Mercedes-Benz CLK Cabrio

Fahrbericht Mercedes-Benz CLK Cabrio Fahrbericht Mercedes-Benz CLK Cabrio

Fahrbericht Mercedes-Benz CLK Cabrio

— 24.03.2003

Perfekt aufgemacht

Offen gestanden: Mit dem neuen Cabrio vom CLK hat sich Mercedes-Benz selbst übertroffen. Der luftige Viersitzer kann alles besser als sein Vorgänger – ohne dabei an Perfektion zu ersticken.

Sie können nicht anders. Die Mercedes-Leute – es müssen die von der alten Schule sein – sind Perfektionisten. Also haben sie nicht einfach ein neues CLK-Cabrio gebaut, sondern ein viersitziges offenes Auto, das alles perfekt kann. Fast perfekt. Das Cabrio fährt mit geschlossenem Dach leiser als viele ordentlich verlötete Limousinen. Das dick gefütterte Verdeck besitzt eine rekordverdächtig große heizbare Heckscheibe aus Glas. Es öffnet elektrohydraulisch in 20 Sekunden – nahezu lautlos, versteht sich – und parkt dann fast fugenlos in der Karosserie. Hinter vorgehaltener Hand erzählen die Entwickler von Karmann, wo das Cabrio vom Band läuft, dass sie mühelos auch ein Metall-Klappverdeck à la SLK oder SL hätten entwerfen können. Das aber hätte den jetzt mit 390 Liter konkurrenzlos großen Kofferraum (Audi A4 Cabrio 315 Liter, BMW 3er Cabrio 300 Liter) erheblich verkleinert. Das sind so Sachen, an die Mercedes-Benz-Entwickler selbst bei einem Cabrio denken. Als ob es darauf ankäme.



Im Innenraum stimmt jedes Detail

So richtig haben sie ihren Perfektionstrieb dann aber im Innenraum ausgelebt. Hier stimmt einfach jedes Detail. Nach dem Einsteigen etwa werden die Sicherheitsgurte leise surrend von automatischen Gurtbringern gereicht. Von den durchschnittlich 50 Jahre alten CLK-Cabrio-Kunden wird solch hilfreicher Service sicherlich dankend angenommen, aber auch ich (41) gebe gern zu: Man(n) kann sich dran gewöhnen. Genauso wie an die übrigen Annehmlichkeiten: Die Verdeck-Taste etwa ist doppelt belegt. Tippt man zweimal an, öffnen alle vier Seitenscheiben. Natürlich ist die Mittelarmlehne höhenverstellbar, und die wahrscheinlich in Sibirien entwickelte Sitzheizung wärmt nicht nur das Gesäß, sondern befeuert den Rücken hinauf bis zu den Schulterblättern derart, dass man so gegrillt auch am Polarkreis herumfahren kann.



Zumindest, wenn man vorn sitzt. Denn im Fond ist es grundsätzlich ungemütlicher. Auch wenn das Cabrio als Viersitzer in den Papieren steht: Erwachsene können dort nur bequem sitzen, wenn die Vorderleute mitspielen. Selbst wenn der Platz ausreicht, die zweite Reihe sollte robusteren Naturen vorbehalten sein. Der Wind schlägt dort erbarmungsloser zu als vorn. So ab Tempo 80 kommen die Frisuren heftig durcheinander, ab hundert Sachen schmerzt es dann richtig, und bei 120 habe ich Leute leise weinen gehört – mit einem Lächeln auf den Lippen...

Wohlklang unter der Haube

Vorn dagegen sitze ich wegen der schrägen Frontscheibe und der hohen Karosserie geschützt und behaglich. In der City umschmeichelt der Fahrtwind sanft den Scheitel, auf der Landstraße atme ich tief und entspannt durch, ab 120 ist dann aber auch hier der Spaß vorbei. Dann bläst der Wind heftig ins Cockpit. Aber mit einem Cabrio wollen wir ja gleiten und nicht rasen – obwohl die CLK-Motorenpalette beides erlaubt. Meistverkauftes Aggregat (rund 30 Prozent) wird bei uns der 200 Kompressor mit 163 PS sein. Darüber folgt dann der 240 V6 mit 170 PS. Weltweit am gefragtesten wird der 3,2-Liter sein, der uns unter Mallorcas praller Märzsonne schon mal Frühlingsgefühle ins Lustzentrum hauchte. Dieser V6 tritt eher zurückhaltend an und passt damit gut zum Cabrio.



