Fahrbericht Nissan Dunehawk

Fahrbericht Nissan Dunehawk Fahrbericht Nissan Dunehawk

Fahrbericht Nissan Dunehawk

— 11.12.2003

Großspurig in die Zukunft

Mit dem Dunehawk gibt Nissan einen Ausblick auf das SUV der Zukunft. AUTO BILD alles allrad durfte das Einzelstück exklusiv fahren.

Sind da etwa Marsmännchen an Bord?

So etwas hatte man bei Axels Autoservice noch nie zu sehen bekommen: Im Hof der kleinen Reparaturwerkstatt im beschaulichen Taunus-Dörfchen Merzhausen parkt ein geheimnisvoller Autotransporter mit britischer Nummer. Der Aufbau senkt sich ab – und heraus rollt nicht etwa ein havariertes Urlauberauto, sondern ein blitzendes Ungetüm, das geradewegs aus einem Science-Fiction-Film herausgefahren zu sein scheint.

Kein Wunder also, dass sich Axels Kunden schier die Nasen an den Scheiben des Unikats platt drücken. Vielleicht um zu schauen, ob nicht etwa Marsmännchen drinsitzen. Sehr zum Missfallen des britischen Versuchfahrers, in dessen Händen die Verantwortung für das zwei Millionen Euro teure Einzelstück liegt: Immer wieder polieren er und sein Assistent Fingerabdrücke und Fettflecken vom Glas.

Tetsuya Shibayama findet das Design des Wüstenfalken (engl.: Dunehawk) gar nicht spektakulär. Der Japaner ist Leiter des Europäischen Nissan-Designzentrums in London und betont immer wieder, dass das Geheimnis der imposanten Form gerade ihre schnörkellose Einfachheit ist: "Das zentrale Thema ist die zylindrische, glatte Form."

Geschwätziger Bordcomputer mit Akzent

Tatsächlich: Der Wagenkörper mit den glatt gerundeten Flanken könnte aus einem riesigen Stück Alu-Rohr herausgeschliffen sein – ohne Sicken und Buckel, nicht einmal Türgriffe oder Rückspiegel stören Linie und Aerodynamik. Stattdessen öffnen die Türen klickend beim Druck auf Sensorfelder, und für die Rück-Sicht sorgen Kameras an den Türen und Bildschirme im Cockpit.

Nur die Radausschnitte quellen förmlich aus den glatten Flanken heraus. Sie beherbergen dicke 20-Zoll-Räder mit eigenwilligem Mäander-Profil, das beim Fahren auf der Straße einen Heidenlärm macht – Dämmmaterial ist noch nicht eingebaut. Vielleicht erzeugen besonders die Räder den Eindruck, dies sei ein Riesenvogel. Dabei ist der Dunehawk gerade 1,90 Meter breit. Das Design-Thema Zylinder wird beim Interieur wieder aufgenommen: Die Instrumente mit Kompass, Höhenmesser und Klinometer (zur Anzeige der Längs- und Seitenneigung) sind in silbrige Rohre gefasst, der Automatik-Wählhebel hat einen zylindrischen Knauf – und sogar das Armaturenbrett hat nichts mehr von einem Brett. Eher könnte man es Armaturentrommel nennen.

Nach dem Einschalten der Zündung läuft auf dem zentralen Display eine eindrucksvolle Show ab: Der Wagen führt per Computeranimation einen Selbsttest durch. Die Technik (sogar Reifendruck), aber auch die Ausrüstung werden per Checkliste geprüft. Im angezeigten 3-D-Bild des Wagens leuchten die gecheckten Punkte auf. Das Ganze wird von einer weiblichen Computerstimme auf Englisch mit deutlich japanischem Akzent wortreich kommentiert: Da ist den Designern im Bestreben, Raumschiff-Atmosphäre ins Auto zu bringen, wohl ein wenig die Phantasie durchgegangen.

Elektronisch gesteuertes Stühlerücken

Andere futuristische Details wirken schon realistischer – und sind raffiniert durchdacht und praxisgerecht. Die variablen Rücksitze etwa, die sich von einer beträchtlichen Anzahl Elektromotoren verschieben, vorklappen oder zusammenfalten lassen. Dabei drückt man einfach nur auf Tipptasten in den Sitz-Bedienfeldern an den Fondtüren und der Heckklappenöffnung.

