Fahrbericht Mercedes-Benz CLS 350

— 13.09.2004

Auffallen um jeden Preis

Mercedes mischt die Modelle: Ein Coupé mit vier Türen fährt zwischen E- und S-Klasse. Eine neue Auto-Kategorie? Hier der erste Fahrbericht.

Mercedes CLS (2011): Offizielle Bilder von der zweiten CLS-Generation. Können wir heute noch das Auto neu erfinden? Ganz sicher nicht. Aber dennoch geben sich alle Hersteller viel Mühe, immer wieder neue Arten hervorzuzaubern. Crossover heißen diese neumodischen Dinger, die in die Höhe wachsen oder in die Länge gezogen werden oder auch gleich beides zusammen. Ob dann auch noch ein Allradantrieb darunter steckt, ist zweitrangig. Schließlich geht es nicht wirklich um ganz neue Fertigkeiten, sondern schlicht und einfach um die außergewöhnliche Form. 

Die bietet die neueste Schöpfung aus dem Hause Mercedes-Benz. Ein Coupé soll es sein – aber eins mit vier Türen. Geht das überhaupt, oder ist es nicht ein Widerspruch in sich? Begeben wir uns auf Spurensuche. Meyers Lexikon von 1925: Coupé – französisch, vierrädrige zweisitzige Kutsche mit festem Verdeck. Etwas moderner drückt sich der aktuelle Brockhaus aus: geschlossener zwei- bis viersitziger Pkw. Also: Zwei bis vier Plätze darf ein Coupé haben, und das Dach sollte auch nicht flatterhaft sein. Von Türen ist und war hier nicht die Rede. 

Somit darf dieser Mercedes-Benz getrost als Coupé gelten. Allerdings als ein ganz besonderes. Denn mit vier klassischen Türen gab es bis dato (k)eines – vom Rover P5 mal abgesehen. So fällt der CLS auf den ersten Blick mächtig auf: Das ist kein gewöhnlicher Mercedes-Benz, sondern ein echtes Designerstück. Fast so lang wie eine S-Klasse (4,91 Meter), aber viel flacher (Höhe 1,40 Meter) und hinten fast schon ein Fließheck.

Erstaunlich handlich – trotz seiner Größe

Dieses Coupé wirkt schon im Stand wuchtig, die hohe Gürtellinie mit den schmalen Seitenfenstern unterstreicht den kraftvollen Auftritt. Steigen wir ein. Das funktioniert auch nach hinten ganz prima ohne Verrenkungen. Passagiere bis 1,80 Meter dürften hier keine Platz-Probleme bekommen. Wer länger ist, muß halt den Kopf einziehen. Wer zu viert reist – und der CLS ist ein phantastisches Reiseauto –, hat Gepäck dabei. Da trifft es sich gut, daß im optisch hängenden Heck stattliche 505 Liter Volumen bereitstehen. Alles beste Voraussetzungen für eine gute Fahrt.

Starten wir also. In diesem Fall den 3,5-Liter-V6 mit 272 PS. Das ist die kleinste Version des CLS. Darüber gibt es noch den Fünfliter-V8 (306 PS) und nächstes Jahr kommt ein Kompressor-V8 von AMG mit beachtlichen 476 PS hinzu. Ruhig geht der neue Vierventiler zur Sache, die Siebengangautomatik (serienmäßig) schaltet butterweich und kaum merklich. 350 Newtonmeter Drehmoment reichen völlig aus. Der CLS geht wuchtig zur Sache, der neue V6 klingt dabei kernig-kehlig. Erstaunlich, wie handlich sich das große Coupé anfühlt. Immerhin wiegt der CLS über 1,7 Tonnen (zum Vergleich E 320 rund 200 Kilo leichter).

Das ganze Auto wirkt enorm steif, da wackelt und knistert nichts. Selbst schnelle Wechselkurven durcheilt es mit erstaunlicher Leichtigkeit, mit der direkten Lenkung habe ich es gut im Griff. Auf der Autobahn entwickelt das Coupé dann seinen ganzen Reiz. Der V6 schiebt mächtig an, der Wunsch nach mehr Leistung kommt nicht wirklich auf.

Technische Daten, Ausstattung und Preise

Das Fahrwerk – im Testwagen war die Luftfederung AIRmatic (Aufpreis) eingebaut – erzählt die gute alte Geschichte des GT. Gran Turismo – das waren einmal die eleganten Reisewagen, die uns total entspannt auf große Fahrt gehen ließen. Und genau so ein perfekter Reisebegleiter ist der CLS. Komfortabel, aber keine Schaukel. Er bietet genau das Maß an Straßenkontakt, wie wir es gern haben wollen. Und ist damit weit entfernt von den modernen Marterstühlen, die uns heute so unnötig oft ins Kreuz treten.

Über die Qualitäten des CLS gibt es keine zwei Meinungen. Er ist ein überaus gelungenes Automobil. Was dagegen die Form angeht, spaltet das Coupé die Gemüter. Die einen schwelgen voller Begeisterung, andere lehnen die ausladende Form grundweg ab. Fakt ist: Dieses Auto ist ein Statement. Wie ein sehr extravaganter Anzug. Man muß ihn halt mögen. Und bezahlen können: 54.346 Euro kostet der CLS 350 (CLS 500: 67.280 Euro). Viel Geld, aber ein fairer Preis. Mit ordentlicher Ausstattung inklusive Siebengangautomatik ist er immerhin 6154 Euro günstiger als ein handgeschalteter BMW 630i. Und auch das ist für einen Mercedes-Benz eher ungewöhnlich.

Technische Daten V-Sechszylinder • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 3498 cm³ • Leistung 272 PS bei 6000/min • max. Drehmoment 350 Nm bei 2400/min • Heckantrieb • Siebengangautomatik • Einzelradaufhängung vorn u. hinten • Kofferraumvolumen 505 Liter • Tankinhalt 80 Liter • Länge/Breite/Höhe 4913/1873/1403 mm • Reifen 245/45 R 17 • Leergewicht 1730 kg • Zuladung 465 kg • 0–100 km/h in 7,0 s • Spitze 250 km/h • Verbrauch (EU-Mix, Herstellerangabe) 10,1 l/100 km • Preis 54.346 Euro





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