Fahrbericht Peugeot 20Cup

Fahrbericht Peugeot 20Cup

— 23.11.2005

Halb fertig: der neue 207

Vorn komplett, hinten fast nichts: Was ist denn das? AUTO BILD fuhr exklusiv einen einzigartigen Peugeot, der alles ist, nur nicht artig.

Erste "Gehversuche" schon vor 100 Jahren

Motorrad und Auto, zwei Gefhrte, zwei Welten. Doch nichts blieb unversucht, sie zu vereinen. Selbst Mercedes-Benz stellte 1997 mit dem F 300 Life Jet ein ultimatives Spagert vor. Ein Dreirad mit ausgetftelter Kurven(neige)technik. Es blieb jedoch bei dem Einzelstck.

Peugeot nimmt das Thema "Threewheeler" erneut auf. Ganz im Sinne des Erfinders, des Mister Henry Frederick Stanley Morgan, der schon vor knapp 100 Jahren an solch einem Zwitter herumtftelte. Die Franzosen nennen ihr ultraflaches Dreirad 20Cup (die 20 leitet sich ab vom 207, Cup steht fr Rennen) und wollen damit nicht nur experimentieren, sondern 2007 sogar eine Rennserie ins Leben rufen.

Erstmals gezeigt worden war der 20Cup bereits auf der diesjhrigen IAA in Frankfurt, und nun hat AUTO BILD die einmalige Gelegenheit, sich in diesem utopisch anmutenden Renner den Wind um die Nase wehen zu lassen.

Respekteinflend ohne Helm luft gar nix

Doch gehen wir erst einmal um das ungewhnliche Gefhrt herum. Da es mit 3,63 Metern so kurz wie ein Mini sein soll, ist kaum zu glauben. Der Vorderwagen gleicht komplett einem Sportwagen. Flach und aggressiv, also absolut nichts Besonderes. Das Gesicht mit den extrem langen Scheinwerfern (Peugeot nennt es Mandelaugen-Design) soll weitestgehend dem des neuen 207 entsprechen.

Eine Windschutzscheibe fehlt. Statt dessen: ein nicht mal handbreiter Plexiglasstreifen. Ich merke schon, ohne Helm luft hier gar nichts. Und wenn ich mir das Hinterteil des 20Cup so anschaue, ist es auch besser so. hnlich wie bei einem Motorrad-Dragster ragt aus der spitz zulaufenden Carbon-Karosserie ein walzenartiger Reifen hervor, eingespannt zwischen zwei dicken Schwingarmen. Respekteinflend.

Doch der breite 18-Zoll-Puschen macht nur auf dickes Gummi, luft lediglich als Fhrungs- und Sttzrad mit. Alle Antriebskraft geht an die Vorderrder. Die Kraft liefert ein nagelneuer Motor, der in Zusammenarbeit mit BMW entstand: ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit Benzindirekteinspritzung, zwei obenliegenden Nockenwellen und Turboaufladung. Auch der nchste Mini soll damit knftig unterwegs sein.

Dickes, eckiges Lenkrad mit groem Display

berhaupt spiegelt dieses Aggregat die aktuelle Entwicklung wider: kleine Hubrume, weniger innermotorische Reibung, geringer Verbrauch, zugleich aber moderne Einspritzung, Aufladung und hohe Leistung. In diesem Fall: 170 PS und 240 Newtonmeter.

"Nicht schlecht, aber das hat der neue Golf GT mit 1,4 Litern und Doppelaufladung auch", denke ich. Leider wiegt der VW ber 1,2 Tonnen, der Peugeot kommt auf nur 600 Kilo. Voil, das klingt doch schon mal nach reichlich Dynamik.

Helm auf. Der Einstieg in den 20Cup erfordert Turnbungen wie frher bei den Bundesjugendspielen. Eine Tr gibt es nicht. Die ungepolsterten (warum eigentlich?) Sitzschalen sind so tief, da meine Fe an den Pedalen hher liegen als mein Hintern. Helfer ziehen den Sechspunktgurt fest, was meine Bewegungsfreiheit auf null reduziert. Vor mir ein dickes, eckiges (!) Lenkrad, in dessen Nabe ein groes Display steckt. Aber: Das, was auf dem Bildschirm angezeigt wird, dreht nicht mit, bleibt stets horizontal. Verrckte Technik.

20Cup beschleunigt wie ein Porsche Carrera

Per Knopfdruck erwacht der Motor mit viel Getse zum Leben. Rennwagen brauchen Rennsound. Auch das gradverzahnte Getriebe rasselt wie eine Dose Schrauben. Ein Schalthebel fehlt. Die sechs Gnge werden ausschlielich per Knopf am Lenkrad gewechselt, dazu sequentiell, das heit der Reihe nach, wie bei einem Motorrad. Rechts hoch, links runter, stets von einem satten Klack begleitet.

Da hinter mir nur ein Rad mitluft, ist beim Blick ber die Haube schon nach der ersten Kurve vergessen. Spursicher und zielgenau fegt der 20Cup ums Eck, seine direkte Lenkung sorgt fast fr Go-Kart-Feeling. Schon aus niedrigen Drehzahlen beit der Motor zu, beschleunigt die Dreirad-Flunder wie einen Porsche Carrera. Nur an den Komfort haben die Peugeot-Ingenieure offenbar nicht gedacht. Gnadenlos schlagen die Betonfugen der Fahrbahn ins Kreuz, so stark, da mir die Brille von der Nase rutscht. Konversation? Unmglich. Hier ist der 20Cup ganz Motorrad. Reden wrde hchstens ber eine Gegensprechanlage funktionieren.

Ich stelle mir die Frage, ob das Ding auch fr die Fahrt zum Bcker taugt, oder es nicht vielleicht doch irgendwie peinlich aussieht. Aber dafr sind viele andere Straenrenner auch nicht geeignet. Der Opel Speedster zum Beispiel. Oder die Lotus Elise, der Renault Sport Spider oder ein Caterham Superseven. Sie alle fhren das Fahren auf seinen Ursprung zurck. Genau wie der Peugeot 20Cup. Henry Frederick Stanley Morgan htte an ihm sicher Freude gehabt. Schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts baute er brigens seinen ersten Threewheeler. Angetrieben von einem Sieben-PS-Motor. Raten Sie mal, von wem der stammte? Von Peugeot. Zuflle gibt's ...

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung