Opel Zafira 1.6 CNG

Fahrbericht Opel Zafira 1.6 CNG Fahrbericht Opel Zafira 1.6 CNG

Fahrbericht Opel Zafira 1.6 CNG

— 06.09.2005

Sollen wir jetzt alle Gas geben?

Ein Liter Super für 1,42 Euro, Diesel für 1,16 – da scheinen 53 Cent (umgerechnet) für einen Liter Erdgas paradiesisch ...

Sauber, sicher und bezahlbar

"Wenn das so weitergeht, werden im September viele die Grünen wählen – die wollen den Spritpreis auf fünf Mark senken", so Harald Schmidt vor der Wahl 2002 –selten so gelacht. Die Grünen hatten nämlich schon 1998 angekündigt, den Preis für einen Liter Benzin auf fünf Mark anzuheben. Das Lachen könnte uns aber noch im Halse steckenbleiben, inzwischen liegt der Preis für einen Liter Super schon bei 1,41 Euro – ehemals 2,76 Mark. Und der Ölpreis rast weiter nach oben. Fakt ist: Die Preise für Benzin und Diesel werden so schnell nicht wieder sinken. Wir haben einen anderen Vorschlag: Erdgas. Das ist günstig und sauber, und es gibt erst mal genug davon.

Das meistverkaufte Erdgas-Auto bei uns ist der Opel Zafira. Klar, daß es auch vom Neuen eine Erdgas-Version geben wird. Premiere ist jetzt auf der IAA, der Verkauf beginnt im Frühjahr nächsten Jahres. Wir sind den neuen Zafira CNG (Abkürzung für den englischen Begriff Compressed Natural Gas – zu deutsch: komprimiertes Erdgas) schon jetzt gefahren, haben uns die Technik genau angesehen.

Ich habe bei Erdgas-Autos immer noch eine Riesenangst davor, daß mir alles um die Ohren fliegt. "Alles Quatsch", wischt Stefan Schrahe, der als Chef von Opel Special Vehicles die Erdgas-Aktivitäten verantwortet, meine Bedenken beiseite. "Der CNG ist genauso sicher wie jeder andere Zafira." Ich glaube das einfach mal.

100 Kilometer für 3,98 Euro

Der 1,6-Liter-Benziner wurde gründlich für den Erdgas-Einsatz vorbereitet, er arbeitet unter anderem mit höherer Verdichtung (Erdgas besitzt eine Oktanzahl von 130), bekam Kolben mit einer anderen Legierung, verschleißfestere Ventile und vieles mehr. Der Motor ist monovalent ausgelegt, also für den Erdgasbetrieb optimiert. Er kann zwar auch mit Super gefahren werden – separater 14-Liter-Tank – wird dann aber leicht gedrosselt. Im Erdgas-Betrieb liefert er 97 PS und 140 Nm Drehmoment bei 4200/min. Der Zafira fährt damit ganz normal. Bis zu mittleren Drehzahlen leise und ruhig, ab 3500 Touren knurrig und heiser. Das Temperament hält sich in Grenzen, die 97 PS sind für den Van bestimmt nicht zuviel. Maximal schafft der CNG Tempo 170, quält sich dabei aber ziemlich. Aber erstens reicht das, und zweitens geht es hier ums Sparen.

Und das kann der Zafira gut. Im Durchschnitt liegt der Verbrauch bei 5,3 Kilo/100 km (ein Kilo Erdgas kostet rund 75 Cent; entspricht vom Energiewert 53 Cent für einen Liter Benzin). Das kann man nicht direkt mit einem Diesel vergleichen, weil Erdgas einen höheren Energiegehalt hat. Korrekt umgerechnet bedeutet es: 100 Kilometer im Erdgas-Zafira kosten 3,98 Euro, im Diesel rund das Doppelte. Damit ist eigentlich alles gesagt. Und wir alle sollten – nur unter Kostenaspekten – auf Erdgas umsteigen. Wenn, ja wenn es mehr Erdgas-Autos gäbe und die Sache mit dem Tanken nicht wäre. Denn das ist immer noch umständlich (dünnes Tankstellennetz) und nicht ohne Tücken – siehe Kommentar.

Kommentar von Dirk Branke Erdgas ist sauber und kostet wenig – so weit, so gut. Aber solange ich nach versteckten Tankstellen suchen muß, um mich dann mit klemmenden Rüsseln rumzuärgern, bleibe ich skeptisch. Ich (1,93 Meter, 95 Kilo) habe mal einen Tankwart aus seiner Hütte zur Säule geschleift, weil der mich nur feixend beobachtet hatte, wie ich mit der Gas-Säule gekämpft habe. Das Gerät war nicht nur defekt, sondern man brauchte auch noch irgendeine Karte vom örtlichen Gasversorger. So wird das nix ...

