Fahrbericht Mercedes GL 420 CDI

Mercedes-Benz GL 420 CDI Mercedes-Benz GL 420 CDI

Fahrbericht Mercedes GL 420 CDI

— 04.07.2006

Der Feine fürs Grobe

Über fünf Meter lang, mit Edel-Ausstattung, Luftfederung und 306 Diesel-PS: Der Mercedes GL wagt den Spagat zwischen Luxus und Gelände. Und schafft ihn souverän.

Vorbereitet für alle Offroad-Härtefälle

Willkommen am Ende der Welt. In einer Gegend wie aus der Urzeit. Endlose Geröllwüsten, erstarrte Lava-Ströme, leergefegte Felsplateaus. Wir befinden uns auf 64 Grad 31 Minuten nördlicher Breite und 20 Grad 36 Minuten westlicher Länge, 600 Meter hoch. Ungefähr. Draußen sind gemessene plus sechs und gefühlte minus zwei Grad. Und das am 21. Juni. Willkommen auf Island. Die rauhe Insel ist genau der richtige Ort, um dem neuen Mercedes GL auf den Zahn zu fühlen. Die US-Version hatten wir bereits vorgestellt und auch die Frage geklärt, was der GL eigentlich ist: Gebaut in Amerika, hat er die gleiche Technik wie M- und R-Klasse, ist aber größer als der ML und geländegängiger als der R. Und er ist kein Nachfolger des G: Die kantige Legende wird (mindestens) noch bis 2010 weitergebaut.

Hier geht es jetzt um den speziell für Europa abgestimmten GL. "Die Unterschiede sind größer, als man vielleicht denkt", sagt Thomas Merker, Chefentwickler für ML und GL. "Die Amerikaner legen vor allem Wert auf Raum und Komfort, die Europäer auf Fahrdynamik und Offroad-Fähigkeiten." Also wurde der GL straffer ausgelegt, das beim ML aufpreispflichtige Offroad-Paket ist serienmäßig. Dazu gehören Sperren für Mittel- und Hinterachsdifferential sowie die Geländeuntersetzung.

Für die Härtefälle des Lebens ist der GL aber auch sonst vorbereitet: Allradantrieb gehört sowieso dazu, genauso wie die Bergabfahrhilfe DSR, das adaptive Dämpfungs-System ADS und die Luftfederung mit verstellbarer Bodenfreiheit. Letztere läßt sich zwischen 19,7 und 30,7 Zentimeter in vier Stufen regulieren. Wenn dann noch der bärenstarke, vier Liter große Diesel mit 306 PS leise unter der Haube grummelt, kann Island kommen – oder Sibirien oder was auch immer. Souverän und völlig entspannt wuchtet der V8 den 2,5-Tonnen-Brocken über zerzauste Hochebenen oder erloschene Vulkane.

Mit 5,09 Metern Länge eine große Nummer

Die endlosen Rüttelpisten im Hochland nimmt die Luftfederung ganz gelassen – Schläge kommen kaum durch, der GL fährt sich auf dem schwierigen Terrain fast schon unheimlich souverän. Und auf den gut ausgebauten Straßen rund um die Hauptstadt Reykjavik mußte ich ab und zu in den Rückspiegel schauen, um mich zu erinnern, daß hinter mir noch vier Meter Auto kommen. Die ich aber mühelos durch den Verkehr dirigiere. Mit 5,09 Meter Länge und 1,92 Meter Breite ist der GL für unsere Breitengrade schon eine ziemlich große Nummer. Der GL mißt damit 31 Zentimeter mehr als die gewiß nicht zierliche M-Klasse (4,78/1,91 Meter).

Das Design unterscheidet sich mit der bulligeren Front, der steileren Frontscheibe und dem eckigen Heck aber doch deutlich. Cockpit und Innenraum sind in vielen Details edler als bei der M-Klasse gestaltet. Beim GL 420 CDI sorgen Wurzelnußholz und eine Artico genannte Ledernachbildung, die sehr echt aussieht, für eine luxuriöse Atmosphäre. Auch die Mehrzonen-Klimaautomatik, elektrisch verstellbare Sitze vorn und das Panorama-Glasdach für den Fond gehören zur Serie. In der ersten und zweiten Reihe gibt es jede Menge Platz, sehr bequeme Sitze und viel Luft überm Scheitel.

Die Bank in der zweiten Reihe hat eine neigungsverstellbare Lehne, läßt sich zwar nicht verschieben, aber geteilt nach vorn umlegen. Etwas enger wird es erst in Reihe drei. Die beiden Einzelsitze dort kosten 1566 Euro Aufpreis und lassen sich elektrisch auf Knopfdruck falten (in Amerika Serie). Es entsteht dann ein ebener, allerdings recht hoch liegender Ladeboden. Ein Reserverad gibt es nicht mehr, dafür sind Kompressor und Tirefit an Bord.

Technische Daten, Fahrleistungen, Preis

Unser GL 420 CDI kostet selbstbewußte 79.460 Euro – gibt es da noch Gegner des Gelände-Luxus-Boliden? Mit dem V8-Diesel wird es ganz schwer, bleiben wohl vor allem die deutlich günstigere M-Klasse (ML 420 CDI für 65.540 Euro), der Range Rover (ab Herbst mit neuem 3,6-Liter-V8-Diesel mit 272 PS) und der Audi Q7 (Dreiliter-TDI mit 233 PS für 48.900 Euro). In Amerika ist der GL schon ein Renner, in zwei Monaten wurden 5000 Stück verkauft. Start bei uns ist am 2. September 2006, mit Prognosen für den deutschen Markt hält sich Mercedes auffallend zurück. Sicher ist nur, daß 70 Prozent aller GL in Amerika bleiben.

Mit dieser Technik, dem nahezu perfekten Antriebsstrang und der gelungenen Fahrwerkabstimmung kann der GL aber nicht nur am Ende der Welt bestehen. Das Kleingeld vorausgesetzt, sicher auch auf 53 Grad 30 Minuten 3 Sekunden nördlicher Breite und 9 Grad 50 Minuten 9 Sekunden östlicher Länge. Dort liegt Hamburg. Ungefähr.

Technische Daten: V8-Diesel • Bi-Turbo-Aufladung • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 3996 cm³ • Leistung 225 kW (306 PS) bei 3600/min • max. Drehmoment 700 Nm bei 2200 /min • Allradantrieb •Siebenstufen-Automatik • Einzelradaufhängung mit Luftfederung • Kofferraum 300/2300 Liter • Tank100 Liter • Länge/Breite/Höhe 5088/1920/1840 mm • Reifen 275/55 R 19 • Leergewicht 2475 kg • Spitze 230 km/h • 0–100 km/h in 7,6 s • Verbrauch 11,8 l D/100 km • Preis: 79.460 Euro

Hier ist Ihre Meinung gefragt

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Autor: Dirk Branke

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