Test Porsche 911 Carrera

Porsche 911 Carrera Facelift Porsche 911 Carrera Facelift

Fahrbericht Porsche 911 Carrera

— 13.06.2008

Zeit ist Geld

Doppelkupplungsgetriebe, Benzin-Direkteinspritzung und Multimedia-Technik – Porsche macht den 911er zukunftsfähig, sparsamer und natürlich schneller. autobild.de zu Besuch beim Klassiker.

Was kostet die Welt? Eine, zugegeben, mächtig philosophische Frage für den Beginn eines Fahrberichts. Philosophisch zwar – für einen Porsche-Fahrer aber leicht zu beantworten: 83.032 Euro. Dafür darf man sich ab dem 5. Juli 2008 in Zuffenhausen einen nagelneuen 911 Carrera abholen. Verbunden mit dem guten Gefühl, einen "der besten Sportwagen der Welt" erstanden zu haben. Dass diese "perfekte Synthese aus Sportlichkeit, hohem Alltagsnutzen, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit" (Porsche-Pressemappe) aussieht, wie ein Porsche eben aussieht, ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Zuffenhausener Autobauer. Solange ein klassischer 911er dabei herauskommt, dürfen sich die schwäbischen Entwickler technisch gerne austoben. Vor diesem Hintergrund muss man sich keine allzu großen Sorgen um die Verkaufszahlen der intern 997/2 genannten nächsten 911er-Generation machen. Das Design passt. Unterm klassisch in Form gepressten Blech blieb allerdings kaum ein Schräubchen auf dem anderen.

Neue Boxer-Motoren mit Benzindirekteinspritzung

Die Zusammenfassung der Umbauarbeiten klingt beeindruckend. Im Heck wummert künftig eine komplett neue Motoren-Generation mit Benzin-Direkteinspritzung (DFI). Die neuen Boxer sind stärker, leichter und sparsamer als ihre Vorgänger, kommen mit weniger Bauteilen aus und schaffen locker die zukünftigen EU5-Grenzwerte. Neu im Team ist auch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das bei Porsche PDK heißt. Ein Carrera mit PDK an Bord wechselt die Gänge ohne Zugkraftunterbrechung, hängt im Sprint alle Vorgänger ab und senkt Verbrauch (minus 12 Prozent) sowie CO2-Ausstoß (minus 14 Prozent).

Das letzte Stündlein der Wandler-Automatik hat geschlagen

Wenn es schnell gehen muss: Das Chrono-Plus-Paket macht den 911er in Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe fit für die Rennstrecke.

Die große Porsche-Revolution also? Im Gegenteil: Einsteigen, Zündschlüssel links ins Schloss, drehen, genießen. Die neuen Boxer melden sich genauso rotzig zum Dienst, wie man das als 911er-Fahrer gewöhnt ist. Eine kurze Phase des Kennenlernens muss nur einplanen, wer sich für das neue Doppelkupplungsgetriebe entscheidet. Zusammen mit dem 3510 Euro teuren Schnellschalter zieht ein mit Schaltwippen bestücktes Lenkrad und ein neuer Wählhebel ins ansonsten unveränderte Carrera-Cockpit. Über die Positionierung der Schaltwippen im Lenkrad kann man streiten, über den Sinn des PDK nicht. Zwei Kupplungen sortieren die sieben Gänge. So ist immer ein Gang eingelegt und der nächste bereits vorgewählt. Schaltpausen gibt es nicht. Das gefällt beim entspannten Cruisen und begeistert beim Ritt auf der Rasierklinge. Liebe Freunde der klassischen Automatik: Das war's für euch!

Eine Sekunde für 4604 Euro

Die Qualitäten des PDK sind messbar. Auf der Strecke. An der Tankstelle. Und leider auch im Geldbeutel. Carrera (345 PS) und Carrera S (385 PS) sind mit PDK und Sport Chrono Plus-Paket beim Sprint von null auf 100 genau eine Sekunde schneller als das Vorgängermodell mit der herkömmlichen Tiptronic-S-Automatik. Verbrauch und CO2-Ausstoß sinken um über zwölf, beziehungsweise mindestens 14 Prozent. Das Problem: Zeit ist Geld. PDK (3510 Euro) und das Sport Chrono Plus-Paket (1094 Euro) sind finanziell dicke Brocken. Und so können Porsche-Fahrer in Zukunft nicht nur die Frage beantworten, was die Welt kostet, sondern auch, wie viel man für eine Sekunde investieren muss: 4604 Euro. Mindestens.

Bluetooth-Telefon und iPod müssen nicht mehr draußen bleiben

Klassisch: Egal wie modern er ist – ein Porsche 911 muss immer aussehen wie eine Porsche 911.

Zusätzlich Luft im Budget sollten Fans mobiler Kommunikation einplanen. Porsche hat nämlich nicht nur unterm Blech die Zeichen auf Zukunft gestellt, sondern auch in Sachen Elektronik. Das in die Jahre gekommene Navi- und Kommunikationsmodul PCM muss sich endlich nicht mehr hinter der Konkurrenz verstecken. Touchscreen-Display, Festplatten-Navigation, iPod-Schnittstelle, TV-Tuner und Bluetooth-Freisprechanlage sind zwar nicht ab Werk an Bord, können aber separat geordert werden. Dass dabei der Gegenwert eines gut erhaltenen Gebrauchtwagens in der Mittelkonsole verschwindet, dürfte Porsche-Fans nicht schocken. Solide Preise haben in Zuffenhausen Tradition. Für die 8032 Euro, die der Porsche-Händler für die sensationellen Keramikbremsen (PCCB) berechnet, bekommt man bei anderen Herstellern ein ganzes Auto.

Fazit von autobild.de-Redakteur Jochen Knecht: Willkommen in der Gegenwart. Natürlich ist auch der 997/2 wieder der beste Porsche aller Zeiten. Die neuen Direkteinspritzer sind eine Wucht und passen perfekt zum neuen Doppelkupplungsgetriebe. Der direkte Vergleich mit dem Vorgänger zeigt aber auch, dass sich die Schwaben aber vielleicht ein paar Jahre zu lange auf ihren Lorbeeren ausgeruht haben. Der Entwicklungsschritt ist gewaltig.
Porsche 911 Carrera – die Preise
Porsche 911 Carrera 83.032 Euro
Porsche 911 Carrera Cabriolet 93.980 Euro
Porsche 911 Carerra S 93.980 Euro
Porsche 911 Carrera S Cabriolet 104.928 Euro

60 Jahre Porsche: Hier können Sie mitfeiern!

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