Fahrbericht Porsche Cayenne GTS — 09.11.2007
Mut zur Lücke
Mit dem GTS lehnt sich Porsche weit aus dem Fenster. Die Schwaben behaupten, das V8-SUV mit 405 PS sei der sportlichste Cayenne. Ob das stimmt, hat autobild.de-Reporter Boris Pieritz im Süden Portugals überprüft.
Satter Sound, früher Drehzahl-Begrenzer
Als ich mich in die neu entwickelten Sportsitze mit erhöhten Seitenwangen schwinge, merke ich sofort, dass die Sitzposition total SUV-untypisch ist – man befindet sich deutlich näher am Straßenbelag. Recht so! Noch flugs anschnallen und los geht's. Kaum ist der Zündschlüssel rumgedreht, fährt es mir eiskalt durch die Glieder: Der Sound ist herrlich knackig. So richtig schön Porsche! Die serienmäßige Sportabgasanlage mit zwei verchromten Doppelendrohren und eine vergrößerte Drosselklappe pushen das Geblubber zusätzlich. Der 4,8-Liter-V8 hält akustisch absolut, was er auf dem Papier verspricht. Ein kurzer Schock dann aber beim erstmaligen Beschleunigen: Schon nach einem Wimpernschlag setzt der Drehzahl-Begrenzer ein. Schade! Bei nur 50 km/h und 6500 Umdrehungen ist im ersten Gang ist Schluss. Im zweiten geht es bis 90, der dritte macht bei 130 schlapp und bei Tempo 190 kapituliert der vierte Gang. Da hätte Porsche mehr rausholen können. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 253 (manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe) ist der GTS zudem nur ein km/h schneller als der Cayenne S.Der GTS mag es kurvig
Der Hersteller sieht dieses straffe Drehzahlband als ein Hauptargument der unbändigen Sportlichkeit des GTS. Ich bleibe skeptisch. Während einer kurzen Autobahn-Fahrt wäre ich pro Gang gerne etwas länger auf dem Gas gestanden. Wer wirklich knackig unterwegs sein will, muss den Wagen konsequent bei Laune halten. Bei 5000 bis 6000 Umdrehungen geht die Luzie so richtig ab. Weiter unten wirkt der Riesensportler etwas träge. Leider ist die Schaltkulisse ein wenig hakelig, ja fast zickig. Sie könnte um einiges direkter sein. Zudem ist der Schaltknauf ein Monster. Kleiner wäre feiner. Richtig aggressives, sportliches Fahren ist im GTS somit kein Kinderspiel. Man muss ganz schön ackern. Doch irgendwann gewöhne ich mich daran. Dann endlich: Serpentinen! Im kurvigen Gebirge zeigt der Schwaben-Bulle sein wahres Können: Dank der serienmäßigen 21-Zöller – die Brüder S und Turbo sind auf 18-Zöllern unterwegs – und verkürzter Achsübersetzung von 3,55:1 auf 4,1:1, die auch der Grund für das enge Drehzahlband ist, geht es brüllend-brachial bergauf und bergab. Ich vergesse komplett, dass ich in einem 2,2 Tonnen schweren SUV sitze.Mit dem serienmäßigen Porsche Active Suspension Management (PASM) sind drei Einstellungen – von sportlich bis komfortorientiert – wählbar. Das System wurde übrigens zusammen mit einer Stahlfederung von Porsche bislang nur in "echten" Sportwagen kombiniert. Ich wähle "sportlich". Das steht dem GTS ja schließlich auch ins Gesicht geschrieben. "Komfortorientiert" kann ich auch in einem 90-PS-Minivan haben. Wer noch mehr Fahrdynamik braucht, kann sich für einen Aufpreis von knapp 3000 Euro eine Luftfederung mit Niveauregulierung und Höhenverstellung und für rund 3200 Euro die Porsche Dynamic Chassis Control (PDCC) an Bord holen. Die dann vorhandene kontinuierliche Wankstabilisierung begrenzt die Seitenneigung in Kurven deutlich. So lässt sich der GTS fast wie auf Schienen die engen Straßen entlang peitschen. Zudem liegt er bretthart auf der Straße. Was wir mit dem GTS an der Algarve erlebt haben, sehen Sie in der Bildergalerie!
Fazit: Der GTS ist zu nah dran am Bruder S
| Technische Daten | ||
|---|---|---|
| Schaltgetriebe | Tiptronic S | |
| Motor | V8 | V8 |
| Hubraum | 4,8 Liter | 4,8 Liter |
| PS | 405 | 405 |
| max. Drehmoment | 500 Nm bei 3500 U/min | 500 Nm bei 3500 U/min |
| Höchstgeschwindigkeit | 253 km/h | 251 km/h |
| 0-100 km/h | 6,1 Sekunden | 6,5 Sekunden |
| 0-160 km/h | 14,7 Sekunden | 15,2 Sekunden |
| Leergewicht nach DIN | 2225 kg | 2245 kg |
| Durchschnittsverbrauch | 15,1 Liter auf 100 km | 13,9 Liter auf 100 km |
| CO2-Emissionen | 361 g/km | 332 g/km |

































