Fahrbericht Opel Astra OPC

Opel Astra OPC Opel Astra OPC

Fahrbericht Opel Astra OPC

— 15.07.2005

Und tschüß, GTI?

Zur ersten Ausfahrt mit dem 240 PS starken Astra haben wir einen GTI-Fan mitgenommen. Eine Begegnung mit dem "natürlichen Feind".

Schärfer und härter als je zuvor

Christian Schlüter ist ein netter Mensch. 30 Jahre alt, offener Blick, fester Händedruck. Er ist Erster Vorsitzender im Golf GTI Club München. Genau der richtige also, um sich den neuen Opel Astra OPC mal genau anzuschauen. Doch was tut der Kerl? Zur Begrüßung holt er einen orangefarbenen Nothammer mit Clubaufdruck aus der Tasche und sagt: "So, dann werden wir diesen Opel mal in aller Ruhe zertrümmern." Eiskalt.

Klar, denke ich, so habe ich mir das vorgestellt. Hardcore-Fraktion, einer von der Sorte, die den Opel-Blitz an Ketten hinter ihren GTI herzerren und Uralt-GSi "testen", nachdem sie vorher das Öl aus dem Motor abgelassen haben. Tolle Idee, den Typen einzuladen. Aber dann muß der Chris doch noch grinsen, "Nee, nee, war nur ein Scherz. Laß uns mal in Ruhe das Auto angucken." Ich atme auf, und wir machen genau das.

OPC (Opel Performance Center) steht bei Opel ja für die leistungsstarken Versionen. Bisher wurden von Astra und Zafira OPC immerhin 18.000 Autos gebaut, ein Erfolg. Jetzt kommt der neue Astra OPC auf Basis des GTC-Dreitürers. Schärfer und härter als je zuvor. Mit 240 Turbo-PS und dem IDS-Fahrwerk mit elektronisch verstellbaren Dämpfern. Ein Pendant von VW gibt es momentan nicht – der GTI hat ja "nur" 200 PS, und auf den neuen R32 warten die Fans noch.

"Der muß viel böser gucken"

"Das Design haben sie ja ganz gut hingekriegt, Respekt. Besonders die Seitenlinie und das Heck sind richtig scharf." Ein Lob vom VW-Fan? Ja, aber "die Scheinwerfer sind zu groß. Mit 240 PS muß der viel böser gucken. Mit den Riesen-Projektoren hier paßt er ja ins Kindchen-Schema. Und die Spiegel sind zu klobig, da gehören zierlichere ran, und warum fängt die Stoßleiste so weit hinten an?"

Der Mann hat ein Auge fürs Detail. Die Seitenlinie mit dem flachen Aufbau und besonders das bullige Heck mit dem trapezförmigen Mono-Rohr sind in der Tat ziemlich eindrucksvoll, die Front trotz des Riesen-Spoilers etwas zu brav. Geschmacksfragen, oder? Regelrecht begeistert ist Chris dann von der Sitzposition in den Recaros: "Ich sitz’ hier perfekt, solche will ich auch haben."

"Die Instrumente sind okay, passen zum Auto." Opel hat das Astra-Serien-Cockpit für den OPC angehübscht: Dreispeichen-Lederlenkrad, Tacho und Drehzahlmesser mit neuer Grafik und Chromrand, Alu-Pedale. Was ich niemals für möglich gehalten hätte: Die Größe des Kofferraums (380 Liter) ist wichtig für den GTI-Experten. "Mann, ist doch klar: Da kommen Endstufen und Subwoofer rein – die brauchen Platz." Alles klar, blöde Frage.

240 Turbo-PS und IDS-Plus-Fahrwerk

Dann ist erst mal Ruhe im Karton – wir fahren los. Chris sitzt jetzt am Lenkrad, fährt konzentriert, aufmerksam und schnell – im Rahmen des Erlaubten selbstverständlich. Er ist – auch wenn er das später nicht ganz so zugeben wird – sichtlich beeindruckt. Opel hat dem gewiß nicht schwachbrüstigen 200-PS-Zweiliter-Turbo nochmals eine Leistungskur verpaßt. Nach allerlei Feinarbeiten bringt der es jetzt auf 240 PS und haut bei 2400 Touren 320 Nm auf die Kurbelwelle.

Der Motor knurrt dumpf und böse, hängt giftig am Gas und dreht bis knapp 7000 Touren. Mit anderen Worten: Es geht hier richtig ab, null bis hundert in 6,4 Sekunden, Spitze 244 km/h, verspricht Opel. Der aktuelle Golf GTI hätte also keine Chance, aber – gut zuhören VW – "den fährt bei uns im Klub sowieso niemand. Können wir uns nicht leisten." Dem eingefleischten GTI-Fan geht es natürlich an die Nieren, daß der OPC so überlegen scheint, zumal auch das Fahrwerk einen hervorragenden Eindruck hinterläßt. Mit dem IDS-Plus-Fahrwerk und der Dämpferregelung liegt er straff und präzise, fegt wild um die Ecken.

Ein "nicht schlecht" quetscht Chris sich dafür ab – aus dem Mund eines GTI-Fans so etwas wie ein Ritterschlag. "Mich stört aber die ruppige Kupplung", schickt er schnell noch hinterher. Es gelingt tatsächlich kaum, ruckfrei anzufahren. "Für meinen Geschmack könnte auch die elektrohydraulische Lenkung mehr Gefühl vermitteln, beim GTI ist das so. Aber direkt ist sie. Und was soll dieser blöde Blinker, der nicht einrastet – kann mein GTI besser."

Technische Daten und Preis

Hellhörig wird Chris dann noch beim Thema Preis. Ab September wird der Astra OPC für rund 25.000 Euro zu haben sein – also etwa soviel wie der 200 PS starke GTI. "Das wäre ja ziemlich günstig."

Zum Schluß entfährt dem Ersten Vorsitzenden im GTI Club München doch noch Erstaunliches: "Ich könnte mir jetzt tatsächlich vorstellen, einen OPC zu kaufen." "Wie bitte, was ist los?" frage ich entgeistert. "Na ja," antwortet Chris und setzt sein breitestes Gute-Wetter-Grinsen auf, "als Zweitwagen im Winter vielleicht." Wie gesagt, der Chris ist ein netter.

Technische Daten: Vierzylinder-Turbo • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 1998 cm³ • Leistung 177 kW (240 PS) 5600/min • max. Drehmoment 320 Nm bei 2400/min • Frontantrieb Sechsgang • vorn McPherson-Federbeine, hinten Verbundlenkerachse • Kofferraum 380 Liter • Tank 52 Liter • Länge/Breite/Höhe 4290/1753/1420 mm • Reifen 225/40 R 18 • Leergewicht 1393 • Spitze 244 km/h • 0–100 km/ 6,4 s • Verbrauch 9,2 l SP/100 • Preis: ca. 25.000 Euro

Autor: Dirk Branke

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