Fahrbericht Mercedes E-Klasse

Fahrbericht Mercedes E-Klasse

— 23.05.2006

Wo steckt der Fortschritt?

uerlich fllt die Vernderung kaum auf. Das 2006er Facelift macht aus der E-Klasse kein ganz neues Auto aber ein etwas anderes.

Ein Suchspiel wie "Original und Flschung"

Der Stern ist noch da, wo er hingehrt. Auch die Doppelscheinwerfer. Um die neue E-Klasse zu erfahren, braucht es ungewhnliche Perspektiven. Eigentlich einen Rntgenblick. Aber wer hat den schon. Deshalb rutsche ich auf Knien, schleiche um die Karosserie und suche den Fortschritt mit detektivischer Akribie. Schlielich geht es um Mercedes, den Mercedes unter den Stern-Mobilen. Auf den ersten Blick erscheint mir der Neue im Vergleich zum Alten wie das Suchbild "Original und Flschung" in der HRZU-Fernsehzeitschrift. Wo kleine Unterschiede ein neues Bild ergeben und die Auflsung leider immer erst in der nchsten Woche erscheint.

Bei Mercedes finde ich sie sofort in der Pressemappe: ellipsenfrmige Nebelscheinwerfer, wachere Augen, zierlichere Auenspiegel und ein markanter Khlergrill. Auerdem ein bichen mehr Chrom am Heck, neue Rder das war's schon fast. Oberflchlich betrachtet. Nichts spricht fr eine "Neue Generation", wie es die Stuttgarter uns gern verkaufen mchten. Dafr fehlen dem erst vier Jahre alten E einfach noch die Falten. Und trotzdem sah die Oberklasse in der Vergangenheit ganz schn alt aus. Als die High-Tech-Bremse SBC ins Notprogramm zurckfiel. Oder Rost am Premium-Image nagte.

Mit dem Facelift versucht Mercedes eher Sorgenfalten der Kunden zu gltten. Aber auch die eigenen. SBC flog raus, statt dessen bauen sie wieder eine hydraulische Servobremse ein. Die neue "Adaptive Brake" stammt aus dem Top-Modell S-Klasse, sie assistiert wie das SBC-System, denkt mit, und vor einer Notbremsung erhht sie den Druck in den Bremsleitungen. Auerdem legt sie schon mal vorsorglich die Belge an die Scheiben. Klingt also doch nach mehr als nur ein bichen Schminke. Eher nach einem schwerwiegenden Eingriff, einer Operation an lebenswichtigen Teilen.

Der E 500 leistet jetzt stramme 388 PS

Dazu gehrt auch die gesamte Motorenpalette. Die Preise fr die Vier- und Sechszylinder bleiben gleich. Beim E 500 (ab 62.582 Euro) steigerten die Ingenieure die Leistung um 82 PS auf 388, gleichzeitig erhhte sich das Drehmoment von 460 auf 530 Newtonmeter. Der Verbrauch soll mit 11,5 Litern im Schnitt sogar etwas gesunken sein. Mit der Kraft einer Herde Brauereipferde zieht die Limousine los, nur weniger geduldig. Von null auf 100 reichen 5,3 Sekunden nochmals 0,7 Sekunden weniger als beim Vorgnger.

Dabei beschleunigt der V8-Motor ohne groes Aufsehen, ein sportliches Fauchen, posaunt aus zwei polierten Endrohren (Sportpaket). Der E 500 bewahrt Fassung, ganz gentlemanlike, dezent in jeder Lage. Auch in Kurvenlagen. Die Lenkung arbeitet nun direkter. Mathematisch ausgedrckt: zehn Prozent spontaner. Eindruck: Da steckt jetzt ein bichen mehr Gefhl drin, nicht viel, aber sprbar. Whrend der E 500 durch den Schwarzwald rollt, klicke ich mich durch verschiedene Mens, spiele mit der Distronic, die den Abstand zum "alten" E 500 vor mir regelt. Wenn der Vordermann bremst, bremst mein Wagen auch. Alles automatisch.

Selbst die Dmpfereinstellung verndert sich per Knopfdruck, die Schaltpunkte der Siebenstufenautomatik ebenfalls. Sportlich, komfortabel alles kein Problem. Die E-Klasse managt Fahrerwnsche wie ein Dienstleistungsunternehmen. Ein Wunschkonzert auf allen Ebenen. Wer fhrt hier eigentlich wen? Endlich lassen sich die Lenkradtasten blind bedienen, beim Vorgnger waren sie noch als Mulden im Pralltopf integriert. berhaupt liegt der Kranz besser in den Hnden.

Motorisierungen und Fazit

Fr den Innenraum bietet Mercedes nun auch modische Farbkombinationen an, zum Beispiel italienisch angehauchte Beige-Braun-Kombinationen. Der Testwagen trgt ein schlichtes Schwarz. Feines Nappa-Leder, das sich in der Trverkleidung verschwenderisch in Falten legt. Ein bichen mehr Glanz fiel auch fr den Schalthebel der Automatik ab. Die wichtigsten Neuerungen allerdings schlummern im verborgenen. Wie die Kopfsttzen mit dem Namen "Neck Pro". Bei einem Auffahrunfall sollen sie den Nacken abfedern, um schmerzhafte Schleuder-Traumata zu verhindern.

Das ist auch die Aufgabe von Pre-Safe, dem Sicherheitssystem, das Mercedes in der S-Klasse einfhrte. Jetzt gehrt es auch zum Standard-Repertoire im E. Bei einem Zusammensto ziehen sich die Gurte straff, die Sitze fahren in eine aufrechte Position, alle Fenster schlieen automatisch. Da hat Mercedes Audi und BMW etwas voraus. Schlielich soll der Stern wieder dorthin, wo Mercedes ihn am liebsten sieht. Ganz oben.

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko: Facelift? Na ja, eher eine Operation an inneren Organen. Mercedes dokterte nur sanft am Aussehen seines Bestsellers, investierte mehr in die Sicherheit. Und das ist gut so. Da sich die E-Klasse obendrein jetzt etwas dynamischer anfhlt, registriere ich als willkommene Nebenwirkung und alles ohne Apotheken-Aufschlag bei den Vier- und Sechszylindern. Damit kann Mercedes glnzen.

Autor: Margret Hucko

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