Fahrbericht Peugeot 1007

Fahrbericht Peugeot 1007 Fahrbericht Peugeot 1007

Fahrbericht Peugeot 1007

— 18.04.2005

Ein besonderer Einstieg

Wieder eine Kleinwagen-Idee, wieder aus Frankreich: Der neue Peugeot 1007 eröffnet schon beim Einsteigen ganz neue Perspektiven.

Leise, aber langsame Schiebetüren

Du kriegst die Tür nicht zu – was Peugeot hier auf die Räder gestellt hat, verdient meine Bewunderung. Mutig verzichten die Franzosen auf (billigere!) Klapptüren, setzen beim 1007 voll auf Schiebung.

Jeder von uns hat noch den Knall im Ohr, dieses blecherne Krawumms, mit dem VW-Bus-Fahrer beim Schließen der Seitentüren die gesamte Nachbarschaft weck(t)en. Damit der kleine 1007 nicht den leisesten Zweifel an seiner akustischen Zurückhaltung aufkommen läßt, bewegen sich die beiden Türen elektrisch. Das geht entweder per Fernbedienung, Antippen des Türgriffs oder der innenliegenden Wipptasten. Die breiten Pforten öffnen fast lautlos – aber auch sehr langsam – den üppigen Einstieg. Ich entere sofort den Fahrersitz, denn seit Oktober 2002 durfte ich den 1007 (hieß als Studie damals noch Sésame) zwar anschauen, aber noch nicht fahren.

Jetzt ist es also soweit: Fünf Monate vor dem Verkaufsstart in Deutschland (September) sitze ich im 1007 "Sport" mit 109 PS. 16.600 Euro wird das Topmodell inklusive des serienmäßigen 2-Tronic-Getriebes bei uns kosten. Bevor ich aber zu dessen Schaltknüppel oder den beiden Paddeln hinterm Lenkrad greife, kommt mir die Preisidee: Für 16.600 gibt es zwar noch keine fünftürige A-Klasse (die nur elf Zentimeter länger ist, dafür 2250 Euro teurer), aber schon einen veritablen Golf mit 102 PS und der repräsentativeren Länge von 4,20 Metern. Das sind 47 Zentimeter mehr – und genau hier hinkt natürlich der Vergleich.

In der Kürze liegt Franzosen-Würze

Wer sich für Wagen wie den 1007 interessiert, für den ist natürlich Kürze die Würze. Dem ist eine schlanke Parklückenfigur wichtig, dennoch darf der Blechanzug nicht zu sehr kneifen und heutzutage auch keinesfalls spartanisch ausgestattet sein. Diesen Kompromiß hat Peugeot erstaunlich gut erreicht. Und das Basismodell kostet ja auch "nur" 13.650 Euro (73 PS).

Bevor nun endlich der 1,6-Liter seine 109 PS an die Vorderräder schickt, greife ich zum Sicherheitsgurt und gleich ins Leere. Ja, wo ist er denn? Irgendwo weit hinten funkelt die Einsteckzunge. Jetzt vermisse ich erstmals in meinem Testerleben den automatischen Gurtbringer, mit dem Mercedes-Benz anno 1981 seiner zumeist älteren SEC-Kundschaft das Anschnallen erleichterte. Der 1007 mit seiner weit nach hinten versetzten B-Säule erzwingt eine 90-Grad-Drehung des Oberkörpers, um an den Gurt zu gelangen. Glücklich, wer affenartige Arme hat oder Hinterbänkler fragen kann, doch bitte mal den Gurt zu reichen.

Jetzt aber voran: Im Automatik-Modus schaltet die 2-Tronic ihre fünf Gänge etwas zu gemütlich und mit manchmal langen Schaltpausen. Beim spontanen Beschleunigen oder überraschenden Kickdown erwischt man den Motor oft auf dem falschen Fuß. Er braucht dann einen Moment, um zu reagieren. Klitzeklein zwar, für den Fahrer in kritischen Einfädel-Situationen aber doch oft ein Schrecksekündchen. Meine klare Empfehlung bei dichtem Stadtverkehr: Automatikmodus ausschalten und per Hand am Knüppel oder an den beiden Schaltpaddeln die Gänge wechseln. Wenn es gemütlich über Land geht, dann ist wieder Automatik-Zeit.

Sicheres Kurvenverhalten, prima Komfort

Vom Charakter her ist der 1007 sehr fahraktiv: leichtgängige und präzise Lenkung, sicheres Kurvenverhalten (wie sicher, kann erst ein Test klar beantworten), prima Komfort. Die Vordersessel sind bequem, die optisch breiten Lehnenwangen aber viel zu weich, können in Kurven den Rücken nur schlecht abstützen. Die beiden Fondinsassen klagen derweil nur über die sehr kurzen Sitzauflageflächen.

Ich bin verblüfft, wie auch vier Personen mit dem 1007-Platzangebot zurechtkommen. Okay, es dürfen keine Riesen sein, und das Gepäck sollte sich auf Format Stippvisite reduzieren. 178 Literchen (ein Polo hat 270) Kofferraum sind arg wenig. Doch sobald hinten Kinder sitzen, können sie die Stühle einzeln um bis zu 23 Zentimeter nach vorn schieben. Nimmt nur eine Person Platz, kann sie die andere Sitzlehne zu einem Tablett umklappen oder den Sitz ganz nach vorn kippen. Er wird dabei nicht einfach irgendwo eingehängt, sondern von einer soliden Gasdruckfeder gehalten.

Sehr gut gefällt mir auch im 1007 der Trend vieler Hersteller, die hinteren Kopfstützen so weit wie möglich zu versenken. Das verbessert die Rücksicht des Fahrers im Innenspiegel, wenn hinten keiner sitzt. Mögliche Rücksitzgäste aber werden automatisch zum Hochziehen der Kopfstützen gezwungen, weil die sonst störend gegen die Schulterblätter drücken.

Technische Daten, Preise und Sicherheit

Der 1007 steckt noch voller weiterer Ideen. Als bei abgestelltem Motor Fotograf Toni Bader mich um alle möglichen Türeinstellungen bat, mußte ich die Schiebetür plötzlich kräftig per Hand öffnen oder schließen. Der Druck auf die Taste provozierte nur einen warnenden Piepton, gleichzeitig leuchtete ein Batteriesymbol. Aha, ein Unterspannungsregler sorgt also dafür, daß der Motor immer noch anspringen kann. Beim Tanken wird die Tür automatisch gesperrt; sollten versehentlich Fuß oder Hand in die sich schließende Tür geraten, dann geht sie wieder auf. Stößt beim Öffnen jemand dagegen, dann stoppt sie sofort.

Den EuroNCAP-Crashtest hat der 1007 übrigens mit voller Punktzahl bestanden; bleibt nur die Frage, wie man eine verklemmte Schiebetür im Ernstfall aufkriegt, der Griff scheint nicht allzu stabil. Dafür hat Peugeot sieben Airbags aufgeboten. ESP ist ebenso serienmäßig wie der Bremsassistent und vier Gurtstraffer. Das beruhigt. Doch mal ehrlich: Zum Verunfallen wird auch ein 1007 nicht gekauft.

Autor: Diether Rodatz

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