So billig fahren Sie mit Gas

Die Daten beziehen sich auf den alten Zafira – nur von dem liegen alle Werte vor. Bei vier Jahren Haltedauer ist der Gas-Zafira 1419 Euro teurer als der Benziner, aber 511 Euro billiger als der Diesel – ohne Kraftstoffkosten. Bei einem Preis von 1,31 Euro für den Liter Super, 1,14 für Diesel und 75 Cent fürs Kilo Gas bedeutet das: Der CNG fährt schon ab 4580 Kilometer im Jahr günstiger als der Benziner. Zum Abgas: sehr wenig C02, keine Partikel.

Zehn Fragen zum Thema Erdgas

1. Was ist Erdgas? Erdgas ist ein brennbares Naturgas, das in unterirdischen Lagerstätten vorkommt. Häufig wird es gemeinsam mit Erdöl gefunden. Erdöl und Erdgas entstanden in Jahrmillionen aus Meeresorganismen, die starben, absanken, auf dem Meeresboden von Sedimenten bedeckt und so hohem Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt wurden. Die chemische Zusammensetzung schwankt je nach Fundstätte, Hauptbestandteil mit bis zu 80 Prozent ist Methan.

2. Wie lange reichen die bekannten Vorräte? Etwa 65 bis 70 Jahre – und damit vermutlich deutlich länger als die vom Erdöl. Über nennenswerte Vorräte verfügen vor allem Rußland, der Nahe Osten, aber auch Norwegen und Großbritannien.

3. Was kostet Erdgas, und warum ist es so günstig? Der Preis für das Erdgas an der Tankstelle liegt derzeit bei etwa 75 Cent pro Kilogramm, umgerechnet entspricht das einem Benzinpreis von etwa 0,53 Euro pro Liter. Daß Erdgas so billlig angeboten werden kann, liegt am günstigen Mineralölsteuersatz je Liter, der bis 2020 gesetzlich festgeschrieben ist. Er beträgt nur 20 Cent statt 65 Cent beim Benzin.

4. Sind Erdgas-Autos gefährlicher als Benziner oder Diesel? Nein, von ihnen geht keine höhere Gefahr aus. Der TÜV schreibt vor, daß die Tanks einen Druck von 600 Bar aushalten müssen – 300mal soviel wie ein Autoreifen. Hochstabile Sicherheitsventile sorgen dafür, daß bei einem Unfall Erdgas kontrolliert entweichen kann, um Explosionen zu verhindern.

5. Darf ich mit einem Erdgasauto in die Tiefgarage oder ins Parkhaus? Erdgasfahrzeuge dürfen nach den sogenannten Landesbauordnungen in Tiefgaragen und Parkhäusern abgestellt werden. Würde Erdgas trotz aller Vorsicht entweichen, lagert es sich nicht am Boden ab, wie etwa Flüssiggas. Erdgas ist leichter als Luft und würde sich gefahrlos verflüchtigen. Trotzdem ist es jedem privaten Parkhausbesitzer selbst überlassen, Fahrzeugen die Einfahrt zu verbieten.

6. Wie viele Erdgas-Tankstellen gibt es in Deutschland? Im Bundesgebiet gibt es derzeit 602 öffentliche Erdgas-Tankstellen. Zum Vergleich: Es gibt etwa 15.000 "normale" Tankstellen für Benzin und Diesel. Bis 2007 soll das Netz für Erdgasfahrzeuge aber erheblich dichter werden. Angepeiltes Ziel sind 1000 Stationen.

7. Wie ist die Versorgung im Ausland, bekomme ich auch im Urlaub Erdgas? In vielen Ländern problematisch. Nur in Italien, der Schweiz und Österreich besteht bereits eine gute Infrastruktur. Schweden oder Frankreich sind gerade dabei, ein Tankstellennetz aufzubauen. Ein Großteil der Erdgasfahrzeuge wird auch deshalb noch bivalent betrieben, das heißt: Sie können sowohl mit Benzin als auch mit Erdgas fahren, haben Tanks für beides. Monovalente Fahrzeuge haben dagegen nur einen bis zu 14 Liter großen Benzin-Nottank.

8. Wie müssen Erdgas-Autos geprüft werden? Ein Erdgasauto muß genauso oft zur Hauptuntersuchung (TÜV) wie jedes andere Fahrzeug auch. Alle zehn Jahre müssen darüber hinaus die Gastanks komplett demontiert werden.

