Fahrbericht Nissan Murano

Fahrbericht Nissan Murano Fahrbericht Nissan Murano

Fahrbericht Nissan Murano

— 22.04.2004

Ein markantes Gesicht

Der Nissan Murano kommt nun doch nach Europa. Die Fans des auffälligen US-Gefährts müssen aber bis Anfang 2005 warten. AUTO BILD alles allrad hat ihn in Deutschland gefahren – als Grau-Import.

Unbegrenzte Unbescheidenheit

Dieser Wagen ist nichts für Schüchterne: Der Kühlergrill mit breit grinsender Zahnreihe erinnert an Monster-Amphibien aus Disney-Trickfilmen – ein rosa Pudel ist eine vergleichsweise unauffällige Erscheinung. Und dann führt er auch noch dieses merkwürdige Eigenleben: Ständig werden wir piepend ermahnt, die Tür zu schließen oder uns anzuschnallen – viel Spaß, wenn Sie den Gurt mal lösen, um die Tiefgarage aufzuschließen! Und jetzt fährt auch noch der Fahrersitz ungebeten nach vorn.

Ansonsten gibt sich das SUV aus dem Land der unbegrenzten Unbescheidenheiten einladend. In der weit vorn liegenden Kabine gibt es jede Menge Platz. Die Innenbreite ist noch etwas großzügiger als in einem Mercedes-Benz ML. Eine passende Sitzposition findet jeder. Per Knopfdruck lässt sich die Pedalerie fünf Zentimeter vor- und zurückfahren.

Hohen Snob-Appeal haben die drei Knöpfe mit Häuschen-Symbol am Innenspiegel. Hier lassen sich die Frequenzen der Garagentor-Fernbedienungen von bis zu drei Villen speichern – segensreich für jeden Baulöwen. Insgesamt bleibt die Zahl der Knöpfe im Nissan noch überschaubar. Diverse Einstellungen sind im Bordcomputer gesammelt und gespeichert. Nur ein Europa-Navi gibt's noch nicht.

Übrigens: Die ersten 200 Enthusiasten, die bis Ende des Jahres eine feste Bestellung für den Murano abgeben, erhalten von Nissan ein exklusives Murano-Fahrertraining am Nürburgring!

Motor und Fahrwerk

Bassbetont in gedämpfter, aber schöner Ami-Akustik legt der Sechszylinder los, faucht beim Hochdrehen wie eine Katze in einer Sommernacht, um bei höheren Drehzahlen akustisch fast zu verschwinden. Der 3,5 Liter große V6-Benziner mit 242 PS ist in Grundzügen das gleiche Aggregat wie im Sportwagen 350Z – will heißen: Das maximale Drehmoment liegt doch ziemlich weit oben in luftigen Drehzahlregionen.

Beeindruckend ist die gänzliche Abwesenheit von Drehzahlsprüngen. Die CVT-Automatik arbeitet stufenlos. Auch beim Beschleunigen bleibt die Drehzahl praktisch konstant. Das schafft eine gleichmäßige Geräuschkulisse, die auf Dauer leicht einschläfert. Wer bergab nach Motorbremswirkung verlangt, kann den Schalthebel auf "Low" stellen. Im Sport-Modus lässt sich eine ähnliche Wirkung erzielen. Andere Motor-Getriebe-Paarungen gibt's nicht: keinen Diesel, kein Schaltgetriebe.

Was uns wieder wachrüttelt, ist das Sportfahrwerk unserer SE-Version – allerdings nur auf richtig maroder Piste. Das Fahrwerk ist zwar unamerikanisch straff, aber kompromissbereiter als etwa die Sportpakete von BMW. Zusammen mit einer leicht frontlastigen Gewichtsverteilung ergibt sich ein sicheres Fahrgefühl, minimal untersteuernd auch für Menschen geeignet, die einem hoch bauenden Offroader misstrauen. Vieles erinnert an den Lexus RX 300, nur dass der Murano von allem einen Schluck mehr bietet: 500 Kubik mehr Hubraum, 40 PS mehr Leistung, 18 Zentimeter mehr Länge und sechs Zentimeter mehr Breite.

Technische Daten und Preis

Die sichere Straßenlage hat eine Kehrseite. Von Geländetauglichkeit kann keine Rede sein. Zwar lässt sich die zentrale Lamellenkupplung wie beim X-Trail auf starren Durchtrieb schalten, eine elektronische Antriebsschlupfregelung ist beim SE auch an Bord. Aber mit den Straßen-Ganzjahresreifen kommt man nicht weit. Wir haben ordentlich geschwitzt, bis wir einer feuchten Wiese wieder entronnen waren. Auch die Bodenfreiheit ist nicht berühmt. Tiefste Stelle ist der Auspuff mit nur 18,5 Zentimeter über Grund. Der Murano ist halt ein Straßen-Reisewagen mit Allrad für den Wintersport, mehr nicht.

Das Autohaus Dressler in Neutraubling bei Regensburg (Telefon: 09401/ 96 04 80) verlangt für die von uns gefahrene, grau importierte Topversion 46.980 Euro – nicht zu viel angesichts der Ausstattung und Verarbeitungsgüte. Von Leder über Bose-Stereo bis hin zum elektrischen Hubschiebedach ist alles drin. Eines war bei den Fahrten mit dem grinsenden UFO nicht zu übersehen: seine Präsenz. Wir sind lange nicht mehr so oft auf ein Auto angesprochen worden.

Technische Daten • V6-Benziner, quer • 4 Ventile je Zylinder • Hubraum 3498 cm3 • Leistung 178 kW (242 PS) bei 5800/min • maximales Drehmoment 333 Nm bei 4400/min • permanenter Allradantrieb über elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung, manuell sperrbar • elektronische Schlupfregelung • Einzelradaufhängung v. u. h. • innen belüftete Scheibenbremsen v. u. h.• Reifen 235/65R16 • Länge/Breite/Höhe 4765/1879/1689 mm • Radstand 2824 mm • Leergewicht 1830 kg • Tank 82 Liter • Verbrauch ca. 13,5 Liter Super • Höchstgeschwindigkeit 190 km/h (USA) • Preis 46.980 Euro

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