Fahrbericht Nissan Murano

Fahrbericht Nissan Murano Fahrbericht Nissan Murano

Fahrbericht Nissan Murano

— 02.12.2004

Der sanfte Riese

In Amerika ist der bullige Murano schon dick im Geschäft. Auf leisen Sohlen soll der Japaner nun auch Europa erobern.

Verkaufsschlager in den USA

Die Welt steckt voller Wunder. Man muß sie nur erkennen. So wie das angebliche Antlitz der Jungfrau Maria auf einem angebrannten Käsetoast, das jetzt bei Ebay zum Preis eines Kleinwagens versteigert wurde. Kommt es da am Ende gar nicht mehr auf den Inhalt an, sondern nur darauf, wie ein Wunderwerk verpackt ist?

Auch bei automobilen Trends lohnt es sich durchaus, mal hinter die Kulissen zu schauen. Nehmen wir zum Beispiel die Crossover. Dieser neue Mix aus Van, Kombi und Geländewagen will das SUV der Zukunft sein. Weil spätestens ab 2008 die SUV-Welle erstmals eine Delle bekommen soll, müssen die Kinder halt schon heute einen neuen Namen haben.

Crossover – das hört sich lifestylig an, ist aber im Prinzip nichts anderes als ein flacher gelegter SUV im Designeranzug. Wie dem auch sei. In den USA sind diese Mischlinge längst der Renner und passen perfekt ins Beuteschema der US-Käufer. Nissan sahnt mit dem FX 45, der Luxustochter Infinity und dem Murano seit einem Jahr gleich doppelt ab. Allein vom Murano wurden 2004 bereits über 60.000 Stück in den USA verkauft.

Murano startet im März in Europa

Ab März rollt dieses grinsende Schmunzelmonster aus dem kalifornischen Designzentrum in San Diego auch zu uns. Und damit das 4,77 Meter lange Dickschiff auf europäischen Straßen nicht gleich ins Straucheln gerät, wurden (laut Nissan) über 300 Änderungen gegenüber dem US-Modell vorgenommen. Die meisten betreffen Fahrwerksabstimmung und Geräuschdämmung. Aber auch die Materialien im Innenraum (Kunststoff mit Softlack überzogen) und die Nummernschild-Aufnahme am prallen Heck wurden auf Europa-Kurs gebracht.

Wer den Murano das erste Mal live sieht, denkt: Hoppla, wer hat den denn aufgepustet? Der Bursche sieht aus wie ein mopsiger Pkw, der seinen Spielkameraden über den Kopf gewachsen ist. Aber das Design hat was. Die Proportionen sind stimmig, muskulös, ja, durchaus auch elegant.

Über welche Dimensionen wir hier reden, wird spätestens nach dem Einsteigen deutlich. "Hallooo, ist da jemand?" Bei einer Breite von 1,88 Metern und einem Radstand von 2,83 Metern kommen sich selbst vier Tölzer Bullen nicht in die Quere. In den Weiten des Innenraums hat Nissan großzügig Luxus verteilt. Im Gegensatz zu den USA wird es bei uns nur eine Version geben. Aber die ist vollgestopft mit allem Zipp und Zapp. Von elektrisch verstellbaren Ledersesseln über Rückfahrkamera und Klimaautomatik bis hin zum DVD-gestützten Navigationssystem, einer Super-225-Watt-Bose-Hi-Fi-Anlage oder Pedalen, die sich per Knopfdruck der Fahrerposition anpassen. Nur noch Metallic-Lack läßt sich für 690 Euro zusätzlich ordern.

