Fahrbericht Mercedes B-Klasse

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Fahrbericht Mercedes B-Klasse

— 21.04.2005

B wie Barcelona

Am 4. Juni 2005 startet die neue B-Klasse. Kein Kompakt-Van, sondern ein Sports Tourer. Betont Mercedes auf der ersten Fahrt durch Katalonien.

Aufgeblasene A-Klasse als Sports Tourer

Besondere Autos müssen an besonderen Orten präsentiert werden, das ist bei Mercedes-Benz so üblich. Die neue A-Klasse feierte Premiere auf dem Sonnendeck eines Luxusdampfers, die M-Klasse zog es in die Wüste. Die B-Klasse darf nun in Barcelona erstmals testgefahren werden. Warum Barcelona? Die Antwort ist simpel und erwartet mich bereits in der Mercedes-Benz-Lounge des Flughafens.

Beifall, Begeisterung, Begierde, Beauty, Beach – sämtliche Wände der Lounge sind übersät mit Wörtern, die mit B beginnen. Bienvenido a Barcelona. Aha, deshalb also. Die Einstimmung auf die erste Fahrt mit dem roten B 200 Turbo wäre perfekt, wenn jetzt noch Talkfrau Bettina Böttinger zur Tür hereinkäme. Tut sie aber nicht, sie hatte wohl keine Zeit.

Ist auch besser so, denn ab jetzt gilt alle Konzentration der neuen B-Klasse. Tür auf, einsteigen, Tür zu. Neu? Nicht wirklich. Willkommen zu Hause, willkommen in der A-Klasse. Das ist nicht bös gemeint, der Hersteller hört es aber nicht gerne. "Die Technik ist hundert Prozent mit der A-Klasse identisch", bestätigt Produktionsvorstand Hans-Heinrich Weingarten. Aber der Rest sei nun mal ein kompakter Sports Tourer, und der finde seinen großen Bruder in der künftigen R-Klasse.

Schwache Basis, starker Turbo

Ich finde mich jedenfalls bestens zurecht, drehe am eigentümlich gestalteten Schlüssel und wecke damit 193 blutjunge Pferde aus ihrem Mittagsschlaf. Keine Frage, daß die turbogeladene Topmotorisierung mit 1370 Kilo Leergewicht leichtes Spiel hat und das Testfahrzeug den Titel Sports Tourer zu Recht trägt. Ein Vergleich mit der nur 95 PS starken Basis-Version bleibt aber abzuwarten: Vorsichtshalber kündigen die Stuttgarter die B-Basis erst fürs vierte Quartal 2005 an.

Mit Unterstützung der stufenlosen Autotronic geht es ins Herz von Katalonien. Erster Stop in Garraf, die Sonne scheint durchs Panorama-Glasdach. Warme 22 Grad im April, Feierabend-Hektik auf belebten Straßen – doch die Fußgänger schenken der B-Klasse keine Beachtung, halten sie offensichtlich für eine A-Klasse. Kein Problem für Mercedes, der Neue soll elegant sein und nicht protzig. Aber ein bißchen Aufmerksamkeit hätte ich mir schon gewünscht.

Die gibt es dann aber reichlich von Obstverkäufer Fernando, der sein mobiles Geschäft an der Landstraße nach Vilafranca betreibt. Ausgesprochen wird er übrigens "Bernando" – hat ihn auch die B-Mania gepackt? Das Kofferraumvolumen (544 bis 2245 Liter) mißt er mit einer Kiste aus – in der liegen, kaum zu glauben, Bananen. Da sind sie wieder, die Bs dieser Welt. Hätte Bernando mir statt eines Apfels für die Weiterfahrt eine Birne geschält, wäre die Berieselung perfekt. Aber vielleicht arbeitet die Mercedes-Presseabteilung ja schon dran.

B ist klasse, aber nicht gerade billig

Weiter geht es über kurvige Landstraßen durch malerische Weinfelder. Neben traditionellem Weißwein und Cava wird in Katalonien seit den 60er Jahren auch Rotwein angebaut. Schreibt jedenfalls der Mercedes-Reiseführer. Wo Wein ist, sind Klöster nicht weit: Die Straße der Zisterzienser führt an der Abtei Santes Creus vorbei, und ich schalte den Sportmodus der Automatik ab. Trotz des guten Handlings dank elektromechanischer Parameterlenkung – wo sind die Bs? – soll die B-Klasse hier lieber touren statt rasen. Sports Tourer, hier nutzen wir mal den zweiten Teil.

Das danken auch die Mägen etwaiger Fond-Passagiere in den Serpentinen. Aber sonst haben die Gäste nichts zu meckern: Beinfreiheit auf S-Klasse-Niveau hat Mercedes versprochen. Und 84 Zentimeter Raum zwischen Vorder- und Hintermann spendiert. Wahrhaft fürstlich und mit Worten kaum zu beschreiben. Für sperriges Gepäck lassen sich Rücksitze und Beifahrersitz komplett entfernen, was unterm Strich gigantische 2245 Liter Stauraum bedeutet.

Goldener Sonnenuntergang über der Costa Dorada, die erste Testfahrt nähert sich dem Ende. Die B-Klasse hat bewiesen, daß ihr Raum-Konzept aufgeht. Die Fahreigenschaften verdienen den Stern, die Insassensicherheit sogar gleich fünf davon, wie der NCAP-Crashtest zeigte. Einziges Manko: der Preis von 27.840 Euro. Schon an der Basis werden mindestens 23.374 Euro für einen B 170 fällig, mit einigen Extras sind 30.000 schnell erreicht. Billig ist was anderes – obwohl es mit B beginnt.

Autor: Michael Voß

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