In Sekundenschnelle entstehen programmierte Sitzkonfigurationen. Für den Transport von bis zu sieben Personen bauen sich alle drei Sitzreihen auf. Für den Einstieg zur dritten Sitzreihe faltet sich der entsprechende Sessel der zweiten Reihe auf Kommando zusammen und gibt höflich den Weg frei.

Vor dem Transport sperrigen Ladegutes – zwei Mountainbikes passen stehend ins Abteil – verschwinden alle fünf Rücksitze flach im Boden. Bei der gleichzeitigen Beförderung von Passagieren und langen Sportartikeln – etwa Skiern oder Surfmaterial – lässt sich die Sitzlandschaft auch nur einseitig flach legen. Ähnlichkeiten mit dem Flex-Space-Konzept, wie es Opel in seinen Minivans anbietet, sind unverkennbar. Hier funktioniert das Ganze aber einfach auf Knopfdruck.

Prüfen der Geländefähigkeiten verboten

Nur auf Rufweite ist die Bedienung den aktuellen Entwicklungen voraus. Gestartet wird schlüssellos per Sensorfeld. Beinahe wundert man sich, dass die Fahrstufe ganz normal per Wählhebel eingelegt wird. Die Automatik bringt die Motorkraft über das weiterentwickelte Allradsystem aus dem Nissan X-Trail auf den Boden. Elektronisch gesteuert, verteilt eine Lamellenkupplung je nach den momentanen Gegebenheiten das Antriebsmoment auf Vorder- und Hinterachse.

Gegen einseitiges Durchdrehen hilft eine heute schon vielfach übliche elektronische Schlupfregelung mit Bremseneingriff. Daher könnte sich der Dunehawk auch im Gelände durchaus wohl fühlen. Die großen Räder geben dem Prototyp 235 Millimeter Bodenfreiheit. Und die Werte für Rampenwinkel (25°) und Böschungswinkel (34°/25°) gereichen manch aktuellem Offroader zur Ehre.

So richtig ausprobieren durften wir die Geländefähigkeiten freilich noch nicht – dafür ist dieses Ausstellungsstück auch nicht gedacht. Unter dem geschützten Bauch hängt offen die gesamte 220-Volt-Netzstrom-Anlage mitsamt Trafo und Netzspannungsadapter – damit all die elektrischen Helferchen und Gags auch auf dem Messestand funktionieren. Außerdem will man dem teuren Unikat keine Narben auf seiner von Hand modellierten Außenhaut zufügen.

Nachfolger von Terrano und X-Trail

Wenngleich Nissan den Dunehawk als Konzeptstudie verstanden wissen will, die einfach nur "zeigt, wie künftige Nissan-4x4-Fahrzeuge aussehen könnten" – ganz so aus der Luft gegriffen ist dieser Wüstenadler nicht. Der im spanischen Nissan-Werk in Barcelona gebaute Terrano ist trotz wiederholter Frischzellenkuren in die Jahre gekommen. In absehbarer Zeit braucht er einen Nachfolger. Und der in Japan produzierte X-Trail ist zwar noch jung, aber er zielt auf den europäischen Markt und ist dabei sehr erfolgreich.

Branchen-Insider liegen daher mit der Prognose nicht falsch, dass Terrano und X-Trail einen gemeinsamen Nachfolger erhalten werden, der auf der nächsten IAA im Herbst 2005 präsentiert werden soll und ab Anfang 2006 in Rahmenbauweise vom spanischen Band laufen wird.

Exakt um den Dunehawk von heute wird es sich dabei sicherlich nicht handeln. Er wird keinen sprechenden Zentralcomputer haben, wird bestimmt nicht ausschließlich mit der Kombination aus Automatikgetriebe und dem 2,5-Liter-Common-Rail-Diesel lieferbar sein. Aber auf jeden Fall werden wir viele Details des Dunehawk im Neuen wiederfinden.

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