Pontiac Solstice

Pontiac Solstice Pontiac Solstice

Fahrbericht Pontiac Solstice

— 14.10.2005

Dahinter steckt der Opel GT

Kulturpflege nach Opel-Art: Anfang 2007 kehrt der GT zurück. Diesmal kommt er aus der Neuen Welt und hat zwei amerikanische Brüder.

Mini-Überhänge und ein sexy Knack-Po

Rita ließ sich nicht abschütteln. Hartnäckig verfolgten uns die Ausläufer des Tropensturms bis in die letzte Kurve von Michigan. Keine idealen Bedingungen für den ersten Ausflug im zuckersüßen Pontiac Solstice, dem neuen Shootingstar am amerikanischen Roadster-Himmel. Unser Schnupperkurs fernab der Heimat war auch eine Fahrt in die Zukunft. Denn unter dem Blechkleid des Solstice (übersetzt: Sonnenwende) steckt die Technik des kommenden Opel GT, der im Frühjahr 2007 zu uns kommt.

Opel-Mutter General Motors baut auf der Heckantriebs-Plattform Kappa gleich drei flotte Frischluft-Flitzer. Im Werk Wilmington im US-Bundesstaat Delaware läuft ab März 2006 neben dem Solstice auch das Schwestermodell Saturn Sky vom Band, aus dem wiederum wird – mit nur ein paar kleinen optischen Änderungen – später der Opel GT. Auf diesen US-Einwanderer können wir uns schon heute freuen. Ein schnörkelloser Bursche mit messerscharfen Kanten und breiten, maskulinen Schultern, aggressiven Lufteinlässen sowie windschnittigen Powerdomes, die in zwei Wellen hinter den Kopfstützen münden.

Bei nahezu gleicher Außenlänge wird der GT potenter, breiter und erwachsener wirken als der Solstice. Dennoch ist auch der Pontiac ein gelungener Wurf des Design-Teams um Brian Nesbitt. Die Linien weniger aggressiv, aber die Proportionen der Hammer. Mini-Überhänge – und ein Knackpo zum Reinbeißen. Mit 3,99 Metern ist der Solstice exakt so kurz wie ein Mazda MX-5 und hinreißend sexy. Kein Wunder, daß sich die US-Presse in Lobgesängen überschlägt und ihn bereits als Mini-Corvette feiert.

Platzmangel an allen Ecken und Enden

Die Produktion (12.000 pro Jahr) ist schon wenige Wochen nach der Premiere ratzeputz ausverkauft, wer jetzt bestellt, muß fast bis Ende 2006 warten. Mit 19.900 Dollar (knapp 16.000 Euro) startet der Handtaschen-Roadster allerdings auch in Regionen, von denen wir in Deutschland nur träumen können. Zu diesem Kurs fahren aber weder ABS noch ESP mit. Das deutsche GT-Derivat wird über das komplette Sicherheitspersonal verfügen.

Zudem sollen höherwertigere Materialien zum Einsatz kommen und überhaupt alles auf Opel-Standard getrimmt werden. Das kostet natürlich. Auf ein angedachtes versenkbares Stahldach wurde deshalb ebenso verzichtet wie auf einen Sechszylinder. Man darf gespannt sein, wo sich der Preis jetzt einpendelt. 25.000 Euro waren mal angepeilt ... So oder so: viel Geld für ein Autochen, das so kompromißlos ausgelegt ist. Worauf wir verzichten müssen, deutet der Solstice schon mal an: auf Platz in jeglicher Form. Beispiel Kofferraum. Im Prinzip nicht existent. Weil sich hinten unter der Haube auch der Tank breitmacht, passen schon mit geschlossener Kapuze nur knapp 100 Liter Gepäck rein.

Mit zusammengefaltetem Verdeck ist dann aber komplett Feierabend. Eine optionale Gepäckbrücke im Stile der frühen britischen Roadster sollen Solstice und seine Brüder später zumindest etwas reisetauglicher machen. Die freiwillige Selbstbeschränkung greift nahtlos in den Innenraum über. Auch hier ist alles extrem eng. Bis auf ein Minifach gibt's keinerlei Ablagen. Hinter den Sitzen ist sofort Schluß, Fahrer und Beifahrer trennt ein massiver Mitteltunnel, die engen Fußröhren sind für schlanke Passagiere konfektioniert.

Technische Daten und Preis

Okay, wer keinen Spaß versteht, wird sich kaum für so ein puristisches Sportgerät interessieren. Aber mit dem Spaß ist das – zumindest beim Solstice – so eine Sache. Da hätte ich mehr erwartet. Mehr Esprit, mehr Feuer, mehr Fahrfreude. Von der Agilität eines MX-5 ist der US-Boy jedenfalls meilenweit entfernt. Am Fahrwerk liegt es kaum, das ist knackig hart und ordentlich abgestimmt. Auch die Verwindungssteifigkeit ist okay, ebenso die Frischluftversorgung. Hinter der kleinen Frontscheibe sitzt du voll im Freien und läßt dir herrlich den Wind um die Nase pfeifen.

Trotzdem fehlt mir dieses Will-ich-haben-Gefühl. Dafür ist die Übersichtlichkeit zu dürftig, die Lenkung zu passiv und ungenau, die Schaltung zu schwergängig und der 2,4-Liter-Vierzylinder schließlich eine einzige Enttäuschung. 177 Pferde müßten dem kleinen, jedoch überraschend schweren Solstice (1297 kg) eigentlich dermaßen den Marsch blasen, daß ein 24-Stunden-Grinsen Pflicht ist. Weit gefehlt. Du gibst Gas, der Motor wird laut und lauter, so, als wolle er sagen: Jetzt kannst du aber was erleben. Und dann: verpufft der Zorn im nichts. In keinem Drehzahlbereich geht es wirklich voran, hat man das Gefühl, daß man einen spritzigen Sportwagen unterm Hintern hat.

Ein Sturm im Wasserglas – der dem Opel GT erspart bleibt. Er bekommt den 2,2-Liter-Turbo mit 200 PS, den wir schon aus dem Astra GTC kennen. Zudem versprechen die Opelaner, sich noch einmal Getriebe und Lenkung vorzuknöpfen. Feinarbeit für das großes Ziel, einen würdigen GT-Erben auf die Räder zu stellen. Hoffentlich macht der Himmelsstürmer dabei preislich nicht noch den Abflug.

Technische Daten Reihen-Vierzylinder • vier Ventile je Zylinder • zwei obenliegende Nockenwellen • Hubraum 2384 cm³ • Leistung 132 kW (177 PS) bei 6600/min • maximales Drehmoment 225 Nm bei 4800/min • Hinterradantrieb • Fünfgang • Einzelradaufhängung vorn und hinten • Kofferraum 108 Liter (geschlossenes Verdeck) • Tank 52 Liter • Länge/Breite/Höhe 3992/1810/1273 mm • Reifen 245/45 R 18 • Leergewicht 1297 kg • Verbrauch 10 l/100 km/h • Preis 19.900 US-Dollar

Autor: Tomas Hirschberger

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