Fahrbericht Porsche Cayman S

Porsche Cayman S Porsche Cayman S

Fahrbericht Porsche Cayman S

— 22.09.2005

Schnappt der Cayman nach dem Elfer?

Hier kommt Schnappi. Das Porsche-Krokodil, bei dem auch Carrera-Kunden anbeißen könnten. Schon weil das Renn-Reptil über 18.000 Euro günstiger ist.

Profitables Viech mit sexy Hüftschwung

Wie gefährlich ist ein Kaiman? Frisch aus dem Ei geschlüpft, ist dieses Reptil noch harmlos. Doch je mehr es wächst, desto bissiger wird es. So könnte sich auch Porsches jüngstes Baby, benannt nach dem caiman crocodilus (ausgesprochen: Kehjmän), entwickeln und dem Elfer Kunden wegschnappen. Porsche sieht die Gefahr einer Kannibalisierung natürlich nicht. Das würde schon der um 18.212 Euro niedrigere Preis verhindern. Elfer-Fahrer wollen sich weiterhin bewußt abheben.

Ziel sei es vielmehr, Fahrer von Mercedes SLK, Audi TT oder Nissan 350Z zum Umsteigen zu bewegen. Ob diese Rechnung wirklich aufgeht? Ab dem 26. November geht der Cayman in den Handel, dann wissen wir, wen er sich als Kunden schnappt. Ein profitables Viech wird das intern C7 genannte Coupé mit dem sexy Hüftschwung allemal. Denn der Cayman basiert komplett auf dem Boxster (Baureihe 987). Neben dem modifizierten Unterbau mit Antriebs- und Fahrwerkeinheit sind Haube, Türen, Griffe, Windschutzscheibe, Scheinwerfer und die gesamte Armaturentafel identisch. Das spart eine Menge Geld.

Dennoch verlangt Porsche 6264 Euro mehr als für den Boxster S – und ist damit weltweit der einzige Autohersteller, der es sich leisten kann, ein Coupé teurer anzubieten als ein Cabrio. Und, jede Wette, diese Unverfrorenheit wird auch noch belohnt. Ich bin mir sicher: Beim Cayman wird so mancher anbeißen, der schon immer von einem Elfer geträumt hat. Wie dicht der Cayman S dem Carrera ans Blech fährt, zeigt die erste Testfahrt. Meine Meinung: Mehr Porsche braucht kein Mensch.

Schöner Gänsehaut-Sound mit Suchtgefahr

Die 295 PS aus dem 3,4-Liter-Boxer hängen so gierig am Gas, entwickeln ab 5200/min einen so schönen Gänsehaut-Sound, daß akute Suchtgefahr besteht. Hinzu kommen ein High-Tech-Fahrwerk und eine Top-Lenkung, wie wir sie seit Jahren aus dem Carrera kennen. Schon aus niedrigen Drehzahlen marschiert der Cayman unbändig los. 340 Newtonmeter haben mit 1340 Kilogramm (soviel wie ein Golf) keine Mühe. Wer den zweiten Gang ausdreht, endet nach wenigen Sekunden bei 115 km/h.

Dritter, vierter, fünfter, sechster – der Schalthebel rastet leicht und exakt ein. 200 km/h sind nach 18,6 Sekunden erreicht, und bei Tempo 275 km/h bevormundet keine Elektronik den Fahrer, sondern es stehen lediglich Motorleistung und Fahrwiderstände in natürlichem Gleichgewicht. Um den Boxer gut trainiert in den Ring zu schicken, spendierten die Porsche-Ingenieure dem Sechszylinder-Boxer etwas mehr Hubraum (von 3,2 auf 3,4 Liter) sowie die sonst ausschließlich dem Carrera vorbehaltene Vario-Cam-Plus-Technik, heißt: Nockenwelle plus Hub der Einlaßventile können verstellt werden.

Diese variable Beatmung der Brennräume bringt mehr Drehmoment und sorgt für eine bessere Gasannahme. Beispiel: Tritt der Fahrer bei Tempo 80 im fünften Gang das Pedal durch, zeigt die Tachonadel nach 6,6 Sekunden schon 120 km/h an. Das Fahrwerk des Cayman wurde im Vergleich zum Boxster zirka zehn Prozent straffer ausgelegt. Merkt man aber nicht. Im Gegenteil, der Cayman wirkt erstaunlich komfortabel. Grund, so Projektleiter Hans-Jürgen Wöhler, sei die wesentlich höhere Karosseriesteifigkeit. Der Cayman soll zweieinhalbmal so steif sein wie der Boxster.

Technische Daten, Fahrleistung und Preis

Bei allem Sportgeist, der mit dem Cayman S aufkommt, der Stuttgarter Renner hat durchaus auch seine nützlichen Seiten. Die Heckklappe öffnet wie beim Audi TT, nur mit dem Unterschied, daß beim Porsche statt der Rücksitze ein mit Teppich verkleideter Block zum Vorschein kommt. Darunter sitzt der Motor. Der Rest an Kofferraum (260 Liter) reicht zwar nicht gerade für den Samstagseinkauf bei Ikea, wohl aber für den netten Ausflug ins Wochenende. Und vorn unter die Haube passen immerhin weitere 150 Liter hinein.

Das Cockpit im Cayman ist Boxster pur. Alle Schalter und Anzeigen sind identisch. Einzig das kleine Dach über den Instrumenten bekam ein anders geformtes Lochblech. Das Motto "Alles, was man häufig berührt, muß sich gut anfühlen" setzte Porsche auch im Cayman konsequent um. Schalthebel, Lenkrad, Handbremsgriff, der Deckel des Ablagefachs sowie die Türgriffe sind mit Leder bezogen – und fühlen sich gut an. Am Ende der ersten Testfahrt steht mein Urteil fest: Der Cayman ist ein faszinierender Sportwagen. So faszinierend, daß eigentlich keiner mehr einen Elfer braucht. Außer fürs Ego.

Technische Daten: Sechszylinder-Boxermotor vor der Hinterachse • DOHC • Trockensumpf-Schmierung • Hubraum 3386 cm³ • Leistung 217 kW (295 PS) bei 6250/min • max. Drehmoment 340 Nm bei 4400 bis 6000/min • Sechsganggetriebe • Hinterradantrieb • Einzelradaufhängung rundum • vier innenbelüftete, gelochte Scheibenbremsen • Reifen 235/40 ZR 18 vorne, 265/40 ZR 18 hinten • Kofferraum 410 l • Tank 64 l • Gewicht 1340 kg • Länge/Breite/Höhe 4341/1801/1305 mm • Spitze 275 km/h • 0–100 km/ h 5,4 s • Verbrauchsmix 10,6 l Super plus • Preis: 58.529 Euro

Autor: Michael Specht

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