Fahrbericht Mercedes-Benz SLK 350/SLK 200

Mercedes-Benz SLK 350 Mercedes-Benz SLK 350

Fahrbericht Mercedes-Benz SLK 350/SLK 200

— 13.02.2008

Mann, der macht mich an!

Mädchen-Mercedes? Von wegen! Der überarbeitete SLK ist alles andere als ein Weichei. Mit neuem V6-Motor und Direktlenkung wird er zu einem echten Sportwagen. Für Testredakteur Jörg Maltzan hat er sogar das Zeug zum Porsche-Jäger.

Auf ihn mit Gebrüll! Kaum hat der schwarze Tunnel den weißen SLK 350 verschluckt, faucht und kreischt der kleine Mercedes wie ein ganz Großer. Halleluja, ist das ein Sound! Wer braucht da noch ein Radio? Wo andere Motoren am Limit sind, orgelt der neue 350er munter weiter. Erst bei 7200 Umdrehungen ist Schluss. Eine Zahl, die bei Mercedes zu internen Diskussionen mit AMG geführt hat, weil der Haustuner solche Hochdrehzahl-Superlative für sich beansprucht. Schon naht der nächste Tunnel. Und wieder spüre ich diese kindliche Freude. Ich schalte vom Fünften in den Zweiten. Beim Einkuppeln schnellt die Drehzahlnadel auf 5000. Dann gebe ich Vollgas. Mit infernalischem Getöse schießen wir zurück ans Tageslicht. Da haben die Motoren-Männer von Mercedes ganze Arbeit geleistet. Nicht nur, weil sie dem V6 durch jede Menge Feinarbeit 33 PS mehr als bisher abpressen. Auch deshalb, weil das jetzt 305 PS starke 3,5-Liter-Triebwerk in den Einlasskanälen kleine Membranen trägt, die das Ansauggeräusch verstärken. Und nicht nur das: Eine Verdichtungserhöhung macht ihn im Teillastbereich sparsamer als seinen Vorgänger.

Von wegen Tussi: Die Karre hat Brustfell!

Im Mix verspricht Mercedes 1,1 Liter Verbrauchsvorteil pro 100 Kilometer. Ich gebe zu: Mein Testverbrauch lag eher bei 13 Litern. Denn als Versuchsstrecken hat Mercedes die gewundenen Bergstraßen der französischen Seealpen ausgesucht. Unmöglich, den Fuß ruhig zu halten. Nach jeder Serpentine trete ich kräftig aufs rechte Pedal und genieße den elastischen Motor. Beim Einlenken zeigt der modernisierte SLK eine weitere Verbesserung. Spitzkehren machen mehr Spaß, weil er spürbar zackiger als bisher dem Lenkeinschlag folgt. Das Zauberwort heißt Direktlenkung, kostet 315 Euro extra und ist für sportliche Fahrer ein Muss. Mit der spontaneren Lenkung gewinnt der SLK  deutlich an Agilität.

Wer jetzt noch von einem Mädchen-Mercedes redet, liegt falsch. Zwar ist die Frauenquote von 40 Prozent beim SLK so hoch wie in keiner anderen Benz-Baureihe, doch mit der Überarbeitung wird er zum Männerversteher: ein richtiger Roadster für echte Kerle. Wer es noch kerniger mag, lässt Weicheier-Extras wie Windschott (83 Euro), den Luftföhn "Airscarf" (470 Euro) und Automatik (2261 Euro) weg und investiert stattdessen in 18-Zoll-Räder (1696 Euro). Kein Zweifel: In Sachen Beschleunigung, Elastizität und Fahrspaß rückt der SLK 350 dem Porsche Boxster S dicht ans Blech. Aber Sportfahrer müssen nicht zwingend zum 350er greifen. Schon der SLK 200 bietet ein vergnügliches Fahrerlebnis.

Auch stark: SLK 200

Auch das Einstiegsmodell hat Mercedes überarbeitet, stärker und sparsamer gemacht. Der Kompressor-Vierzylinder leistet nun 184 PS und hängt schön spritzig am Gas. Auf kurvigen Strecken wirkt er sogar noch leichtfüßiger als der fast 100 Kilo schwerere Sechszylinder. Hauptsächlich dank längerer Hinterachsübersetzung will Mercedes auch beim kleinen Motor den Spritkonsum um einen Liter gedrosselt haben. 7,7 Liter Durchschnittsverbrauch klingen verlockend. Nur der kernige Klang des V6 fehlt ihm. Egal, Spaß macht er allemal. Für ein Cabrio fühlt sich die Karosserie sehr steif an. Das Fahrwerk ist straff, der Abrollkomfort noch angenehm. Mein Tipp an alle Sportfreunde: SLK 200 mit Sportfahrwerk (262 Euro), 17-Zoll-Rädern und Mischbereifung (333 Euro). Das reicht zum Glücklichsein. Mercedes sieht das anders und verlängert die Aufpreisliste. Darin steht das neue Multimediasystem mit HD-Farbnavigation, Ganzwort-Linguatronic, SD-Kartenschlitz, iPod- Schnittstelle und Festplatten-Register. Es bietet Speicherplatz für mehr als 22.000 Songs. Das sind 46 Tage Musik am Stück. Kostenpunkt: 4784 Euro. Ohne iPod, versteht sich. Hilfe, wo ist der nächste Tunnel?

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan

Bislang galt der Klappdachpionier SLK als milde Sorte: irgendwie zu weich, tussihaft, unmännlich. Echte Roadster haben Softtop. Das mag man so sehen. Doch Hochdrehzahl-V6 und Direktlenkung machen aus ihm eine Sportkanone. Darüber hinaus bietet er viel Alltagsnutzen. Was will man mehr? 
Mercedes SLK 350
Motor/Hubraum V6/3498 cm³
Leistung 224 kW (305 PS)
Drehmoment bei U/min 360 Nm/4900
0–100 km/h 5,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
EU-Verbrauch (l/100 km)/COπ 9,5 Liter Super / 227 g/km
Leergewicht/Zuladung 1485/315 kg
Kofferraumvolumen min/max 208/300 Liter
Preis ab 46.975 Euro
+ drehfreudiger Sportmotor, direkte Lenkung, gute Qualitätsanmutung
- hoher Neupreis, teure Extras, polarisierendes Design
Note 1-

Autor: Jörg Maltzan

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