Fahrbericht Porsche 911 GT3

Fahrbericht Porsche 911 GT3 Fahrbericht Porsche 911 GT3

Fahrbericht Porsche 911 GT3

— 31.03.2006

Porsche-Power pur

Weniger Pfunde, mehr PS: Mit dem GT3 bringt Porsche ehrlichen Motorsport auf die Straße. Die Sport-Taste macht ihn gnadenlos.

Harte Droge mit reichlich Nebenwirkungen

Er ist wieder da. Endlich. Nach fast zwei Jahren Enthaltsamkeit verabreicht Porsche den 911-Junkies wieder die härteste Droge, die der Giftschrank in Zuffenhausen zu bieten hat: den GT3. Absolut rezeptpflichtig – und nicht nur wegen des stolzen Preises von 108.083 Euro mit reichlich Nebenwirkungen. Porsche-Fans wissen: Das magische Kürzel GT3 steht für "mehr 911 geht nicht". Er ist der Chef, der sportlichste Elfer, Porsche pur.

Mit einem dumpfen Räuspern springt er an. Dann grollt der Sechszylinder-Boxer wie ein entferntes Gewitter. Kenner hören den akustischen Unterschied zum Carrera bereits beim Beschleunigen. Die GT3-Atemwege wirken einfach noch freier; er saugt und trompetet inbrünstiger als seine zivileren Geschwister. Denen gegenüber röhrt der GT3 aber auch über eine deutlich voluminösere Abgasanlage. In den beiden Vorschalldämpfern sorgen Klappen dafür, daß die Geräusche im gesetzlichen Rahmen bleiben. Ein gelungener Kunstgriff: Der GT3 kann es bei seinem maschinenhaft-sägenden Motorsound fast mit einem Ferrari aufnehmen.

Auch sonst spielt er in einer Liga mit den italienischen Herzensbrechern. 415 PS kitzelt Porsche aus dem 3,6-Liter-Saugmotor, was einer Literleistung von 115 PS entspricht. Wahnsinn – und wahrlich kein Kinderspiel. Ob Pleuel, Kolben, Kurbel- oder Nockenwelle, ob Ventile, Stößel oder Ansaugtrakt – alles am 3,6-Liter-Aggregat wurde gegenüber dem Carrera frischgemacht. Selbst Bohrung und Hub sind nicht identisch. "90 Prozent vom Carrera-Motor wurden verändert. Gleich ist eigentlich nur das Kurbelgehäuse", verrät Projektleiter Andreas Preuninger.

Erstmals mit dem PASM-Fahrwerk bestückt

Trotz aller Superlative bleibt der GT3 voll alltagstauglich. Die Fahrt über schlechte Straßen ist zwar kein Vergnügen, aber erträglich. Erstmals bietet Porsche für den GT3 das PASM-Fahrwerk. Jede Wette: Die Sport-Taste wird auch von den kernigsten GT3-Eignern nur auf der Rennstrecke betätigt. In der straffen Auslegung werden öffentliche Straßen zur Zumutung für Beifahrer und Bandscheiben.

Auf der Piste ist die straffere Auslegung dagegen ein Segen. Dort stehen dem Piloten gleich vier Optionen offen: straffere Dämpfer, Traktionskontrolle aus, 25 Newtonmeter mehr Drehmoment sowie eine völlige Deaktivierung aller Fahrhilfen. In dieser Einstellung wird der Ober-Porsche endgültig zum Driftgerät alter Prägung. Lenkung, Gaspedal und Bremse sind dann gnadenlos direkt.

Bis zu einem gewissen Grad bleibt das Lenken mit dem Gaspedal eine spielerische Übung. Wer aber auf Bestzeit fährt, braucht viel Erfahrung. Und Mut. Beim Herausbeschleunigen aus Kurven verbeißt sich das Heck regelrecht in die Fahrbahn, schiebt den Hecktriebler präzise nach vorn, und man möchte Gas geben, bis der Arzt kommt. Der mechanische Grip liegt derart hoch, daß auch weniger geübte Fahrer sehr schnelle Rundenzeiten schaffen. "Nicht-Profis sind mit dem GT3 ebenso schnell wie mit dem viel stärkeren Mittelmotor-Zehnzylinder Carrera GT", lobt Porsches Cheftestfahrer Walter Röhrl den Sport-Elfer. Mitverantwortlich dafür sind die speziell entwickelten Michelin-Sportreifen, in die nur ein Minimal-Profil geschnitzt wurde. Die 305er-Walzen hinten sorgen denn auch für tierische Traktion. Der GT3 klebt auf der Straße wie ein Gecko an der Decke.

Die Technischen Daten

Kein Zweifel: Dieser Porsche ist Sportler durch und durch. Und bei einer Jahresproduktion von nur 900 Exemplaren auf öffentlichen Straßen ein höchst seltener Gast. Allerdings einer, der auffällt. Besonders von hinten wirkt er aufdringlich wie ein geschmücktes Zirkuspferd – was vor allem am gewaltigen Heckflügel liegt. Das Leitwerk zeigt Überholten eindeutig, was auf der linken Spur gerade vorbeigezischt ist.

Selbstverständlich ist der Spoiler keine Spielerei, sondern Teil des aerodynamischen Gesamtkunstwerkes mit dem glatten Unterboden. Und wem das alles noch nicht reicht, der kann aufpreisfrei das Clubsportpaket mit Überrollkäfig, Sechspunkt-Gurten sowie Batterie-Hauptschaltervorrüstung bestellen. Eine noch stärkere Dosis GT3 folgt schließlich im Herbst. Dann bietet Porsche zusätzlich eine weiter abgespeckte RS-Variante an. Über deren Nebenwirkungen wird AUTO BILD dann berichten. Natürlich völlig rezeptfrei.

Technische Daten: 6-Zylinder-Boxer • 4 Ventile pro Zylinder • 4 obenliegende Nockenwellen • Hubraum 3600 cm³ • Leistung 305 kW (415 PS) bei 7600/min • max. Drehmoment 405 Nm bei 5500/min • Heckantrieb • Sechsgang • Kofferraum 105 Liter • Tank 90 Liter • Länge/Breite/Höhe 4427/1808/1280 mm • Reifen vorn 235/35 ZR 19, hinten 305/30 ZR 19 • Leergewicht 1395 kg • Spitze 310 km/h • 0–100 km/h in 4,3 Sekunden • Verbrauch 13,0 l SP/100 km • Preis: 108.083 Euro.

Autor: Jörg Maltzan

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