Fahrbericht Opel Astra Cabrio 1.8 16V

Fahrbericht Opel Astra Cabrio 1.8 16V Fahrbericht Opel Astra Cabrio 1.8 16V

Fahrbericht Opel Astra Cabrio 1.8 16V

— 22.03.2002

Alles auf den Astra

Der wichtigste Opel gibt sich offen für Neueinsteiger: Das Astra Cabrio fährt vor und präsentiert die italienischen Momente im Leben der Rüsselsheimer. Allerdings nicht von allen Seiten...

Mehr Dynamik für den Astra

Haben das die Opel-Leute nicht gewusst? Männer gucken Frauen auf die Beine und Frauen den Männern immer wieder gern auf den Po. Das jedenfalls ist seriösen Umfragen zufolge Fakt - und im Übrigen auch bei AUTO BILD so.

Nicht zuletzt ein kluger Designer, nämlich Michael Robinson von Lancia, hat einmal gesagt, das Hinterteil unserer Autos sei eine vernachlässigte Zone. Schließlich führen wir doch "die meiste Zeit anderen Autos hinterher". Und hinterm Astra Cabrio fällt der Blick auf ein pummeliges Heck der Marke Allerwelt. Tatsächlich stammt es ab vom Coupé.

Dabei kann das neue Cabrio viel Anziehungskraft gebrauchen - schließlich soll es der kompakten Baureihe neuen Glanz verleihen - kein Auto ist für die Rüsselsheimer so wichtig wie der Astra. Der war zwar im Jahr 2000 nach dem Golf das meistverkaufte Auto in Deutschland, aber mit fallender Tendenz und hart verfolgt vom 3er-BMW. Zusätzliche Dynamik für die Baureihe tut also Not.

Ein offenes Auto weckt auf jeden Fall Optimismus und Lebenslust - Dinge, die man endlich wieder mit Opel in Verbindung bringen soll. Und von vorn lockt das Cabrio wie alle Astra mit einem frisch-dynamischen Augenaufschlag. Auch die schlanke Linie hält den kritischen Blicken der Fitness-Generation stand.

Bügelfreie Zone

Was Cabrio-Fans sogar begeistern wird: Anders als beim übermächtigen Konkurrenten, dem Golf Cabrio, ist der offene Astra eine bügelfreie Zone. Ein verstärkter Windschutzscheibenrahmen und stählerne, als Fondkopfstützen getarnte Bügel sollen sich beim gefürchteten Überschlag schützend gegen den Asphalt stemmen. Und tun es hoffentlich auch...

Vorteil für den Astra - noch. Denn in rund zwei Jahren kommt der neue Golf - mit aufwendigem versenkbarem Blechdach à la Mercedes SLK (siehe Seite 25). Der preiswerte Peugeot 206+ CC verzichtet schon heute auf empfindliche Stoffe, die Wind, Wetter und Messern schlecht widerstehen.

Der Astra wappnet sich gegen die Konkurrenz mit einem elektrisch betätigten Verdeck [ siehe Seite 37], das nach eleganter Akrobatik im Kofferraum verschwindet. Deckel drauf, fertig - eine Persenning muss nicht aufgefummelt werden.

Diesen E-Luxus bietet schon das Basismodell serienmäßig, der 1.6 mit 100 PS für 40800 Mark. Für 900 Mark Aufpreis (Serie beim 2.2) können Astra-Fahrer das Dach vom Plätzchen im Straßencafé aus springen lassen - per Fernbedienung im Zündschlüssel. Eine Show, die sonst nur mit dem Porsche Cabrio möglich ist.

Rückbank - nichts für Erwachsene

Ein weiteres Detail der bequem-luxuriösen Art: jener Zentralschalter, der alle vier elektrischen Fensterheber gleichzeitig aktiviert.

Die übrige Bedienung entspricht dem üblichen sachlich-praktischen Astra-Schema. Armaturenbrett wie Vordersitze stammen aus dem Kompaktwagen. Aber nicht die Fondsitze - im Cabrio geht es hinten viel enger zu als bei den blechernen Kollegen. Die Rückbank taugt zwar, anders als etwa beim Peugeot 206, für mehr als eine Ablage. Aber Erwachsene haben nur wenig Kniefreiheit und dürften Langstrecken mit gemischten Gefühlen entgegensehen.

Ganz im Gegensatz zum Pärchen auf den Vordersitzen. Das kann bequem die komfortable Federung und das niedrige Geräuschniveau genießen - das dreilagige Verdeck lässt bis etwa 150 km/h erstaunlich wenig Windgeräusche durchkommen. Darüber kommt schon mal der Wunsch nach einem geschlossenen Blechdach auf. Doch das ist normal.

Spätestens beim nächsten Stopp stellt es sich wieder ein, das Cabrio-Hochgefühl: Anhalten, Handbremse anziehen und den magischen Knopf gedrückt - schon hat die Klappe das Verdeck verschluckt.

Motor und Fahrwerk

Der 1,8-Liter des Testwagens mit 125 PS zieht kultiviert und flott an - er klingt etwas brav für ein Auto, das Leidenschaft wecken soll. Aber seit wann ist die Motorisierung beim Cabrio so wichtig?

Der Astra rauscht friedlich dahin, der Duft des überraschenden Frühlingsboten Anfang Februar weht uns um die Nase. 13, 14 Grad, warm genug für echtes Open-Air-Vergnügen. Wer Angst um seine Frisur hat, der lässt die Scheiben nach oben surren und empfängt den Fahrtwind bis weit über 100 km/h nur noch als sanfte Streicheleinheit. Das Windschott für 500 Mark erweist sich fast als überflüssig.

Auf guten Straßen kennt die Zufriedenheit kaum Grenzen. Auf schlechten wünscht man sich, der italienische Stylist und Karosseriebauer Bertone - traditionell Lieferant des Opel Cabrio - hätte noch mehr Versteifungen in den Astra geschweißt.

Das Cabrio wiegt auch wegen dickerer Schweller zwar 80 Kilo mehr als das Coupé. Bodenunebenheiten bringen es dennoch spürbar zum Zittern. Doch wer wird das einem so charmanten Luftikus ernsthaft übelnehmen? Die jungen Frauen wohl am wenigsten. Aber sie fahren ja auch dem Auto nicht hinterher.

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