Fahrbericht Peugeot 407 Coupé

Peugeot 407 Coupé Peugeot 407 Coupé

Fahrbericht Peugeot 407 Coupé

— 04.10.2005

Vorne hui ...

... hinten aber, sagen wir mal, weniger aufregend. Peugeots neues Coupé besticht dafür mit großzügiger Ausstattung und starken Motoren. Sogar der gefilterte V6-Diesel ist jetzt dabei.

Hausgemachtes Coupé-Design

Seit fast 50 Jahren ließ Peugeot seine Coupés von Pininfarina zeichnen, zum Teil wurden sie auch in San Giorgio Canavese bei Turin gebaut. Mit dem 407 Coupé wird diese Tradition nun beendet; das hauseigene Centre de Style Peugeot gewann den internen Wettbewerb um die Form des neuen Coupés, das ja auf der 407-Limousine basiert und ebenfalls in Rennes gebaut wird. Klares Markenzeichen: Der gewaltige Ferrari-Schlund, der Straße und Vordermänner förmlich in sich aufsaugen möchte.

Letztere sollten sich auch vorsehen: Immerhin liegt die Höchstgeschwindigkeit der drei Motor-Versionen zwischen 222 und 241 km/h. Zum Glück entschärft im Coupé ein verchromtes Gitter den Grill, läßt ihn etwas weniger hungrig erscheinen. Langweiliger hingegen das Heck. Dessen Allerweltsdesign reißt einen nicht vom Hocker, da hätte Pininfarina sicher eine bessere Lösung parat gehabt. Immerhin: Hinten verbirgt sich über dem echten Reserverad auf Stahlfelge ein Frachtraum von 400 Litern, der sich dank getrennt vorklappbarer Rücksitzlehnen kinderleicht vergrößern läßt.

Unverständlich nur, warum die Sitzfläche aus einem Stück besteht, nicht ebenso wie die Lehne geteilt ist. Dabei ist die Bank pfiffig konstruiert: Beim Zurückklappen in Sitzstellung flutschen die Gurtschlösser ganz von allein in ihre vorgegebenen Positionen, nichts verheddert oder verhakt sich. Doch das wird der Käuferschicht möglicherweise ziemlich egal sein, sie wird höchstens beim Beladen über die sehr hohe hintere Ladekante ächzen. Denn die Käufer dürften überwiegend schon grauhaarig sein.

Der Diesel ist die Sanftmut in Grauguß

Peugeot beschreibt die typische Coupé-Zielgruppe sehr elegant mit: "... eine dem Leben zugewandte, genuß- und konsumorientierte Klientel, die nicht mehr arbeiten muß". Auf deutsch: Rentner, macht die Piepen locker und legt mindestens 28.900 Euro auf den Tresen des Händlers. Dafür bekommt ihr 163 (2.2- Vierzylinder) bis 204/211 PS (V6-Diesel oder -Benziner).

Die beiden V6 können wir wärmstens empfehlen. Der Benziner begeistert die jungen Alten, er mag und braucht (1,7 Tonnen Leergewicht!) Drehzahlen, wenn es etwa ums Einfädeln auf die Autobahn geht. 7,8 Sekunden auf Tempo 100 meldet das Peugeot-Datenblatt fürs Sechsgang-Schaltgetriebe. Die Automatik macht ihn spürbar zäher, soll den Spurt in 9,1 Sekunden erledigen. Der Diesel hingegen ist die Sanftmut in Grauguß mit Vermikulargraphit (hat gegenüber herkömmlichem Grauguß eine doppelte Festigkeit bei 15 Prozent geringerem Gewicht).

Der 2,7-Liter schüttelt seine 440 Newtonmeter Drehmoment schon bei 1900 Umdrehungen aus den sechs Zylindern, was eine sehr entspannte Fahrweise garantiert. Das Beste: Wie schon im Citroën C6 sorgen bis zu sechs Einspritzungen pro Arbeitstakt und eine vorzügliche Geräuschdämmung dafür, daß der selige Rudolf Diesel selbiges wäre, weil von seinem Arbeitsprinzip im Fahrgastraum absolut nichts mehr zu hören ist. Nur durch das frühere Abschlaffen irgendwo bei 4500 Umdrehungen (der Dreiliter-Benziner wird hier erst richtig wach) verrät sich der Selbstzünder.

Motorisierungen und Preise

Am Steuer selbst fühlt sich das Coupé leichtfüßig an wie die Limousine, läßt Fahrbahngeräusche nur minimal nach innen dringen und gibt sich recht komfortabel. Lediglich die Gläser von Instrumenten und Navigation könnten eine Entspiegelung vertragen (Navi kostet ab 2000 Euro extra, einschließlich SOS-Notruf in Deutschland, Frankreich und Italien; Spanien und Benelux folgen Ende des Jahres). Mit der Länge von nunmehr 4,82 Metern, gegenüber dem Vorgänger ein Zuwachs von immerhin 20 Zentimetern, dürften auch junge Fahrer Schwierigkeiten haben.

Die lange Nase jedenfalls ist nur zu erahnen. Zusammen mit dem stattlichen Wendekreis von zwölf Metern sollten ältere Parkhäuser möglichst gemieden werden. Zwar baut Peugeot hinten Parkpieper serienmäßig ein, vorn kosten die hilfreichen Gehör-Nervtöter beim "Sport" aber 300 Euro extra. Erst im Topmodell Platinum (plus 3100 Euro) stecken die Sensoren serienmäßig im Stoßfänger. Stolz vermeldet Peugeot Deutschland, das 407 Coupé sei gegenüber seinem Vorgänger 406 sogar 640 Euro billiger geworden.

Die Kundschaft dürfte es freuen, denn die Aufpreisliste für die Basisausstattungs-Version "Sport" ist verblüffend kurz: CD-Wechsler, Kurvenlicht, Einparkhilfe, Handyvorbereitung, beheizbare Sitze und Metallic-Lack kosten Aufpreis. Beim Topmodell "Platinum" sind es nur noch Navi, Handy, Sonderlack, Leder und Alarmanlage. Jährlich 4800 Coupés sollen hierzulande Käufer finden. Kein zu hohes Ziel angesichts der Preispolitik.

Autor: Diether Rodatz

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