Fahrbericht Mini Cooper S Cabrio — 29.01.2009
Bügelfrei und Spaß dabei
175 Kleinwagen-PS und kein festes Dach über dem Kopf. Auch die zweite Generation des Mini Cabrio ist herrlich unvernünftig. Erste Ausfahrt mit dem mindestens 26.500 Euro teuren Top-Modell.
Vorne hui, hinten pfui. Das war mit dem alten Mini Cabrio schon so eine Sache. Während vorne ein knuffiges Zweiaugengesicht wartete, rümpften viele beim Blick auf das Heck die Nase. Zwei unglaublich klobige Überrollbügel sorgten primär für die Sicherheit der Insassen und sekundär für einen Look, der nicht nur Tierfreunde an ein Kamel erinnerte. Beim Anblick des neuen Mini Cabrio bleibt die Nase erst mal unbewegt. Die hässlichen Bügel wanderten in die Versenkung und warten dort, um im Fall der Fälle blitzschnell herauszuschießen. Darüber hinaus muss man schon genau hinschauen, um das neue
Mini Cooper S Cabrio von seinem Vorgänger zu unterscheiden. Wie bei der vor zwei Jahren vorgestellten geschlossenen Variante blieb das kultige Äußere bis auf Details nahezu unangetastet. Unter der Haube tat sich da schon mehr.
Hinter den Scheinwerfern pfeift jetzt ein Turbolader
Wo früher bei der von uns gefahrenen
Cooper S-Variante ein Kompressor sirrte, pfeift jetzt ein Turbolader. Der aus der BMW-Kooperation mit dem französischen PAS-Konzern (Citroen, Peugeot) stammende 1,6-Liter-Vierzylinder bringt es nicht nur auf spaßtreibende 175 PS, er gibt sich auch alle Mühe, effizient mit dem Kraftstoff umzugehen. Die serienmäßige Start-Stopp-Automatik schaltet den Motor an Ampeln aus und an, Generator und Servolenkungspumpe laufen nur dann, wenn sie wirklich benötigt werden. Das spart Sprit (Verbrauch: 6,4 Liter) – ohne dem Mini spaßtechnisch den Saft abzudrehen.
Die direkte Lenkung macht süchtig nach Kurven
Das Mini-Cockpit ist schick – nervt aber mit billigen Plastikteilen.
Auf der Piste fährt sich das scharfe Cabrio fast wie ein Cooper S von der Stange. Der offene Mini legt sich lediglich etwas stärker in die Kurve. Kein Wunder, immerhin muss der Open-Air-Würfel 50 Extra-Kilo an Versteifungen mit sich herumschleppen. Dennoch bleibt der Mini der Sportwagen unter den kleinen Cabrios. Die direkte Lenkung macht süchtig nach Kurven, und wer es darauf anlegt, kann dem frontgetriebenen
Mini Cabrio per Lastwechsel sogar eine agiles Heck verpassen. Tempo 100 sind nach 7,4 Sekunden erreicht, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 222 km/h. Unterlegt wird das Ganze vom sonoren Tröten der mittig montierten Auspuffanlage, beim Gaswegnehmen rotzt der Engländer genüsslich eine Pseudo-Fehlzündung ins Freie. Herrlich.
Eng und teuer
Kritik? Gibt es. So schmückt sich der Innenraum nach wie vor mit viel zu viel hartem Plastik. Die feine englische Art sieht anders aus – vor allem beim Blick auf die 26.500 Euro Lösegeld, die ein Mini-Händler für ein Cooper S Cabrio überwiesen haben möchte. Außerdem bieten die Sitze noch immer zu wenig Seitenhalt. Die beiden Plätze im Fond sind, wie beim Vorgänger, höchstens kleinen Kindern zuzumuten. Wer will, kann jetzt die Nase rümpfen.