Fahrbericht Nissan Micra C+C

Fahrbericht Nissan Micra C+C 1.6 Premium Fahrbericht Nissan Micra C+C 1.6 Premium

Fahrbericht Nissan Micra C+C

— 15.10.2005

Im Micra geht die Sonne auf

... auch im Winter. Denn das Coupé-Cabrio hat ein Glasdach. Nissan startet die Freiluft-Saison am 19. November 2005 – für 16.590 Euro.

Extrem schräge Windschutzscheibe



Von Margret Hucko Nein, normalerweise bin ich nicht so kleinlich. Aber wenn es ums Frieren geht, reagiere ich empfindlich wie ein Maulwurf, der sich ans Tageslicht gräbt. Deshalb sehe ich beim Einsteigen diesen Knopf, den andere Menschen erst entdecken, wenn sie Lambswool tragen. Ein kleiner rechteckiger Schalter, der zwischen Fahrer- und Beifahrersitz im Nissan Micra Cabrio montiert ist. Er sitzt dort, wo ich ihn erwartet hätte. Aber es ist nur ein Knopf für die Sitzheizung. Ein Schalter für beide Sitze! Nicht zwei – wie sonst in den Autos, die ich fahre.

Männer werden über mein Problem vielleicht lachen. Weil sie nicht frieren, wenn das Außenthermometer 20 Grad anzeigt. Für mich aber entscheidet dieser Knopf über Krieg und Frieden. Ich zittere, während mein Beifahrer schwitzt. Immer. Bei 20 Grad. Bei minus 20 Grad aber auch. Mit diesem Knopf baut Nissan Streit in Serie (ab Premium) ein. So, das mußte erst mal raus.

Das Kürzel C+C steht für Cabrio und Coupé oder die derzeit erfolgreichste Stripteaseshow in der Autoindustrie: ein festes Verdeck, das sich auf Knopfdruck in den Kofferraum faltet. In 22 Sekunden streift das Coupé sein Glasdach ab und steht entwaffnend offen da. Mit großen Scheinwerfer-Augen und Bernhardiner-Blick. Den freundlichen Augenaufschlag rettete Nissan eins zu eins ins Cabrio. Gegenüber der geschlossenen Variante beginnen die Neuerungen mit der Windschutzscheibe. Die steht extrem schräg – für ein kürzeres Dach und weniger Zugluft im Zweisitzer.

Wer (oder was) soll hinten sitzen?



Ja, ich sage Zweisitzer! Auch wenn Nissan zwei Fondsitze verbaut, deren Existenzberechtigung Fragen aufwerfen. Wer (oder besser was) soll hinten sitzen? Es gibt nichts zu kritisieren an der Beinfreiheit, weil es sie gar nicht gibt. Mit der Fondbank erfindet Nissan die Hutablage neu – nicht mehr und nicht weniger.

Vorn sitzen dafür fast alle gut – ob große oder kleine Menschen. Das Lenkrad läßt sich in der Höhe verstellen, die Sportsitze fahren weit zurück. Nur der Rahmen der Windschutzscheibe zielt bedrohlich Richtung Stirn. Zusätzliche Streben verstärken die Karosserie des C+C, damit er fest über Kopfsteinpflaster rollt. Außerdem kräftigten die Ingenieure A-Säulen und Seitenschweller. Erfolgreich! Der Micra wirkt bis in die letzte Faser solide.

Nachteil der hohen Steifigkeit ist ein höheres Gewicht. 110 Kilogramm wiegt er mehr als die geschlossene Variante, beschleunigt dadurch spürbar langsamer. Deshalb bevorzuge ich den 1100 Euro teureren 1,6-Liter-Motor mit 110 PS statt des 88 PS starken 1.4. Den drehfreudigen Vierzylinder baut Nissan auch in der sportlichen SR-Version ein.

Die Cabriomütze stammt von Karmann



Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt. Über Bodenwellen rollt der C+C sanft, Stöße durch Gullydeckel läßt er nur behutsam ins Cockpit dringen. Der Micra fährt so freundlich, wie er aussieht: angenehm offen bis 130 km/h auf der Autobahn. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Fenster hochzufahren und ein Windschott einzuknüpfen.

Das Cabrio endet mit einem Heck, das um sieben Zentimeter verlängert wurde, um das Blech-Glasverdeck aufzunehmen. Entwickelt hat die Cabriomütze der deutsche Zulieferer Karmann. Ein Gütesiegel, mit dem Nissan sogar an der Fahrzeug-Flanke wirbt. Das Verdeck öffnet automatisch, es muß weder ent- oder verriegelt werden. Auf Knopfdruck versenken sich die Seitenfenster beinahe lautlos im Türrahmen, die Dachschalen legen sich muschelförmig in den Kofferraum.

Der transportiert in jedem Zustand das Urlaubsgepäck. Bei geöffnetem Verdeck bleiben 255 Liter (Wochenendtrip), geschlossen 457 Liter (Herbstferien) – mehr als bei den Konkurrenten Opel Tigra TwinTop und Peugeot 206+ CC. Die halten derzeit 70 Prozent des Marktanteils. Der Micra C+C zielt ab November 2005 eiskalt auf die gleiche Kundschaft. Frauen, die Männer (mit Sitzheizung) kräftig ins Schwitzen bringen.

Technische Daten Nissan Micra C+C 1.6 Premium R4 vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • zwei obenliegende Nockenwellen • Hubraum 1598 cm³ • Leistung 81 kW (110 PS) bei 6000/min • maximales Drehmoment 153 Nm bei 4400/min • Frontantrieb • Fünfgang • Kofferraum 255/457 Liter • Tank 46 Liter • L/B/H 3806/1668/1441 mm • Reifen 185/50 R16 • Leergewicht 1225 kg • Spitze 191 km/h • 0-100 km/h in 10,6 s • Verbrauch 6,7 l Super/100 km • Preis 20.590 Euro

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