Fast so leise wie ein Elektromobil

Dieser Luxus-Speck fällt dem Murano nicht einmal sonderlich zur Last. Zwar ist er mit 1,87 Tonnen nicht gerade ein Federgewicht, unterbietet aber zum Beispiel einen VW Touareg um wichtige 525 Kilo. Zudem füttert Nissan sein Riesenbaby mit Kraftnahrung. Ein 3,5-Liter-V6-Benziner mit 234 PS, bekannt aus dem Sportcoupè 350Z, sorgt für flotte Spurtwerte – aber leider auch für hohe Spritrechnungen. Ein Diesel ist für diese Murano-Generation, die ursprünglich nur für Nordamerika geplant war, nicht vorgesehen. Und das, obwohl in dieser Klasse rund 70 Prozent der Kunden Selbstzünder ordern.

Trotzdem ist der kräftige V6 alles andere als eine Fehlbesetzung. Zumal er in der CVT-Automatik einen perfekten Partner findet. Beide zusammen bilden ein starkes Team. Und ein beeindruckend leises. Nahezu lautlos und völlig ruckfrei, fast schon wie ein Elektromobil, bewegt sich der große Wagen durch den Stadtverkehr. Das ist Cruisen vom Feinsten, wenngleich etwas mehr kerniges Grollen der Autofahrer-Seele guttun würde.

Auch wenn Nissan seinen sanften Riesen gern als Chef-Dynamiker im Ring sieht: Zum Sportler taugt er ebensowenig wie zum Gelände-Kraxler. Dafür ist die komfortable Abstimmung einfach noch zu soft, der Aufbau zu hoch. In schnellen Kurven neigt sich die Karosserie spürbar, der Wagen schiebt energisch über die Vorderräder.

Ausflüge ins grobe Gelände sind tabu

Crossover heißt wohl auch, daß beim Kreuzen Gutes verlorengeht. Da werden Nachfolger einen klareren Kurs einschlagen. Mein erster Eindruck: Der Murano ist handlicher als ein Touareg, komfortabler als eine M-Klasse, kommt aber an die Agilität eines BMW X5 nicht heran.

Schon deshalb, weil er im Gegensatz zum Münchner als Fronttriebler auf die Welt gekommen ist (Basis ist die US-Version des Maxima). Kombiniert mit dem recht simplen Allradsystem vom X-Trail fließen im Alltag rund 91 Prozent der Kraft an die Vorderräder. Je nach Witterung und Einsatz schickt die zentrale Lamellenkupplung bis zu 50 Prozent variabel an die Hinterräder.

Nur keine falschen Hoffnungen: Das reicht gerade für die Expedition auf eine feuchte Bergwiese. Zwar läßt sich wie beim X-Trail auf starren Durchtrieb schalten (Kraftverteilung 50:50), doch Straßenreifen und geringe Bodenfreiheit verbieten Ausflüge in schwieriges Gelände.

Technische Daten und Preis

Da soll der Murano auch gar nicht hin. Er will der moderne Diät-SUV von morgen sein. Mit viel Platz und hoher Sitzposition wie bisher, aber ohne komplizierte Allradtechnik, die eh keiner nutzt. Und das zum Preis einer Oberklasselimousine: 42.500 Euro. Bei der Luxus-Ausstattung ein faires Angebot – für einen Asiaten im Mercedes-BMW-Audi-Land aber auch viel Geld. Das wissen die Japaner und schätzen ihre Chancen realistisch ein, wollen nur 2100 Murano bei uns pro Jahr verkaufen. An Wunder glaubt eben auch Nissan nicht.

Technische Daten • V6-Benziner, quer eingebaut • vier Ventile je Zylinder • vier obenliegende Nockenwellen • Hubraum 3498 cm3 • Leistung 172 kW (234 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment 318 Nm bei 3600/min • Allradantrieb • CVT-Automatikgetriebe • Kofferraum 877 Liter • Tank 82 Liter • Länge/Breite/Höhe 4770/1880/1705 mm • Reifen 225/65 R 18 H • Leergewicht 1870 kg • Zuladung 510 kg • Spitze 200 km/h • Verbrauch (EU-Mix): 12,3 l Super • Preis 42.500 Euro

Autor: Tomas Hirschberger

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