Natürlich ist man mit den 218 PS nicht wirklich langsam unterwegs, die 1730 Kilo Leergewicht (80 Kilo mehr als beim Coupé) sind aber stets zu spüren. Er fällt weniger durch überschäumendes Temperament auf als durch einen warmen, schmeichelsanften Wohlklang. Und bitte, wer es darauf anlegen möchte, für den gibt es noch den Fünfliter-V8 mit 306 PS und für Sonnenanbeter, die es wirklich brauchen, den 5,5-Liter-AMG mit 367 PS.

Perfektion hat ihren Preis

Sorgen, dass das Fahrwerk damit nicht zurechtkommen könnte, muss sich niemand wirklich machen. Das Cabrio liegt so satt und zufrieden auf der Straße, dass es solche Leistungen mühelos verkraften dürfte. Zudem hat Mercedes-Benz die Karosserie auf 4,64 Meter verlängert und so aufwändig versteift, dass selbst auf üblem Geläuf nichts zittert. Und denke keiner, dass nicht auch die braven Schwaben unvernünftig sein können. So haben sie dem CLK-Cabrio zum Beispiel serienmäßig eine Mischbereifung verpasst: vorn 205/55 R 16, hinten 225/50 R 16. Auch das trägt natürlich zum ausgeprägt agilen Handling bei. Genauso typisch Mercedes sind dann aber auch wieder die Kurse, die die Stuttgarter aufrufen. War irgendwie auch klar, dass es diese fast perfekte Windmaschine nicht zum Freundschaftspreis geben würde.



Die Preisliste startet mit selbstbewussten 41.644 Euro (200 K). Zum Vergleich: Das Audi A4 Cabrio 1.8T mit ebenfalls 163 PS kostet 32.450 Euro, das BMW 320Ci Cabrio mit 170 PS gibt es ab 34.900 Euro. Kein Hindernis für die CLK-Käufer. Mercedes-Benz rechnet ab Verkaufsstart im Mai mit einem Verhältnis von Cabrio zu Coupé von etwa einem Drittel zu zwei Dritteln. Das wären dann weltweit im nächsten Jahr 30.000 Autos. Mal eben zehntausend mehr als beim Vorgänger. Wie gesagt: perfekt aufgemacht.

Serienausstattung und Extras

Wie beim Coupé können Mercedes-Kunden auch beim neuen CLK Cabriolet zwischen zwei Lines wählen: Elegance und Avantgarde. Mehr Auswahl gibt es bei den Motoren: Fünf Benziner bieten die Schwaben zur Markteinführung an.
Serienmäßig Frontairbags, Seiten-/Kopfairbags, Armauflage mit Doppelfach, Einknopfbedienung für vier Fensterheber, Einzel-Fondsitze, Gurtbringer vorn, Klimaautomatik, Multifunktionslenkrad, Cassettenradio, Tempomat, Edelholz, ESP, Sechsganggetriebe, Nebelleuchten, Regensensor, automatisch ausfahrender Überrollschutz, Elektro-Verdeck mit Fernbedienung.
Ohne Aufpreis Avantgarde statt Elegance mit Aluzierteilen statt Holz, anderen Polsterstoffen und Alufelgen.
Extras
Abstandsradar 2366 Euro, Bi-Xenonlicht 1119 Euro, Automatik 2030 Euro, Keyless-Go1183 Euro, Metalliclack 806 Euro, Parktronic 754 Euro, Lederpolster 1850 Euro, Comand-System mit Navigation und CD-Radio 2459 Euro, Fahrersitz und Lenksäule elektrisch einstellbar 875 Euro, Sitzheizung vorn 342 Euro, Skisack 174 Euro, Windschott 336 Euro.

Autor: Dirk Branke

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