil so ein Schaustück nicht wirklich fürs Testen gemacht ist. Immerhin: Der 3,89- Meter-Mini ist übersichtlich, bedienungsfreundlich.

Statt Leder gibt's weißen T-Shirt-Stoff

Der USB-Stick funktioniert wie ein gewöhnlicher Zündschlüssel. Mit dem Unterschied, daß er sich mehr merken kann. Zum Beispiel weiß er meine Sitzposition, den direkten Weg zum Restaurant und spielt meine Lieblings-CD. Mein Gefühl, diesem Auto nicht gewachsen zu sein, weicht dem Empfinden, in einem besonders innovativen Kleinwagen zu sitzen. Im Fond herrscht voluminöse Leere. Nur eine freundliche Rückbank empfängt einen oder zwei Passagiere und paßt die Zahl der Sitze auf Knopfdruck an. Kompressorgeräusch: leises Pfeifen, pfffff. Nacken- und Seitenwülste blasen sich auf, pärchenweise oder einfach in der Mitte.

Statt gediegener Lederbezüge wählte Mazda einen weißen T-Shirt-Stoff. "Leder und Alu können sich die wenigsten in der Klasse leisten", sagt Birtwhistle. Deshalb verwendeten die Designer günstige Materialien, die modern, aber nicht billig wirken.

In die Studie baute Mazda einen direkteinspritzenden Dreizylinder-Benziner ein, kombiniert mit einem automatisierten Schaltgetriebe. Sechs Gänge, die sich per Lenkradwippen einlegen lassen. So was baut Citroën bereits in Serien. Der Sassou ist näher, als wir denken.

Autor: Margret Hucko

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