Fahrbericht Opel Meriva

Fahrbericht Opel Meriva 1.7 CDTI Fahrbericht Opel Meriva 1.7 CDTI

Fahrbericht Opel Meriva

— 14.03.2003

Der kleine Zafira

Vier Jahre nach dem Debüt des genialen Zafira schickt Opel wieder einen Kompakt-Van auf die Straße: den Meriva. Eine Nummer kleiner, aber ebenso clever. Mindestens.

Praxisnähe, aber vier Knallfrösche

Vans sind Zentimeter-Fuchser. Darf es etwas mehr in Länge, Höhe oder Breite sein? Oder vielleicht etwas weniger? Von Opel Agila (3,50 m kurz) bis VW Bus T5 (4,89 m lang) – fast jede Größe ist zu haben. Vans sind die neuen Ausstattungswunder. Detailverliebte Konstrukteure überraschen uns immer wieder mit pfiffigen Annehmlichkeiten. Hier noch ein Häkchen, dort eine Schublade, da ein Kipp-/Klappsitz – Fantasie hat überall Vorfahrt.

Vans scheinen den jahrzehntelangen Klassenkampf zu gewinnen. Die Praxisnähe zählt im Alltag, nicht mehr das Prestige. Wie herrlich neidisch auf dem Baumarkt-Parkplatz die Blicke der Limousinen-Besitzer, die sich für ihren Großeinkauf einen Anhänger leihen müssen. Mit einem multivariablen Van wird das selten passieren. Der neue Meriva ist so ein idealer Zwitter. Auf 4,04 Meter Länge bietet er ein Feuerwerk an Ideen. Okay, vier Knallfrösche sind noch dabei.

Drei davon Opel-typisch: Die stacheligen Fußmatten-Halter (Aufpreis) würden Dornröschen nicht einschlafen, sondern vermutlich verbluten lassen. Die zwei kleinen Huptasten finden nur Däumlinge. Und wenn Sterntaler ein Innenlicht aufgehen soll, muss es den Hauptlichtschalter nicht mehr (wie bisher) ziehen, sondern drücken. Dass sich die Heckklappe nur mit altmodischem Druckknopf öffnen lässt und nicht per Griff, mag als Ausrutscher gelten, der hoffentlich bei der nächsten Modellpflege verschwindet.

Viel Variabilität, kein Motor-Gedröhn

Der Meriva macht sonst aber seine Sachen gut. Der in Rüsselsheim und Brasilien (in São Paulo läuft er als Chevrolet Meriva vom Band) entwickelte Zwerg-Zafira steuert und zieht vorne mit der von Corsa und Combo übernommenen Achse, hinten spurt und federt die Torsionslenkerachse von Astra Caravan und Zafira. Dazwischen sprudeln die Ideen. Der Zafira sammelte mit seiner dritten Klappsitzreihe Punkte beim Publikum.

Der Meriva kann ebenfalls als Möbel-Magier brillieren. Sein Hinterteil ist so variabel, dass Opel es sich patentieren ließ. Rücksitz und -lehne sind 40:20:40 geteilt und lassen sich in alle Richtungen verstellen. Hoch/runter, vor/rück, links/rechts – die Rückbank mitsamt neigungsverstellbarer Lehne lässt sich in jede Position verschieben. Wer dazu noch für 110 Euro den Beifahrersitz mit Vorklapplehne ordert, kann sogar ein Surfbrett verstauen.

Diese Variabilität wird allerdings mit harten und konturlosen Rücksitzpolstern erkauft. So sollte der Mittelplatz hinten selten benutzt werden, obwohl auch er seine Gäste mit einem echten Dreipunktgurt sichert, der seine Haltezunge griffgünstig aus dem Dachhimmel streckt. Auf den wirklich gut gebauten Frontstühlen dagegen wird die Meriva-Probefahrt zum Vergnügen.

Der erste Eindruck ist immer der beste: Wer mit geschlossenen Augen einsteigt, der meint in einem wesentlich größeren und schwereren Wagen zu sitzen. Kein nervöses Kleinwagen-Gehoppele, die Feder-Dämpfer-Abstimmung scheint gelungen. Kein Motoren-Gedröhn, die gesamte Antriebseinheit ist per Hilfsrahmen von der Karosserie entkoppelt. Und wenig lästige Außengeräusche – dazu trägt die Passgenauigkeit ebenso bei wie die doppelten Türdichtungen samt Extra-Dichtung an der mittleren Türsäule.

DTI-Diesel wirken etwas schlapp

So können wir uns ganz auf die Motoren konzentrieren. Da sind zunächst zwei 1,6-Liter-Benziner mit 64 kW/87 PS und 74 kW/100 PS. Topversion ist momentan der 1.8er mit 92 kW/125 PS. Die beiden stärkeren konnten wir bereits fahren, wobei uns der 1,8-Liter von der Leistungsentfaltung am besten gefiel.

Zwei Diesel werden ab Herbst angeboten: 1.7 DTI mit 55 kW/75 PS und ein nagelneuer 1.7 CDTI, der mit zeitgemäßer Common-Rail-Einspritzung 74 kW/100 PS auf die Vorderräder bringt. Den Kleinen bekamen wir noch nicht unter den Gasfuß, von der Papierform scheint er aber für fast 1,4 Tonnen Leergewicht etwas schlapp. Auch der neue große Diesel zeigte im Vorserienmodell deutliche Anfahrschwächen, kam erst so ab 2000 Touren richtig in Fahrt.

Wenn die Vierzylinder der Meriva-Mobile bei Richtgeschwindigkeit so fröhlich brummeln, bleibt Muße, über Opels Easytronic-Getriebe nachzudenken. Es wird ab Verkaufsstart im Mai für die zwei stärkeren Benziner angeboten, ab Herbst dann auch in den beiden Diesel-Modellen. Vorbehaltlich späterer Tests kann das vorsichtige Urteil über dieses "automatisierte Fünfgangschaltgetriebe" erst mal nur lauten: Entweder richtig oder gar nicht. Also eine richtige Vollautomatik oder ein Schaltgetriebe. Die in einem 100-PS-Benziner gefahrene Easytronic schien nervös und noch nicht perfekt abgestimmt.

Die 550 Euro wären besser im elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) angelegt (Aufpreis 525 Euro). Verwunderlich auch, dass Kopfairbags für Fahrer und Beifahrer mitsamt aktiven Kopfstützen 380 Euro extra kosten. Zumal Spielsachen wie drei (!) Steckdosen, Leseleuchten oder Getränkehalter serienmäßig sind. Doch an der Sicherheit sollte Opel nicht sparen, auch wenn Van-Käufer Pfennig-Fuchser sind.

Kommentar und Technische Daten

AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz zum neuen Opel Merva: "Opel hat verstanden, ich habe begriffen. So jagt man der Konkurrenz Kunden ab: 50 Prozent soll die Eroberungsrate nach Opel-Meinung betragen, jeder zweite Käufer also von einer anderen Marke kommen. Ich glaube es unbesehen: Dieser patente Pkw – Pardon –, vielseitige Van wird seine Carports in Neubaugebieten finden. Jungfamilien brauchen solche Autos, die schon eine gute Grundausstattung (Bremsassi, ABS, ZV) mitbringen. Doch wirklich billig ist er nicht. Für 14.000 Euro gibt es beispielsweise auch einen ausgewachsenen Astra oder Peugeot 307."

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