Fahrbericht Porsche Boxster S

Fahrbericht Porsche Boxster S Fahrbericht Porsche Boxster S

Fahrbericht Porsche Boxster S

— 15.10.2004

Porsches Bester

Jetzt bringt Porsche den Boxster in Bestform. Und macht ihn damit zum ernsthaften Gegner für seinen großen Bruder 911 Carrera Cabrio.

Sportives Erbgut des 911 Carrera

Unglaublich, die Zeit rennt schneller, als jeder Tacho anzeigen kann. Bereits im August 1996 positionierte Porsche den Boxster als Einstiegsmodell unterhalb der klassischen Elfer-Reihe. Acht Jahre und rund 160.000 Roadster (davon 20 Prozent in Deutschland) später, bekommt der im finnischen Uusikaupunki gebaute Zweisitzer eine gründliche Frischzellenkur. Gut für den (geringen) Wertverlust des Alten: Die Kur fiel recht dezent aus. Bei oberflächlicher Betrachtung läßt sich kaum ein Unterschied erkennen. Rund 80 Prozent der Teile sollen laut Porsche aber verändert und verbessert worden sein. Gut für die Zukunft des Neuen: Dank vieler Bauteile des auch gerade renovierten 911 Carrera überträgt sich dessen sportives Erbgut.

Bei einer ersten Probefahrt im schwäbischen Raum konnten wir zur DNA-Analyse (Dynamik, Nutzwert, Aussehen) schreiten, deren erste Auswertung dem fast doppelt so teuren 911 Carrera Cabrio gefährlich wird. D wie Dynamik: Wer je in einem Porsche gesessen hat, erkennt ihn im Schlaf wieder und träumt davon. Linke Hand zum Zündschlüssel, kurzer Drehimpuls, und irgendwo hinten im Untergrund nimmt der Sechszylinder-Boxer sein Training auf. Kaum hat er sich warm gemacht, stürmen die 280 PS im Boxster S (ohne S: 240 PS) rasant los, in 5,5 Sekunden soll er auf Tempo 100 sein, Spitze ist mit 268 km/h (ohne S: 6,2 Sekunden, 256 km/h) angegeben. Das 911 Carrera Cabrio ist beim Spurt nur ganze 0,3 Zähler schneller, bei freier Autobahn zeigt sein Tacho 285.

Zum Vergleich: Die beiden nunmehr alten Boxster leisten 228 und 260 PS, spurten in 6,4 beziehungsweise 5,7 Sekunden auf Tempo 100, sind 253 respektive 264 km/h schnell. Wer je in einem Porsche Sechszylinder gesessen hat, der wird auch das Geräusch nie vergessen. Allein das Crescendo beim Hochdrehen (beim S beginnt der rote Bereich bei 7100 Umdrehungen) sorgt für Gänsehaut, so daß der motor-musikalische Fan die Nadel des Tourenzählers am liebsten zwischen 5000 und 7000 hält. Wobei die pingelige Verbrauchsanzeige brutal daran erinnert, daß Scheichs und Staat diese Gangart ebenfalls sehr schätzen.

Stoppuhr zur Rundenzeiten-Kontrolle

Wer es normal angehen läßt, der soll im Boxster S 10,4 Liter Super plus verheizen, im Basismodell 9,6 Liter. Die beiden Vorgänger sind mit 10,5 und 9,7 Litern angegeben, das große Elfer Cabrio mit 11,1. Kurz zum Fahrwerk: Auf normalen Straßen werden normale Fahrer nie die Grenzwerte der Boxster-Beine erkunden. Bevor das serienmäßige PSM (Porsche Stability Management) eingreift, hat GMV (gesunder Menschenverstand) schon längst das Gaspedal gelupft.

Wer es hingegen auf abgesperrter Rennstrecke doch mal brennen lassen möchte: Für 1508 Euro kann das gute Fahrwerk noch mit elektronisch geregelter Dämpfung verbessert werden. Das Sport-Chrono-Paket (742 Euro) paßt die Motorsteuerung dieser Fahrweise an und liefert noch eine Stoppuhr zur Rundenzeiten-Kontrolle mit. Kommen wir in unserer DNA-Analyse nun zu N wie Nutzwert. Nutzwert? Wer bei einem Porsche an so was denkt, der sollte besser Bummelbahn fahren. Einen Porsche kauft man mit ganzem Herzen. Und das sitzt uns allemal näher als die Brieftasche.

Okay, Fakten hat der neue Boxster auch zu liefern: Der Sitzverstellbereich hat sich gegenüber dem Vorgänger verlängert. Die Übersicht wurde dank größerer Scheiben besser. Die Seitenfenster sind wasserabweisend beschichtet. Das Lenkrad läßt sich nun auch in der Höhe verstellen, wobei die Verriegelung unangenehm laut ins Schloß knallt. Dank zweier Kofferräume lädt der Boxster insgesamt immerhin 280 Liter, das Carrera Cabrio faßt nur 130 Liter. Dafür hält es hinten aber noch zwei Notsitzchen bereit.

Technische Daten und Preis

Bleibt das A wie Aussehen. Die Frontlichter sind nur noch ein wenig spiegeleierig. Bei den Lufteinlässen stand wieder der Carrera Pate. Unbezahlbar bei allen Sechszylindern: das eingebaute Überhol-Prestige. Einfach nur Heranrollen, und schon entdecken die meisten Vor-Fahrer, daß es auf der Autobahn auch eine rechte Spur gibt. Traurig beim Boxster ist seit jeher nur eins: Der Motor bleibt unsichtbar. Den Lustgewinn aller Sportwagenfahrer können nur die Mechaniker unter der Hebebühne genießen.

Aber auch die Schrauber sollen nun weniger Arbeit bekommen: Wartung und Ölwechsel finden nur noch alle 30.000 (bisher 20.000) Kilometer statt, die Zündkerzen müssen nur alle 90.000 (bisher 80.000) erneuert werden, Tiptronic-Automatikgetriebe brauchen erst nach 180.000 (bisher 160.000) Kilometern frisches Öl. Da fährt ein Boxster schon in zweiter Hand. Und wird für die erschwinglich, die schon vorm Basispreis von 43.068 Euro zurückschrecken und vom Carrera Cabrio (ab 84.480 Euro) ohnehin nur träumen können.

Technische Daten Sechszylinder-Boxer • vier Ventile pro Zylinder • vier Nockenwellen • Hubraum 3179 cm³ • Leistung 206+ kW (280 PS) bei 6200/min • max. Drehmoment 320 Nm bei 4700/min • Heckantrieb • Sechsgang • Einzelradaufhängung vorn und hinten • Kofferraumvolumen v/h 150/130 l • Tankinhalt 64 l • L/B/H 4329/1801/1295 mm • Reifen v/h 235-265/40 ZR 18 • Leergewicht 1345 kg • 0–100 km/h in 5,5 Sekunden • Spitze 268 km/h Preis 51.304 Euro

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