9. Hält der Motor genauso lange wie bei einem herkömmlichen Fahrzeug? Ja. Die Erdgasverbrennung läuft sogar sauberer ab.

10. Läßt sich Erdgas für mein Auto nachrüsten? Grundsätzlich ja. Aber die Nachrüstung ist kompliziert und Sache eines Fachbetriebes. Die Kosten betragen zwischen 3000 und 4800 Euro – je nach Fahrzeugmodell. Anschließend muß das Auto zum TÜV. Es ist sinnvoller, ein Erdgasmodell direkt ab Werk zu kaufen. Im Vergleich zum Benziner mit identischer Leistung kosten Erdgasautos etwa 2000 Euro mehr. Es gibt aber Förderprogramme lokaler und überregionaler Gasversorgungsunternehmen. Die unterstützen die Anschaffung mit Tankgutscheinen und Zuschüssen zwischen 150 und 2500 Euro. Eine Liste der Förderprogramme steht unter www.erdgasfahrzeuge.de oder kann telefonisch unter 0180/ 2 23 45 00 erfragt werden.

Ausblick: die Gas-Zukunft

CNG ist heute. TNG morgen. TNG steht für Turbo Natural Gas. Und TNG macht Spaß. Opel experimentiert schon länger mit der Aufladung von Erdgasmotoren und erprobt entsprechende Prototypen. Den abgelösten Zafira und den Astra Caravan gibt es versuchsweise mit TNG-Motoren.

Der Hubraum des 1,6-Liter-Benziners und damit das Zylindervolumen bleibt unverändert, aber durch die Zwangsbeatmung ist Schluß mit der eher behäbigen Leistungsentfaltung. Anders als im Sauger geht im TNG richtig die Post ab: 150 PS und ein Drehmomentmaximum von 230 Nm garantieren Fahrspaß zum Sparpreis.

Erdgas hat ja 130 Oktan und ist damit extrem klopffest. Durch die Aufladung läßt sich der hohe Energiegehalt des Gases besser nutzen, da im Gegensatz zum benzinbetriebenen Turbo die Verdichtung nur minimal reduziert werden muß. Das Gas verbrennt so effektiver. Noch ist über die Serienfertigung aber nicht entschieden. Steigt die Nachfrage nach Erdgasautos weiter, kommt bestimmt auch bald TNG auf die Straße.

Welche Hersteller bieten Erdgasautos an?

Erdgasautos kommen bei uns nur sehr langsam in Gang. Im vergangenen Jahr entschieden sich gerade mal 8000 Käufer für ein Erdgasauto – bei insgesamt knapp 3,27 Millionen neuen Autos. Anfang des Jahres 2004 fuhren in Deutschland 19.105 Fahrzeuge mit dem alternativen Kraftstoff, am 1. Januar 2005 waren es immerhin schon 27.175 Stück. Tendenz also: steigend.

Laut einer aktuellen Studie könnten aber bis 2010 bereits 360.000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland zugelassen sein – das hängt auch vom Angebot der Hersteller ab. Die haben den Markt jetzt erkannt und geben mächtig Gas mit neuen Erdgas-Fahrzeugen. In der Tabelle finden Sie aktuelle und künftige Modelle.

Noch eine Alternative: Autogas

Neben dem Erdgas gibt es eine weitere Alternative zu Benzin und Diesel – das Autogas oder LPG (Liquified Petrol Gas). Es besteht aus Propan und Butan. Der auffälligste Unterschied zum Erdgas, das bei etwa 200 Bar gasförmig gespeichert wird: Autogas wird flüssig gespeichert. Der Druck ist dabei mit acht bis zehn Bar viel niedriger.

Der kleine Tank und der geringe Betriebsdruck machen Autogas bei Nachrüstlösungen zur ersten Wahl. Die Kosten dafür sind etwa halb so hoch wie beim Erdgas: rund 2000 Euro. Aber: Autogas lagert sich am Boden ab, kann so ein explosives Gemisch ergeben. Parkhäuser sind nicht generell gesperrt, im Einzelfall kann es aber Probleme geben.

Ein Liter Flüssiggas kostet etwa 56 Cent an rund 850 Tankstellen. Der Verbrauch steigt gegenüber dem Benziner allerdings um zehn bis 20 Prozent. Wie lange sich Autogas-Fahrer noch über die niedrigen Preise freuen können, ist nicht klar. Der geringe Steuersatz ist nur bis 2009 festgeschrieben. Infos: www.autogas-forum.de

Autor: Dirk Branke

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