Fahrbericht Peugeot 308

Fahrbericht Peugeot 308 Fahrbericht Peugeot 308

Fahrbericht Peugeot 308

— 05.09.2007

Der riskiert 'ne dicke Lippe

Mit dem Golf-Gegner 308 will Peugeot das Wolfsburger Vorbild stürzen. Aggressives Styling, fairer Preis und eine umfangreiche Qualitätsoffensive sollen helfen.

Wer so weit das Maul aufreißt, muss aufpassen, dass ihm niemand über den Mund fährt. Peugeot weiß, wie es sich anfühlt, wenn Kunden mit Reklamationen drohen. Nicht zuletzt die elektrischen Problemzonen des 307 führten zu heftigen Qualitätsdebatten und aktuell sogar zu einem Rückruf. Darum soll der Nachfolger 308 nun ab dem 15. September 2007 die Wehwehchen seines Vorgängers vergessen lassen. Und er soll nicht nur eingeschüchterte Stammkäufer von Peugeot bei Laune halten, sondern auch VW-Kunden vom Golf-Platz locken. Natürlich mit vollmundigen Versprechen: bessere Qualität, neue Maßstäbe bei Material und Verarbeitung – das ganze Programm. Oh, là, là ... Ein kompletter Neustart soll es werden. Gegner und Maßstab bleibt der Alte: VW Golf.

Hauptsache auffallen: Der 308 zeigt ein fieses Zahnspangen-Grinsen

Jedes Auto hat seine Schokoladenseite. Die vom 308 ist hinten.

Von dem übernimmt Peugeot auch das neue Erfolgsrezept für Benziner, kleine Hubräume durch Aufladung stark zu machen. So wie beim 1.6 THP (Turbo High Pressure) mit 150 PS, der zum ersten Kräftemessen auf sein deutsches Vorbild trifft. Anders als der Golf gibt Peugeot alles, um aufzufallen. Mit einer massiven, fast schon diabolischen Front und aggressiven Lufteinlässen. Gezähmt durch einen Stoßfänger, der sich wie eine Zahnspange über den Kühler legt. Die Seitenlinie zeichnet einen großgewordenen 207. Das Heck betonen Rückleuchten, schwebend wie Paragleiter über den Radhäusern. Jedes Auto hat seine Schokoladenseite, die vom 308 ist hinten. Beim Einsteigen wundert der geringe Öffnungswinkel der Türen – bequem geht's hier nicht hinein.

Schöner Arbeitsplatz: straff gepolsterte Sitze, qualitativ hochwertiges Cockpit.

Anders der Platz hinterm Lenkrad mit ausgeformten Wangen, straffer Polsterung und einer guten Aussicht auf hübsche Zifferblätter in Weiß mit Chromrahmen. Alles ist sauber zusammengesetzt, dem Qualitätsanspruch angemessen. Oberhalb des Rückspiegels hängt eine familienfreundliche Anzeige. Sie kontrolliert unangeschnallte Kinder und informiert, ob der Beifahrerairbag an oder aus ist. Auch im Fond entwickelte Peugeot eine kinderliebe Hutablage. Ja, die gibt es wirklich, sie lässt sich aufklappen und verstaut Malstifte. Erwachsene sitzen hinten entspannt, es sei denn, sie nähern sich der 1,90-Meter-Marke. Weil die Dachlinie nach hinten abfällt, bekommen Riesen schnell was auf den Kopf. Der Golf ist da großzügiger. Beim Ladevolumen schenken sie sich nichts – beide bieten 350 Liter. Allerdings lässt sich der Golf leichter beladen, seine Sitze sind einfacher zu klappen.

Wie erwähnt verfolgen bei den Motoren beide Hersteller das gleiche Konzept: wenig Hubraum, viel Leistung, geringer Verbrauch. Peugeot holt aus dem 1,6-Liter 150 PS per Turbo. VW ergänzt den 1.4 (140 PS) außerdem noch um einen Kompressor. Beim Fahren fühlen sich beide extrem kraftvoll und geschmeidig an. Im Gegensatz zu seiner schrillen Optik schlägt der Peugeot die leiseren Töne an. Der VW klingt kerniger. Patt beim Verbrauch: 7,1 zu 7,1 Liter. Die Fahrt über Kopfsteinpflaster zeigt, hier hat Peugeot aufgeholt. Der 308 rollt ähnlich souverän ab wie der Golf. Beim Getriebe lernten sie allerdings nichts dazu: fünf Gänge, lange Wege. Erst im nächsten Jahr soll ein Sechsganggetriebe verfügbar sein.

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko

Der 308 – ein Maulheld. Nein, da steckt schon mehr dahinter. Ein gutgehender 1.6 Turbo, ein komfortables Fahrwerk, ein ansprechender Innenraum. Nach wie vor stören das unexakt schaltbare Getriebe, die schlechte Übersicht. Besser als ein Golf fährt der 308 nicht. Aber er findet Anschluss.
PEUGEOT 308 Sport 150 THP
Motor/Hubraum Vierzylinder, Turbo/1598 cm3
Leistung 110 kW (150 PS)
Drehmoment bei U/min 240 Nm/1400
0-100 km/h 8,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 213 km/h
Verbrauch (Liter/100 km) - CO2 7,1 Liter Super - 167 g/km
Leergewicht/Zuladung 1402/424 Kilo
Kofferraumvolumen min/max 348/1201 Liter
PREIS ab 21.200 Euro
positiv: spritziger Motor, umfangreiche Ausstattung, gute Sitze, angenehmer Fahrkomfort
negativ: schlabberig schaltbares Getriebe, umständliches Klappsystem, schlechte Übersicht
NOTE: 2-

Autor: Margret Hucko

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